Deutschland allein zu Haus

von Albert Wunsch24.02.2012Gesellschaft & Kultur

Deutschland braucht mehr Kinder, ansonsten werden unsere sozialen Sicherungssysteme kollabieren. Doch eine Große Koalition aus Ignoranz und Egoismus ignoriert die Fakten – dabei ist klar: Wer keine Kinder hat, muss auf andere Weise seinen Beitrag leisten.

Wie würde die Öffentlichkeit auf die Initiative reagieren, dass häufig Unfälle verursachende Autofahrer nicht durch eine Aufstockung der Versicherungsprämie für ihr Verhalten bestraft werden dürften? Schließlich habe kein Staat den Menschen vorzuschreiben, wie sie ihr Auto zu steuern haben. Zusätzlich seien die nach einem Schaden einsetzenden Folgen – beträchtliche Kosten und eventuell ein Schock – schon Strafe genug. Mit Sicherheit würden die medialen bzw. politischen Wortführer eine solche Forderung als unverschämt zurückweisen: „Egal ob Unvermögen oder Fahrlässigkeit Unfälle auslösen, für die Folgen haben die Handelnden einzustehen.“

Große Koalition aus Ignoranz und Egoismus

Kommt jedoch – wie aktuell – eine Gruppe junger CDU-Bundestagsabgeordneter dazu, die ungerechte Lastenverteilung für die Renten- und Pflegeversicherung aufzugreifen, setzt wilde Abwehr ein: „Kinderlose dürfen nicht bestraft werden.“ „Kein Staat darf Menschen vorschreiben, ob und wie viele Kinder sie haben.“ Und die sonst eher abwartende Kanzlerin bringt schnell ein: „Ich glaube, die Diskussion der Einteilung in Menschen mit Kindern und ohne Kinder ist hier nicht zielführend.“ Es geht aber nicht um Strafe oder das vermeintliche aufoktroyieren von Kindern, sondern um das Tragen der Konsequenz aus der Kinderlosigkeit. Das ist eindeutig zielführend. Stattdessen wird der Staat durch heftige Abwehrmaßnahmen an seiner ureigenen Aufgabe gehindert, Anreize für gesellschaftlich oder ökonomisch wichtige Dinge zu setzten. Selbst der Hinweis, dass die vom Bundesverfassungsgericht geforderten „gesetzgeberischen Hausaufgaben“ schon längst überfällig seien, schafft keine Versachlichung. Eine große Koalition aus Ignoranz und Egoismus sperrt sich gegen eine gerechte Lastenverteilung, nicht nur bei der Altersvorsorge. Fakt ist, dass alle Kinderlosen zurzeit die Profiteure einer durch die nachwachsende Generation finanzierten Altersvorsorge sind. Dabei ist es rechnerisch unbedeutend, ob sie sich nun freiwillig oder unfreiwillig in dieser Situation befinden.

Beendet die Transfer-Ausbeutung

Ob nun einem konkret eingebrachten Vorschlag zugestimmt wird, ist eher zweitrangig, wenn direkt eine Alternative mit demselben Ziel eingebracht würde. “Parallel zu einer zukunftsgerechten Finanzierung unserer kinderarmen Gesellschaft”:http://theeuropean.de/albert-wunsch/9570-familienpolitik-und-richtige-familienfoederung ist die gravierende Frage auch noch zu lösen, wie denn die vielen alten Menschen in Zukunft versorgt werden können, wenn auf einen Erwerbstätigen mehrere Nicht-Erwerbstätige kommen? Zur Verdeutlichung: Es geht nicht um eine mildtätige Unterstützung von Familien, sondern um ein Beenden staatlich geregelter Transfer-Ausbeutung bzw. Sozialleistungs-Abzocke von Familien zu Gunsten von Kinderlosen. Nur eine Sozialabgabe nach Kinderzahl – ob per Nachlass oder Zuschlag geregelt – führt aus dem Irrweg. Da aber die meisten Politiker wiedergewählt werden wollen, vielen scheint eine Tätigkeit außerhalb von Parlamenten keine lebbare Alternative zu sein, will sich möglichst niemand mit der Mehrheit der Kinderlosen anlegen. Das fängt ja schon im Bundeskabinett mit einer weiblichen Kinderlosenquote von fast 70 Prozent an. Wie dem auch sei, die Kanzlerin brachte schnell ihr Veto ein. Dass es zu viele Schnorrer gibt, welche möglichst unauffällig aus dem Sozialsystem so viel wie möglich rausholen wollen, ist schon destruktiv genug. Ein Skandal ist aber, wenn es in einem Rechtsstaat möglich ist, ein seit elf Jahren existierendes Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Berücksichtigung der Kindererziehung bei der Höhe der Sozialabgaben gezielt zu ignorieren.

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