Anstößliche Gedanken zum Jahreswechsel zwischen Shutdown und Lockdown | The European

Was soll man sich in diesem Jahr vornehmen?

Albert Wunsch1.01.2021Gesellschaft & Kultur, Medien

Einen solch ausgebremsten Jahreswechsel gab’s wohl noch nie. Selbst dem Sektkorken fehlte die Feierlaune. Er blieb einfach im Flaschenhals stecken. Ertranken in den zurückliegenden Jahren etliche der euphorisch formulierten oder angedachten guten Vorsätze schon in der Silvester-Nacht im kräftig konsumierten Alkohol, so erstickten sie nun in einer Corona-Deprimiertheit. Weshalb sich für das neue Jahr etwas vornehmen? Was haben wir denn bei solch reduzierten sozialen Kontakten für eine Zukunft? Von Albrecht Wunsch.

Auf zu neuen Höhen - vielleicht: Ein Blick auf das Börsenjahr 2021. (Foto: Quanrong Huang / Shutterstock)

Am Besten wir setzen uns zwischen die täglich steigenden Infektions- und Todeszahlen-Meldungen mit dem Smartphone in die Ecke und dösen zu den allgegenwärtigen „Keine-Kontakte-Appellen“ mit apokalyptischem Blick ins Morgen. Selbst der politisch hochgepriesene Impfstart verdunkelt durch 30% Impfgegner, weitere 30% Unentschlossene und viel zu wenig Impfstoff – auch wenn dazu die meisten Mainstream-Medien schweigen – das auch vom Bundespräsidenten prophezeite „Licht am Ende des Tunnels“ kräftig. Die Sorge vor einer Covid 19 Ansteckung entwickelt sich zur Erstarrungs-Pandemie. Ein Prosit auf die Perspektivlosigkeit.

Aber lethargisches Warten als Zukunfts-Option? – Nein, dass macht auch keinen Sinn! Die ultimativ in den Kopf springenden Frage lautet: Weshalb lasse ich mich durch dieses winzige Virus so runter ziehen? Wieso nutze ich die aktuellen Beeinträchtigungen nicht dazu, mein Leben neu zu ordnen? Um Ballast abzuwerfen und meine Zeit besser zu nutzen? Zu nachhaltigen Investitionen meines Resilienz-Portfolios? – Oder möchte ich, wie mein Chef kurz vor Weihnachten vom Bürostuhl direkt mit Blaulicht in die Infarkt-Ambulanz gebracht werden? Stöhnten wir in den vergangenen Jahren nicht ständig über Hektik und Stress? Litten wir nicht unter gestörtem Nachtschlaf? Kriselte es in der Partnerschaft nicht heftig, weil es an der Zeit für’s Miteinander haperte? Für die Kinder gab’s meist nur einen kurzen ‚hab dich lieb Gute-Nacht-Gruß’ per WhatsApp von der dienstlichen Nach-Hause-Fahrt. Und das heftig ersehnte Wochenende gipfelte oft im Streit, weil alle mehr oder weniger klare Erwartungen an dieses hatten, dummerweise nur niemand für deren Umsetzung sorgte.

Was hindert uns, aufgrund der verordneten Reduktion unseres täglichen ‚Hin-und-her-Gehetze’ die coronabedingten neuen Verfügungszeiten als Chance für gezielte Ruhe-Momente zu nutzen? Um im Innehalten herausspüren, was mir und den Meinen gut tut. Hat nicht das Homeoffice erst deutlich gemacht, wie wichtig der Partner bzw. die Partnerin ist, um sich zu Hause wohl zu fühlen? Ist nicht die variable Arbeitszeit-Planung eine tolle Gelegenheit, über Tag mal gemeinsam – auch mit den Kindern – draußen etwas unternehmen zu können? Bieten gemeinsame Mahlzeiten nicht einen bedeutsamen Mehrwert, weil sie nicht mehr bloße Futter-Plätze sondern Begegnungs-Orte sind? 

