Schaut her

von Adnan Hajizada3.05.2012Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Der aserbaidschanische Blogger Adnan Hajizada ist überzeugt: Der ESC ist nicht unpolitisch. In einem exklusiven Video-Beitrag beleuchtet er, warum der Wettbewerb aber auch seine guten Seiten hat.

2009 wurde die aserbaidschanische Teilnehmerin, Aysel Teymurzadeh, Dritte. Ehemalige Teilnehmer aus Armenien versuchten, das Ereignis zu politisieren: In einem Promovideo zeigten sie eine bestimmte Statue, welche sich in Bergkarabach befindet – Staatsgebiet des heutigen Aserbaidschans, das jedoch von armenischen Streitkräften besetzt ist. In dem Video wurde die Statue als zu Armenien gehörig präsentiert. Nachdem Aserbaidschan seine Sorge über diese Nutzung des Denkmals zum Ausdruck gebracht hatte, wurde das Video zurückgezogen. Aber: Während der Punktevergabe holten die Armenier erneut das Bild der Statue hervor und signalisierten: „Diesmal haben wir es euch gezeigt.“ Ein Beweis, wie diese wunderbare Sing-und Tanzveranstaltung, bei der man seltsame Kostüme trägt, zu verschiedenen Anlässen politisiert werden kann.

Wenn Flaggen gehisst werden, wird es politisch

Inwiefern sind internationale Wettbewerbe unpolitisch? Die Olympischen Spiele? Die Fußballweltmeisterschaft? Wenn es einen internationalen Wettbewerb gibt, Flaggen gehisst und Hymnen gespielt werden, wird es politisch, denn Kriege sind heute nicht mehr so in Mode. Also suchen Staaten nach anderen Wegen, um sich zu beweisen. Der ESC findet dieses Jahr in Aserbaidschan statt und unser Nachbar Armenien, mit dem wir uns im Konflikt um Bergkarabach befinden, lehnt eine Teilnahme ab. Die Gründe: Menschenrechte von Armeniern an der Grenze seien verletzt worden und man wolle nicht in ein Land fahren, in dem der Hass gegenüber Armeniern zur offiziellen Staatspolitik geworden ist. Armenien will den ESC offensichtlich nutzen, um die Welt auf seine Seite zu ziehen. In Aserbaidschan selbst wird der ESC auch politisiert und der Bevölkerung als politischer Erfolg der Regierungspartei verkauft. Vielleicht wird es nicht offen im Fernsehen oder Zeitungen gesagt, aber in allen Debatten schwingt immer die Botschaft mit: „Wir sind gut, in dem was wir tun und hey, wir haben den ESC gewonnen.“ Die Mitglieder der Regierungspartei sind führend bei der Organisation des ESC und Mitglieder der Herrscherfamilie werden dort als Gastsänger auftreten. Die Politisierung des ESC hat aber auch gute Seiten. Es gab in den vergangenen Jahren viele Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan, vor allem im Zusammenhang mit politischen Gefangenen. Der ESC ist nun die große Möglichkeit, die Augen Europas und der ganzen Welt auf dieses kleine Land zu lenken, damit sie sehen, was hier passiert – und dass es hier Menschen gibt, die für Meinungsfreiheit, für Gerechtigkeit und liberale Werte kämpfen. Diese brauchen Hilfe und Unterstützung und müssen weltweit bekannt werden. Hoffen wir, dass durch den ESC ganz Europa informiert wird und er wenigstens ein bisschen Veränderung bringt.

Politisierung ist unvermeidlich

Der ESC ist Spaß. Der ESC ist Musik. Aber er ist für die Aserbaidschaner mit enormen Kosten verbunden. Das genaue Budget ist mir nicht bekannt, aber inoffiziellen Informationen zufolge sind es schon jetzt mehr als 300 Millionen Euro – Deutschland gab 2011 nur 70 Millionen aus. Das ist das Geld der Steuerzahler. Geld, das in andere notwendige Projekte hätte fließen können. Unabhängig von der Absicht und ohne Rücksicht auf den ursprünglichen Zweck dieses Wettbewerbs: Er ist für so ein kleines Land so bedeutend, dass seine Politisierung unvermeidlich ist. Wir sollten den Wettbewerb so akzeptieren, wie er ist, und ihn zu unserem Vorteil nutzen. „Wir“, das sind alle denkenden Menschen, sowohl innerhalb als auch außerhalb Aserbaidschans, die Aserbaidschan alles Gute wünschen. Ich hoffe, dass der ESC gut verläuft und ich bin froh, dass all die Journalisten und Touristen aus Europa nach Aserbaidschan kommen werden.

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