Da Daten keine Sachen sind, kann man sie nicht stehlen. Beate Merk

Schluss mit den Streitereien!

Von wegen aus und vorbei: Das Berliner Humboldt-Forum ist auf dem besten Weg, Realität zu werden. Der Richterspruch war nur ein kleiner Rückschlag. Fraglich ist alleine die vollständige Finanzierung. Und die Unterstützung der Medien.

Obwohl es einigen Medienvertretern nicht recht ist: Der Bau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum ist weiter auf einem guten Weg. Natürlich ist der Spruch des Bundeskartellamts, nach dem die Auftragsvergabe an den italienischen Architekten Franco Stella nichtig ist, ärgerlich für den Bauherrn, deswegen hat der Bundesbauminister beim OLG Düsseldorf Beschwerde eingereicht. Entgegen der nach dem Spruch vielfach geäußerten Meinung, nun sei alles auf null zurückgestellt, hat das Kartellamt jedoch nicht das Wettbewerbsergebnis, bei dem Stellas Entwurf mit 15:0 Stimmen mit großem Vorsprung vor den anderen Preisträgern zum Sieger gekürt wurde, infrage gestellt. Es wurden Fehler bei der Auftragsvergabe gemacht, die aber heilbar erscheinen. Dennoch wagt niemand eine Prognose. Vor Gericht ist es wie auf hoher See, man ist in Gottes Hand.

Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, das noch keine Rechtskraft hat, arbeitet das Büro Stella mit seinen Partnern mit Hochdruck weiter an der Fertigstellung der Entwurfsplanung. Staatssekretär Lütge Daldrup sagte bei seiner letzten Pressekonferenz, dies sei selbstverständlich und werde auch von der Bundesregierung erwartet. Ein Zwischenstadium der weitergeführten Entwurfsplanung zeigt, dass Stella entgegen vieler Unkenrufe auch wirklich der Chefarchitekt ist: Die vorgestellten Pläne zeigen eindeutig seine Handschrift.

Alles hängt vom Geld ab

Der Bau ist in seiner Weiterentwicklung großzügiger geworden, man spürt den Einfluss der künftigen Nutzer auf die Bauplanung. Er bietet auch mehr Schloss als vom Bundestag gefordert: Die historische Kuppel, drei Innenportale im Bereich des früheren Großen Schlosshofs und die drei barocken Treppenhäuser im Schlüterhof scheinen jetzt realisierbar. Alles hängt vom Geld ab, hierfür wird es wohl kaum Steuergelder zusätzlich geben.

Also müssen wir unsere Anstrengungen vervielfachen, um zusätzlich ein Spendenvolumen von 40 Millionen Euro zu realisieren. Das wird eine Herkulesarbeit. Sie kann gelingen, wenn in einem Schulterschluss zwischen der Bundesregierung, der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum und den Spendensammelvereinen eine begeisternde Werbekampagne dafür gestartet werden kann. Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses war und ist vielen Bürgern mit ihrem Engagement zu danken, die aus kleinsten Anfängen heraus seit 1991 politisch überzeugende Mehrheiten dafür gewinnen durften. Jetzt geht es aber um das Eingemachte: Eine Bürgerinitiative ist nur so erfolgreich, wie Medien sie positiv kommunizieren, sie hat kein Geld für teure Werbeanzeigen.

Alle werden an einem Strang ziehen

Der Bundespräsident, der sich als Schirmherr an der Spitze für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum einsetzt, stellte deswegen folgerichtig fest: “Es ist gut, dass solche großen Vorhaben von öffentlichen Diskussionen begleitet werden und dass viele daran teilnehmen. Ebenso richtig ist es aber, wenn alle Beteiligten, nachdem eine Entscheidung getroffen ist, gemeinsam in die Zukunft schauen und sich nicht in Nachhutgefechten verzetteln.”

Wenn schließlich wie bei der Frauenkirche, die in den Anfängen ebenfalls heftig umstritten war, schließlich alle an einem Strang ziehen, wird das große Werk gelingen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Philipp Oswalt, Thomas W. Eller.

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