In der Welt des Unsinns gibt es wenige Herrscher. Alexander Kissler

Kampfbegriff „Herdprämie“

Der Streit um das Betreuungsgeld ist ideologisch verbrämt und nicht am Kindeswohl orientiert.

Der Auseinandersetzung zum Betreuungsgeld liegt eine massive Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit von Kinderkrippen zugrunde. Dies wird auch durch den kürzlich erschienenen 8. Familienbericht der Bundesregierung bestätigt. Außerdem offenbaren viele demokratisch gewählte Wortführer ein recht diktatorisches Selbstverständnis. Aber ideologisch verbrämte oder sich am Zeitgeist orientierende Politiker, welche sich nicht am Kindeswohl orientieren, sondern sich stattdessen wirtschaftlichen Forderungen unterwerfen bzw. die nächste Wahl im Blick haben, werden auch die Fakten des aktuellen. Familienberichtes gezielt ignorieren. So werden Kampfbegriffe wie „Herdprämie“ zur Verunglimpfung der Eltern eingebracht, die in Verantwortung durch Präsenz, Zuwendung und Rundum-Engagement Kindern täglich erneut Wertschätzung, Stabilität und Zufriedenheit bieten und damit die Eckpfeiler unserer Gesellschaft erhalten.

Die geforderte Wahlfreiheit wird mit Füßen getreten

Nein, so früh wie möglich sollen Babys raus aus dem Haus, am besten direkt nach der Mutterschutz-Zeit. Würden z.B. skrupellose Hundezüchter Welpen kurz nach der Geburt vom Muttertier entfernen, um diese schneller vermarkten zu können, Tierschutzverbände würden kräftig protestieren und entsprechende Gerichtsverfahren einleiten. Aber wenn ohne Not dazu aufgerufen wird, Säuglinge – damit wird das erste Lebensjahr umrissen – von der Mutter bzw. den Eltern zu trennen, weil die Wirtschaft das fordert und den Frauen indoktrinierend eingeredet wird, nach der gesetzlichen Elternzeit gleichzeitig das Verfallsdatum der betrieblichen Einsatzfähigkeit überschritten zu haben, setzt sich eine „ganz große Koalition“ an die Spitze dieser Bewegung. Sie krönt ihren Aktionismus, indem sie dieses „Raus aus dem Haus und ab in den Betrieb“-Diktat mit einer kräftigen Prämie von 800,- bis 1.300,- Euro pro Monat per Krippenplatz fördert und die selbst für ihre Kinder sorgenden Eltern dabei leer ausgehen lassen will.

Das Demokratieverständnis wird so auf dem Altar der Indoktrination dem „Gott Moderne“ geopfert und die vom Bundesverfassungsgericht geforderte echte Wahlfreiheit mit Füßen getreten. So sprechen Kritiker von „Unfug-Gesetz“, deklarieren das Eltern-Erziehungsgeld als „Fehlsteuerung von Sozialleistungen“, sprechen von einem „politischen Unfall“ oder argumentieren, „es passe einfach nicht in die Zeit“. Auf welchem Qualitätsniveau sind wir angekommen, wenn Erziehungs- und Bildungsprozesse den Zeitgeist übernehmen sollen? Dieser Aktionismus beschleunigt sich selbst: Auf jeden Fall dem Mainstream folgen, koste es was es wolle. Die Verdeutlichung, dass über 80 Prozent der Eltern ihre Kinder gut in der eigenen Familie erziehen und ca. 2/3 dies auch weiterhin so wollen – und bei 30 Prozent Krippenplätzen auch sollen – wie auch die Ergebnisse der aktuellen Bindungsforschung werden gezielt ignoriert. Da wirkt der Appell von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe fast wie die Stimme eines einsamen Rufers: Die Einführung des Betreuungsgeldes für Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, ist „eine pure Selbstverständlichkeit“.

Stunden sagen nichts über Qualität

Wer Ganztagsbetreuung als Bildungsoffensive anpreist, äußert sich in Dummheit, denn Stunden können nichts über die Qualität im Umgang mit einem Kind aussagen. Werden hier nicht akzeptablere Rahmenbedingungen geschaffen, entwickeln sich Krippen zu staatlich subventionierten Park-Häusern. Der häufig als Krippen-Befürworter bemühte Professor Dr. Dr. Fthenakis bringt’s auf den Punkt: „Keine noch so gute Krippe kann eine förderliche elterliche Erziehung ersetzen.“

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Thomas Kreuzer, The European, Frank Schäffler.

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