Ja, die Corona-Einschränkungen haben die Bedeutung und Kraft der Familie verdeutlicht. Darüber, dass das gesamte Bildungssystem im Frühjahr auf digitale Medien umschalten sollte, Handel und Gewerbe große Einbrüche zu verkraften hatte, wurde häufig anerkennend  berichtet. Aber Familien, welche seit vielen Jahren durch Politik und Mainstream-Medien eingetrichtert bekamen, Kinder möglichst früh und lange in die Obhut von Krippen und Ganztagsschulen zu geben, sollten nun von Null auf Hundert in der Lage sein, ihre Kleinen selber zu betreuen, den Älteren bei den Schularbeiten behilflich zu sein, Freizeit-Programme aus dem Hut zu zaubern und ‚nebenbei’ den Job zu managen. Und anstelle von Lufthol-Pausen stand Einkaufs-Anstehen auf dem Programm. Für die fünfköpfige Familie, den alten Nachbarn und die Großeltern. Und bei drei Nutzergruppen musste meist dreimal der Laden für den WC-Papier Erwerb aufgesucht werden, weil die Abgabe dieses Wertartikels ja nur in kleinen Mengen möglich war. So ruft dieser Jahreswechsel danach, innerhalb der Geschäftigkeit des Alltags die Prioritäten am Wert der Partnerschaft bzw. des Lebensraumes der Familie neu auszurichten.

Unterstrichen wird diese Einschätzung durch den renommierten Freizeitforscher Horst  Opaschowski in einem Interview zu den Corona-Beeinträchtigungen: „Wer die Kontakte zur eigenen Familie intensiv pflegt, fühlt sich wohlhabender und glücklicher als der, der „nur“ über Geld und Güter verfügt. Die Familie ist die beste Lebensversicherung und wertvoller als eine Geldanlage. Und: Sie überlebt alle Krisen!“

Aber welche Einlagen benötigt diese Lebensversicherung? Was mach Familien krisenfest? Wo stehenden die Wegweiser, um aus ichbezogenen Erwartungen heraus zu finden? Wie kann ich konkret zur Revitalisierung von Partnerschaft, Ehe und Familie beitragen? Was ist also nötig, um aus der eigenen Bequemlichkeit heraus zu kommen, um sich nicht erneut zwischen TV-Fernbedienung, Notebook bzw. Tablett, einem Lieblingsgetränk und dem Smartphone stundenlang zu verheddern? Welche handfesten Voraussetzungen sind für kleine Wohlfühl-Zeiten – ob als Paar oder Familie – zu schaffen? Was ist zu tun, damit die aus den Vorjahren zu Silvester in den Kopf gesprungenen Änderungs-Impulse nicht irgendwann zwischen März und Bequemlichkeit ‚in aller Stille’ zu Grabe getragen werden? – Ja, die Entscheidung, ob zum Wald-Spaziergang mit der Partnerin / dem Partner (mit oder ohne Kinder) trotz Nieselregens, zu Austauschgesprächen über Sorgen, stille Sehnsüchte oder eigentlich anstehende wichtigen Vorhaben oder für ein neues Zeit-Management benötigt zur Umsetzung einen klaren Perspektivwechsel, gepaart mit einem starken Wollen. Raus aus unguten und eingefahrenen Gewohnheit. Hin zu einem achtsameren und wertschätzenderen Miteinander. Denn in Komfortzonen wird das alltäglich Selbstverständlichen schnell so  selbstverständlich ist, dass ihm bald selbstverständlich die Puste fehlt.

Hier der Tipp, wie aus guten Vorsätzen konkrete Vorhaben werden: Ich plane mit der Partnerin / dem Partner – und falls vorhanden mit den größeren Kindern – die Termine direkt ins Smartphone ein. Vom 13. – 17.2.2021 (Karnevalstage) geht es mit dem ausgeliehenen Wohnmobil von Freunden in den Süd-Elsass. Natur pur, gutes Essen, Wein und reichlich Kulturgüter sind ein guter Rahmen für eine Auszeit. Falls vorhanden und vom Alter passend werden die Kinder in die Planung einbezogen.

Zum Erhalt einer stabilen Partnerschaft gibt’s übers Jahr alle zwei Wochen ein Mini-Paarabend-Event. Größere Kinder haben dann Eigenzeit und für die Kleineren bringen sich die Großeltern als Dank für die coronabedingte Umsorgung – natürlich mit Mund-Nasenschutz – ein. Für die Vorbereitung ist abwechselnd ER oder SIE zuständig. Die Bedingung: Der Abend findet außerhalb des Hauses statt, damit die heimelige Wohlfühl-Zone auf Dauer keine gewohnheits-bedingten Unwohlseins-Beschwerden auslöst. Und für den 24.6.2021 (Johannistag / Sonnenwende) wir eine Halbjahresbilanz mit allen Beteiligten angesetzt. Hat es nicht so richtig geklappt, dann können ja die Leidtragenden folgenden Anzeigen-Text bei ‚NEU-de’ aufgeben: Suche für trägen Partner /Partnerin bis zum Jahresende einen Abstellplatz mit Eigenversorgung. Zu Silvester gibt’s ja neue Planungen.

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