Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

von Alexander Eisenkopf29.01.2014Wirtschaft

Das Denkmal ADAC ist ruiniert. Damit fällt auch eine der letzten Bastionen gegen die alltägliche ökosozialistische Bevormundung. Schade.

Der ADAC befindet sich seit einigen Tagen unter schwerem Beschuss. Zuerst wurde bekannt, dass bei der Wahl zum „Gelben Engel“ die Abstimmungsergebnisse gefälscht wurden, worauf ein verständlicher Sturm der Entrüstung durchs Land zog. Nach anfänglich heftigen Dementis musste die Führung der ADAC dann eine 180-Grad-Kehrtwende machen und den Pressechef entlassen, der angeblich ohne Wissen seiner Vorgesetzten die Mauscheleien begangen hatte. Doch das war erst der Anfang.

Der ADAC-Präsident im Rettungshubschrauber unterwegs zu dienstlichen oder gar privaten Terminen? Auch wenn man alle Sachverhalte im Nachhinein gut erklären und begründen konnte, wurden selbst langjährige Sympathisanten des ADAC nervös: Wie lange ist der Präsident angesichts dieser Enthüllungen noch zu halten? Und dann, on Top, eine Meldung in der „Bild“-Zeitung: die Villa im Taunus, gebaut vom ADAC für einen Regionalmanager des Vereins! Das erreicht als Aufreger fast das Niveau des Bischofs von Limburg.

Alltägliche ökosozialistische Einflussnahme

Man kann durchaus gespannt sein, welche weiteren Unappetitlichkeiten verärgerte Journalisten, die sich bisher nicht mit dieser mächtigen Organisation anlegen wollten, demnächst noch ans Tageslicht zerren werden. Sie werden dabei von internen wie externen Whistleblowern gefüttert werden, die ihre Dossiers öffnen, um die Gunst der Stunde für eine Generalabrechnung zu nutzen. Doch ist der ADAC wirklich die böse und manipulative, von alten Männern mit überholten Einstellungen zum Auto geführte Lobbyorganisation, vor der selbst Kanzlerin Merkel Angst hatte, und die jetzt wegen ihrer Verfehlungen zu Recht an den Pranger gestellt wird?

Die Antwort ist wahrscheinlich ja, und das ist insbesondere bitter für alle, die sich der heute alltäglichen ökosozialistischen Einflussnahme durch die zahlreichen Lobbyorganisationen aus dem grünen Milieu mit ihren nachhaltigen, politisch korrekten und auf Bevormundung setzenden Meinungsmachern nicht abfinden wollen und sich mit dem ADAC als der letzten Bastion automobiler Freiheit zumindest arrangiert hatten.

Streit mit 18 Millionen potentiellen Wählern

Natürlich weiß die Öffentlichkeit seit längerem, dass der ADAC nicht nur ein Automobilclub, sondern zugleich ein äußerst potentes Wirtschaftsunternehmen ist. Hat das bisher jemanden gestört? Selbstverständlich haben viele wohlwollende Beobachter des ADAC den engen Schulterschluss zur Automobilindustrie als Problem gesehen. Und es ist bekannt, dass der ADAC zur Untermauerung seiner Lobbyarbeit auch die Wissenschaft vor den Karren gespannt hat. So ließ der ADAC im Jahre 2010 beim Institut für Verkehrswissenschaft an der Universität zu Köln eine Studie erstellen, in der für alle möglichen Mautszenarien volkswirtschaftliche Nettowohlfahrtsverluste errechnet wurden. Insbesondere die Lösung einer pauschalen Finanzierungsvignette kam schlecht weg – allerdings mit einer extrem fadenscheinigen Begründung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Apropos Maut: Das Thema Pkw-Maut war für mehrere Verkehrsminister kein Thema, da ein offener Streit mit einer 18 Millionen potentielle Wähler repräsentierenden Organisation wohl ihr politisches Überleben auf Spiel gesetzt hätte. Demnach scheint der ADAC eine höchst effektive und schlagkräftige Lobbyinstitution zu sein, die in den letzten Jahren aufgrund ihrer überzeugenden Arbeit sogar Mitgliederzuwächse vermelden konnte.

So sind diejenigen, die jetzt mit dem Finger auf den „gefallenen Engel“ ADAC zeigen, wohl vor allem aus einem Grunde schadenfroh: Der ADAC konnte bisher Lobby besser als sie selbst. Arbeitet man aber nicht auch bei den Umweltlobbys mit ähnlichen Mitteln? Wird nicht auch dort, teilweise mit gekaufter wissenschaftlicher Unterstützung, massiv Meinungsmache betrieben? So veröffentlicht die „Allianz pro Schiene“ einen „wissenschaftlich fundierten“ Bundesländerindex Mobilität, der angeblich die Anstrengungen der Bundesländer in Sachen nachhaltige Mobilität misst. Die Deutsche Umwelthilfe vergibt regelmäßig grüne, gelbe und rote Karten für die Dienstwagen von Bischöfen, Politikern und Managern. Und sogar die Deutsche Bahn (ein Unternehmen im Alleinbesitz des Bundes) betreibt mit Hilfe von teuren Ex-Politikern umfangreiche Seelenmassage in Politik und Medien zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen.

Effektives Kontrollgremium fehlt

Schade, dass ein Denkmal wie der ADAC wegen Betrügereien bei der im Grunde völlig sinnfreien Wahl des „Lieblingsautos der Deutschen“ vom Sockel gefallen ist. Aber so muss es wohl kommen, wenn manageriale Overconfidence und anmaßende Maßlosigkeit sich zur Hybris paaren.

Vielleicht hätten schon bei der vor geraumer Zeit lancierten Idee einer Übernahme des Nürburgrings durch den ADAC die Warnlampen aufleuchten müssen. Aber bei wem eigentlich? Ein effektives Kontrollgremium für das Treiben der Führungsriege des ADAC fehlt ja bisher. Jetzt steht man in München vor einem Scherbenhaufen, und es gilt, was der Volksmund sagt: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

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