Liebe mich, wenn du dich traust

Aaron Ben-Ze’ev21.04.2014Gesellschaft & Kultur

Es ist keineswegs Wahnsinn, an die Liebe zu glauben. Man muss es nur schaffen, zwischen den ganzen Verlockungen das Wesentliche zu erkennen.

Gemeinhin wird angenommen, dass romantische Liebe etwas Verrücktes und Irrationales an sich hat. Ihnen fallen sicherlich unzählige Lieder und Sprichwörter ein, die genau das unterstreichen werden. Romantische Liebe und ihr einseitiger, scheinbar egoistischer Blick wirkt unvereinbar mit dem Ideal der Weisheit und Rationalität. Oder wie Robert Burton sagte: „Zu Lieben ist Wahnsinn.“

Ich muss dem widersprechen, denn ich glaube, dass echte Liebe weise und rational ist. Sie ist der beste Weg zum persönlichen Wohlergehen. Und unser „romantisches“ Hauptproblem ist heutzutage nicht etwa das Fehlen der Liebe, sondern die Liebe zu erhalten, nachdem man sie gefunden hat. Das Finden ist einfach: Viele Menschen lassen sich auf die Liebe ein. Sie aber zu festigen und zu erhalten ist sehr schwierig. Einer der Gründe dafür ist die Krise der Ehe. Trotz ihrer vielen Probleme galt sie lange als Ort echter Liebe – und wir haben noch keine Alternative für sie gefunden.

Lassen Sie uns diesem Dilemma auf den Grund gehen: Dazu muss zunächst zwischen oberflächlichen und tiefgehenden romantischen Erfahrungen unterschieden werden. Erstere basieren hauptsächlich auf plötzlicher und leidenschaftlicher sexueller Anziehung. Tiefgehende romantische Erfahrungen dagegen auf gemeinsamen, wertvollen Aktivitäten, welche die langfristige Entwicklung der Liebenden unterstützen. Die eingangs erwähnte Kritik, dass Liebe verrückt und irrational sei, gilt vor allem für oberflächliche Affären. Oberflächlicher Sex kann sogar schädlich sein, besonders wenn er exzessiv ist. Echte, tiefe Liebe ist dagegen positiv für die emotionale und körperliche Gesundheit der Liebenden. Sie zu finden ist hingegen weise und rational.

Es gibt zwei Gründe für die Krise der Liebe

Die Ehe ist _der_ Ort für langfristige Liebesbeziehungen (und das ist sie erst seit den letzten 200 Jahren). Unklar ist aber, ob sie in ihrer derartigen Form wirklich dafür geeignet ist. Denn sie steckt in einer tiefen Krise: Die Scheidungsraten sind hoch und die Zufriedenheit vieler Ehepartner ist niedrig. Aus diesem Grund geht die Zahl der Eheschließungen zurück, während die Zahl der Scheidungen, der unverheirateten Paaren und alleinerziehenden Familien ansteigt.

Für diese Krise gibt es diverse Gründe. Lassen Sie mich zwei davon nennen, die beide mit der Natur romantischer Liebe zusammenhängen. Erstens: die Oberflächlichkeit und kurze Dauer leidenschaftlicher Liebe. Und zweitens: die große Verfügbarkeit verlockender, romantischer Alternativen.

Unserem Bild der Ehe (und anderer fester Beziehungen) liegt die Idee zugrunde, dass leidenschaftliche Liebe essenziell ist und dass die Ehepartner in ihr eine gemeinsame Identität -kreieren. Es ist ein Ideal, das die Ehe zwar aufgewertet hat, es hat sie aber auch anfälliger gemacht. Denn leidenschaftliche Liebe und Hochzeit passen nicht notwendigerweise zueinander. Leidenschaft verändert sich laufend, mit der Zeit wird sie weniger. Wenn sie aber im Zentrum der Ehe stehen soll, wird diese leicht in Frage gestellt. Romantische Kompromisse werden ein Problem.

Genießen und Pflegen

In unserem digitalen Zeitalter sind Alternativen zum eigenen Partner zudem sehr leicht zu finden – und viele Menschen in guten und schlechten Ehen versuchen, außerhalb der Ehe eine leidenschaftlichere Beziehung aufzutun. Das macht sie oft unglücklich mit ihrem Partner, und sie entwickeln keine langanhaltende, tiefe Liebe. Das Problem ist, dass der Weg zur echten Liebe oft langweilig und unattraktiv wirkt. Andere Wege gibt es überall, es locken romantische Abenteuer. Entsprechend groß ist die Verlockung, sich vielen oberflächlichen romantischen Erfahrungen hinzugeben anstatt in die eigene Liebe zu investieren. Aber: Qualität ist bekanntlich besser als Quantität.

Diese zwei Aspekte fordern unsere etablierten Beziehungsmodelle heraus. Sie zerstören die Liebe aber nicht: Denn tatsächlich beschäftigt die Liebe immer mehr Menschen und spielt in immer mehr Beziehungen eine Rolle. Tiefe Liebe ist kein Hirngespinst, viele Menschen sehen sie als eine realistische, machbare und notwendige Bedingung für langanhaltende Beziehungen.

Zusammengefasst ist und bleibt die tiefe Liebe daher der weiseste und rationalste Weg, den Sie einschlagen können. Sie müssen den Weg lediglich finden und sich nicht von den vielen Hindernissen ablenken lassen. Leicht ist das nicht – aber es ist möglich, sofern Ihre Ehe oder feste Beziehung flexibel genug ist, dem Partner Raum für die eigene Entwicklung zu geben. Sich zu verlieben ist leichter, als die Liebe zu pflegen.

In unserer digitalen Welt ist Zeit eine knappe Ressource geworden – doch genau sie braucht es, um echte Liebe zu schaffen. Nehmen Sie sich also die Zeit, genießen Sie die Liebe und pflegen Sie sie. Es ist das Beste, was Sie für sich und Ihren Partner tun können.

_Übersetzung aus dem Englischen_

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