Konjunkturprogramme sind immer nur kurze Strohfeuer. Michael Heise

Die Party ist vorbei

Bei Facebook wird in Zukunft alles ums Geldverdienen gehen – doch die Nutzer könnten dem Konzern einen Strich durch die Rechnung machen.

Als börsennotiertes Unternehmen geht es für Facebook in Zukunft hauptsächlich um eines: Gewinne einzufahren, und zwar möglichst in jedem Quartal mehr als im vorhergegangenen. Darüber, dass das Unternehmen seine Reichweite von mehr als 900 Millionen Nutzern künftig insbesondere über Werbung und das Mobil-Segment monetarisieren wollen wird, dürften wenig Zweifel bestehen. Allerdings liegen darin nicht nur Chancen: In beiden Bereichen trifft Facebook auf lange etablierte Wettbewerber, etwa Google oder Apple. Entsprechend aggressiv wird Facebook vorgehen müssen – zulasten der Nutzer.

Sensible Nutzer

Für Letztere bedeutet all dies nämlich vor allem eines: Das Unternehmen wird aufdringlicher werden. War das soziale Netzwerk bislang eine weitestgehend „saubere“, geschlossene Plattform, könnte speziell auf den Nutzer getrimmte Werbung bald auch auf externen Webseiten auftauchen. Der Unterschied zu Google: Facebook weiß weit mehr über seine Mitglieder, auch wenn der Suchmaschinen-Gigant die Lücke mit Google+ schließen will. Wie penetrant Facebook dabei letztendlich sein wird, entscheidet auch darüber, wie viele Nutzer vergrätzt werden.

Auf absehbare Zeit entscheidend für das Netzwerk ist auch der Mobil-Bereich. Mehr als die Hälfte der Facebook-Nutzer greifen bereits über Smartphones zu, Tendenz steigend. Eine echte Strategie ist Facebook bislang allerdings schuldig geblieben. Erste Gehversuche kamen reichlich spät, wie etwa die Eine-Milliarde-Dollar-Übernahme des Bilder-Netzwerks Instagram. Lediglich ein Facebook-Label auf die bekannte App zu kleben, wird allerdings nicht reichen.

Von mobiler Werbung hat das Netzwerk bislang wohl aus gutem Grund abgesehen – hier dürften Teilnehmer sicherlich recht sensibel reagieren. Nur wenn Facebook mit einer Lösung aufwartet, die die Nutzer nicht allzu sehr belästigt und trotzdem Umsätze generiert, kann sich das Unternehmen einen relevanten Wettbewerbsvorteil aufbauen. Eine etwas unkompliziertere Geldquelle in dem Segment wären mobile Spiele und Apps – im Browser sind die Zeitvertreiber eine der größten Ertragsbringer der Zuckerberg-Company. Gegen die Marktmacht von Apple und Google ein eigenes Smartphone durchboxen zu wollen, wie es die Gerüchteküche gerade zum wiederholten Male kolportiert, dürfte derweil ein schwieriges bis nahezu aussichtsloses Unterfangen sein.

In Neuseeland wurde darüber hinaus schon etwas getestet, was bislang zu Recht als absolutes Tabu galt: Geld für Nachrichten zu verlangen. Wer will, dass seine Mitteilung über den üblichen Katzenbildern und Computerspiel-Neuigkeiten erscheinen, investiert einen oder zwei Dollar, um die Botschaft mit einem virtuellen Textmarker hervorzuheben. Für Begeisterung würde es beim Gros der Nutzer sicherlich kaum sorgen, wenn sonst aus gutem Grund aussortierte Nachrichten auf der eigenen Startseite landen.

Gesucht: Schlüssige Strategie

Es wird für Facebook nicht einfach, beim Weg zum Geldverdienen umsichtig vorzugehen. Die Veränderungen dürfen für die Nutzer nicht zu schlagartig kommen, die Bedienung darf nicht zu unübersichtlich werden und Datenschutzaspekte müssen sensibler als in der Vergangenheit angegangen werden. Insgesamt wird dem Unternehmen eine erkennbare und vor allem in sich schlüssige Strategie abverlangt. Analysten und immer mehr auch die Nutzer wollen gerne positiv überrascht werden – überstürzte Aktionen sind da genauso schädlich wie die gerade beim Börsengang demonstrierte Geldgier. Vor dem Unternehmen liegt viel Arbeit. Die große Facebook-Party ist also erst einmal vorbei.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Andreas T. Sturm, Anke Domscheit-Berg, Oliver Götz.

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