Zum Kauf von Büchern gehe ich aber noch immer lieber in den Buchladen. Brigitte Zypries

Wir können Vorreiter der Elektroautos werden

Eins ist sicher, meint Wolfgang Tiefensee: Es muss massiv investiert werden, und zwar von Industrie und öffentlicher Hand, damit wir die Entwicklung der Elektroautos aus Deutschland heraus vorantreiben können und den Konkurrenten aus Asien und den USA, aber auch aus Europa Paroli bieten können.

Die Elektromobilität wird eine der spannendsten Entwicklungen der Zukunft sein. Parallel zur weiteren Effizienzsteigerung der klassischen Antriebssysteme, gleichzeitig mit der Entwicklung innovativer Kraftstoffe arbeiten Industrie, Wissenschaft und Politik weltweit, also auch in Deutschland, mit Hochdruck an Technologien der Elektromobilität. Deutschland hat sich in Bezug auf die Pkws das Ziel gesetzt, im Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen. Das setzt voraus, dass 2017 die Markteinführung beginnt, ein ehrgeiziges Ziel, das gemeinsam zu schaffen ist.

Wichtige Voraussetzungen müssen jedoch bis dahin noch geschaffen werden. Und so gibt es nicht wenige, die vor zu hochfliegenden Zielen und zu ehrgeizigen Zeithorizonten warnen. Dennoch, wollen wir im Verkehrssektor einen Beitrag zum Klimaschutz und zur gesunden Umwelt leisten, sind alle Anstrengungen auf diesem Feld zu intensivieren. Betrachtet man die Elektromobilität im Kontext zur Stromerzeugung, steht der Einsatz erneuerbarer Energien auf der Tagesordnung. Die Wertschöpfungskette im Ganzen ist im Fokus, das heißt, alle Phasen von der Produktion des Fahrzeugs bis zu dessen Verwertung müssen nachhaltig gestaltet werden und gehen in die Energiebilanz ein.

Wo soll der Strom herkommen?

Enorme Herausforderung bestehen bei der Entwicklung der Batterien. Wir sind weit davon entfernt, den wirklichen Durchbruch in Bezug auf Gewicht, Leistung, Ladedauer, Lebensdauer, Sicherheit und Kosten geschafft zu haben. Das Gleiche gilt für den komplexen Aufbau der Ladeinfrastruktur in den Städten und Regionen. Bis zum Jahr 2012 sollte darüber hinaus geklärt sein, welche Grundstandards über Europa hinaus Geltung besitzen sollen, etwa bei Batterien und Ladesystemen.

Wir brauchen Investitionen

Eins ist sicher. Es muss massiv investiert werden, und zwar von Industrie und öffentlicher Hand, damit wir die Entwicklung aus Deutschland heraus vorantreiben können und den Konkurrenten aus Asien und den USA, aber auch aus Europa Paroli bieten können. Ein Beispiel ist Frankreich. Bis 2015 soll dort ein landesweites System mit einer Million Ladestationen aufgebaut werden, 90 Prozent davon in Privatgebäuden und Unternehmen. 1,5 Milliarden Euro will Paris in die Infrastruktur für die E-Revolution stecken.

Angesichts dessen muss noch in dieser Legislaturperiode mehr Geld aufwendet werden, um die Entwicklung zu beschleunigen. Ich habe als Verkehrsminister im April 2006 mit den Kollegen meines Hauses die Initiative Wasserstoff und Brennstoffzelle im Rahmen eines nationalen Innovationsprogramms aus der Taufe gehoben. 500 Millionen Euro umfasste dieses Projekt. Jetzt stehen nochmals insgesamt 500 Millionen Euro für die Elektromobilität zur Verfügung. Wenn wir bei der Elektromobilität die Technologieführerschaft erringen und ausbauen wollen, ist diese Förderung unverzichtbar. Im Blick auf Asien, wo riesige Märkte auf uns warten, ist das sehr klug angelegtes Geld. Die deutsche Industrie zieht mit. Sie hat auf diese Herausforderung spät, aber nicht zu spät reagiert.

Wenn es Deutschland im Geleitzug Europas gelingt, in Wissenschaft, Industrie und Politik die Kräfte zu bündeln, sollte es gelingen, die Technologieführerschaft zu erringen und zu behaupten. Dann können wir auch im 21. Jahrhundert den Beweis antreten, nach wie vor das Land der Ingenieurinnen und Ingenieure zu sein. So wären wir auch in der Lage, unseren Beitrag für Klimaschutz und bezahlbare Mobilität zu leisten.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Harald Krüger, Guido Walter, Thomas Ludwig.

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