Man braucht den demografischen Wandel nicht als Todesstoß aller Sozialsysteme zu brandmarken, um einzusehen, dass man an irgendwelchen Stellschrauben drehen muss, will man das Umlageverfahren stabilisieren.
Für Franz Müntefering war es simple Mathematik: Die Lebenserwartung steigt, und mit ihr die Rentenbezugszeit. Dem sollte sich das Rentenalter schrittweise anpassen. Die Umstellung sollte nicht abrupt vom einen Tag auf den anderen erfolgen, sondern 2012 beginnen und 2029 abgeschlossen sein, ein Anpassungszeitraum von immerhin 17 Jahren also. Kein Drama.
Die demografische Verschiebung hätte man dadurch entscheidend entschärft. Als die Rente mit 67 beschlossen wurde, lag das faktische Rentenalter bei gerade mal ca. 60 Jahren. Ceteris paribus hätte sich der Altenquotient bis zur Mitte des Jahrhunderts sage und schreibe verdoppelt. Die demografische Last wäre mit voller Wucht auf die Beitragszahler hereingebrochen.
Die SPD macht das Fass wieder auf
Das Müntefering-Projekt nahm dem einige Dramatik. Würden die Menschen wie geplant erst später in Rente gehen, würde dieser neue Altenquotient lediglich um einige Prozentpunkte steigen. Eine solch moderate Erhöhung dürfte für eine entwickelte und dynamische Volkswirtschaft wie die deutsche verkraftbar sein. Die Demografie, in allen Talkshows als Damoklesschwert des Sozialstaats gehandelt, wäre entzaubert.
Jetzt macht die SPD das Fass wieder auf. Und mühelos sei den Kritikern zugestanden: Noch liegt das faktische Rentenalter unter dem gesetzlichen. Noch ist die Arbeitslosigkeit unter Älteren besonders hoch. Und niemand wird bis 67 Fliesen legen oder Dächer decken können.
Doch warum diskutiert man nicht genau diese Fragen? Wo bleibt das Spitzentreffen zu den Themen, die wirklich wichtig wären: alternsgerechtes Arbeit, Gesundheitsprävention, lebenslanges Lernen. Ohne den Reformdruck landen diese Themen wieder auf dem Abstellgleis. Den Älteren ist damit gewiss nicht geholfen.
Ende offen
Von der Vorstellung eines fixen Rentenalters müssen wir uns ohnehin endlich verabschieden. Durch Betriebsmodelle und private Vorsorge sollte das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben fließend gestaltbar werden. Wir werden auch einen Ausbau der Erwerbsminderungsrente brauchen, die dafür sorgt, dass Menschen, die noch als erwerbsfähig gelten, aber zu ausgebrannt sind, sozial abgesichert bleiben.
Das Aufwärmen der Rentendebatte richtet aber noch mehr Schaden an: den erneuten Vertrauensverlust in die Rentenversicherung. Wer soll denn noch seine Rente für verlässlich halten, wenn alle zwei Jahre eine neue Jahrhundertreform ansteht?
Damit die junge Generation das Vertrauen in den Generationenvertrag zurückgewinnt, sollte es eine Rentenverfassung geben, in der die zentralen Parameter verbindlich festgeschrieben sind. Darunter könnte auch eine Regel zum Rentenalter fallen, das sich automatisch mit der Lebenserwartung verschieben könnte. Dann stünde die Alterssicherung nicht mehr zur beliebigen Disposition der Tagespolitik und bliebe sowohl vom Missbrauch als Wahlgeschenkeladen als auch von willkürlichem Aktionismus verschont.





















Grundsätzlich ist gegen ein Renteneintrittsalter mit 67,selbst 70 Jahen nichts zu sagen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.Da aber nur ca. 35% der über 60jährigen von der Wirtschaft noch beschäftigt werden, ist die Rente mit 67 eben nur eine Rentenkürzung.Wenn sie sich schon als Anwalt der jungen Gesellschaft sehen, sollten sie doch gegen die realen Missstände angehen und das sind mit Sicherheit nicht die Rentner. Es sind die versicherungsfremden Leistungen die die Kassen für den Staat erbringen müssen. Das vom Staat gezüchtete Heer im Niedriglohnbereich ( Sozialabgabenfrei ).Nicht zu vergessen die Pensionäre, die oft eine höhere Pension erhalten als der letzte Verdienst. Was ist an einerDurchschnittrente von 1091€ viel? Wenn sie also was Ändern wollen und nicht nur polemisieren, Ansätze gibt es genug, man muss sich nur trauen an der richtigen Stelle anzufangen.
RK, diesmal liegen Sie goldrichtig. Der Artikel enthält, liest man ihn in der Erwartung etwas Substanzielles zu erfahren, NICHTS! Er erinnert an Standard-Aussagen von Politikern; viele Worte, keine Aussage!
Nicht das Renteneintrittsalter sollte maßgebend sein, sondern die geleistete Lebensarbeitszeit und damit die Zeit, in der in die Rentenkasse einbezahlt wurde (und zwar von Allen, von Beamten, Freiberuflern, leitenden Angestellten und dem/der sogenannten kleinen Mann/Frau).
Dass, aus welchen Gründen auch immer schon heute die Einen 50 Jahre, die Anderen nur 25 Jahre gearbeitet, Geld verdient und damit die Rentenkasse bedient haben, ist zusammen mit den nicht einzahlenden o.g. Berufsgruppen die eigentliche Ungerechtigkeit, die auch durch zwei angehängte Alibi-Jahre nicht ausgeglichen wird.
40 oder 45 Beitragsjahre für Alle, egal in welchem Alter erworben als Standard, das wäre der richtige Ansatz. Wer weniger hat und in Rente gehen will, muss Abschläge hinnehmen (wie bisher) und für einige Ausnahmen soll es Anrechnungen geben (ähnlich wie bisher, aber nicht identisch).
Alles Andere bleibt Flickwerk, vor Allem aber ungerecht.
Auf dieser Basis sollten sich die Damen und Herren Politiker einmal Gedanken machen und (ich habe an anderer Stelle bereits darauf hingewiesen) man sollte auch daran arbeiten, dass parallel zu der vorgenannten Umstellung eine weitere Änderung in Angriff genommen wird, die langfristige Umstellung auf eine wirkliche “Versicherung”, wie sie anderenorts als Pensionsfonds bereits existiert.
SPD hat diesmal Klasse reagiert: Auf Abruf , stimmen die Rahmenbedingungen dann Renteneintritt mit 67! So was nennt man Politik wünsch Gabriel viel Erfolg!