Konjunkturprogramme sind immer nur kurze Strohfeuer. Michael Heise

Kriegsflüchtlinge stelle ich mir anders vor

Wolfgang Bosbach (CDU) hat nach der “Hart aber fair”- Sendung (“Bürger in Angst, Polizei unter Druck – ist unser Staat zu schwach?”) auf seiner Website die erschütternde E-Mail eines Polizeibeamten veröffentlicht.

Bosbach schreibt: " Gestrichen sind die Passagen, die einen Rückschluss auf die Person des Absenders zulassen könnten. Entscheidend ist nicht die Person des Absenders, entscheidend ist der Inhalt!"

Hier dokumentieren wir die E-Mail des Polizeibeamten

>>>

„Betreff: WG: Flüchtlingskrise aus der Sicht eines Polizeibeamten

Von einem Polizeibeamten
-—Ursprüngliche Nachricht——-

Sehr geehrter Herr Bosbach,
….
Ich selber bin Kriminalbeamter in …. und seit mehr als …. zuständig für aufenthaltsrechtliche Straftaten und Urkundenfälschungen zur Verbesserung des aufenthaltsrechtlichen Status. Nach dieser Zeit ist mir nichts mehr fremd im Bereich der Ausländerkriminalität. Ich habe Scheinehen, Scheinvaterschaften, Urkundsdelikte zur Vortäuschung der EU-Freizügigkeit, Asylbetrug zur Erschleichung von Sozialleistungen u. s. w. bearbeitet.
….
Die Gründe dafür sind für mich immer noch nicht nachvollziehbar. Seitdem sprachen und sprechen auf unserer Dienststelle sehr viele Menschen vor, um ein Asylbegehren zu äußern. Damit verbunden sind naturgemäß vorhergehende Straftaten der unerlaubten Einreise, sodass polizeiliches Handeln erforderlich ist (erkennungsdienstliche Behandlungen, Einleitung von Strafverfahren). Ich behaupte also einen Überblick darüber zu haben, um was für Menschen es sich handelt. Es waren zunächst Familien mit Kindern fast immer gut gekleidet und mit Barmitteln ausgestattet. Die erste Frage war häufig nach WiFi. Ich habe sogar Fälle erlebt, in denen während der Maßnahmen mit der Familie zuhause geskypt wurde.

Seit einiger Zeit kommen fast nur noch männliche Personen zwischen 20 und 30 Jahren, häufig perspektiv- und bildungslose Nordafrikaner aus der Maghreb Region. Aus den Erzählungen meiner Großeltern stelle ich mir Kriegsflüchtlinge jedenfalls anders vor. Auch wenn für jeden Einzelnen gute Gründe vorliegen seine Heimat zu verlassen, ich denke sie liegen überwiegend im wirtschaftlichen Bereich.

Dabei dürfte Ihnen die Problematik, dass aufgrund der Vielzahl der eingereisten Menschen an der Grenze keine Fingerabdrücke genommen werden können, hinreichend bekannt sein. Ausweisdokumente werden in der Regel nicht mitgeführt, in der Folge kommt es zu Doppelerfassungen bei der Beantragung einer BÜMA, wie nicht zuletzt die Razzia zeigte.
Mir ist bekannt, dass an der Grenze zwei Fingerabdrücke genommen werden. Diese werden allerdings nur zum Abgleich im AFIS beim BKA verwendet und anschließend nicht gespeichert. Das heißt eine anschließende Zuordnung ist nicht möglich. Auch die Aufstockung des BAMF und neue Einstellungen bei der Bundespolizei können aktuelle sicherheitspolitische Defizite m. E. nach nicht auffangen. Soweit ich das beurteilen kann, fehlen beim BAMF erfahrene Entscheider die verwaltungsrechtlich haltbare Asylentscheidungen treffen können. Mehr Stellen bei der Bundespolizei machen sich auch erst in mehreren Jahren bemerkbar, nämlich nach Beendigung der Ausbildung.

Ich konstatiere das m. E. ein sicherheitspolitisch unhaltbarer Zustand eingetreten ist. Ich erkenne einen staatsgefährdenden Verlust der Wehrhaftigkeit, verbunden mit fehlendem Respekt staatlichen Institutionen gegenüber. Dieser beginnt bereits an der Grenze, wenn wir nicht mehr in der Lage sind unerlaubte Einreisen zu verhindern. Ich glaube, dass es durchaus möglich wäre, basierend auf meinen Erfahrungen, die ich …. machen durfte, flächendeckend unerlaubte Einreisen durch Zurückweisungen / Zurückschiebungen zu verhindern.
Mir steht es nicht zu, Sie in meiner Funktion als Polizeibeamter darum zu bitten alles in Ihrer Macht stehende zu tun, die nationale Ordnung durch effektive Grenzkontrollen an der deutschen Grenze wieder herzustellen. Dies tue ich als besorgter Familienvater, der seine Kinder in geordneten Verhältnissen aufwachsen sehen möchte.

Mit freundlichen Grüßen

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Sebastian Kurz, Vera Lengsfeld, Boris Palmer.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Polizei, Flüchtlinge, Flüchtlingskrise

Debatte

Die eigentliche Flüchtlingswelle kommt erst noch

Medium_666dd2b434

50 Prozent der Flüchtlinge haben kein Recht auf Asyl

Ich glaube, wenn wir über die Flüchtlingskrise reden, dann sollten wir ganz offen zugeben, dass Vieles, was im letzten Jahr passiert ist, der falsche Zugang im Umgang mit dieser Krise war. weiterlesen

Medium_4c4af7992c
von Sebastian Kurz
28.06.2016

Debatte

Muslime als Minderheit bilden Unterschicht

Medium_f631809f6b

Der Frust bei den Zuwanderern ist eine tickende Zeitbombe

Wer weiß schon, was in den Asylbewerberunterkünften los ist? Es ist dank der Mithilfe vieler Freiwilliger gelungen, den Einwanderungssturm des letzten Jahres zu registrieren, verpflegen, medizinisc... weiterlesen

Medium_fa65ceb9bf
von Vera Lengsfeld
22.06.2016

Debatte

„Wir befinden uns im Ausnahmezustand“

Medium_7df69cd8e8

„Merkel hätte nie allein mit Erdogan verhandeln dürfen"

Der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy fordert ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik und ein härteres Vorgehen gegen Terroristen und islamistische Gewalttäter. weiterlesen

Medium_2c39e622cc
von Stefan Groß
17.06.2016
meistgelesen / meistkommentiert