Im vergangenen Dezember sagte Familienministerin Schröder noch, aus einer Ehe könnten Kinder hervorgehen, aus eingetragenen Lebenspartnerschaften nicht – und deswegen sei eine völlige Gleichstellung nicht erstrebenswert. Das Verfassungsgericht dagegen kurz und präzise: “Nicht in jeder Ehe wachsen Kinder auf, es ist auch nicht jede Ehe auf Kinder ausgerichtet.” Und umgekehrt: “In zahlreichen eingetragenen Lebenspartnerschaften leben Kinder.” Das Bundesverfassungsgericht trägt damit der gesellschaftlichen Realität Rechnung, dass homosexuelle Liebe und Partnerschaft sich nicht von der Heterosexueller unterscheiden – und deswegen gleichbehandelt werden müssen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Diskriminierungen im Einkommenssteuerrecht und im Adoptionsrecht beseitigt werden. Es stünde dem Gesetzgeber jetzt gut an, einmal schneller zu sein als das höchste Gericht.
Der Gesetzgeber sollte sich beeilen
Die rechtliche Gleichberechtigung kommt also – doch der Hass bleibt. Die Mitte unserer Gesellschaft ist in den letzten zwölf Jahren toleranter geworden, doch an den Rändern steigt scheinbar wieder die Bereitschaft zur Gewalt. Je höher die Sichtbarkeit von Schwulen und Lesben, desto mehr fühlen sich einige Menschen provoziert. Das schwule Überfalltelefon MANEO ist vor allem dann im Dauereinsatz, wenn Schwule und Lesben beim CSD oder beim Regenbogen-Straßenfest besonders deutlich ihr Recht auf Teilhabe und Öffentlichkeit einfordern.
Dahinter steht auch der Wunsch mancher Konservativer, dass Schwule und Lesben doch bitte “ihre privaten Vorlieben” wieder im Geheimen leben mögen. Philip Gut, Herausgeber der Schweizer “Weltwoche”, forderte: Jetzt, da Schwule nun “alle erdenklichen Bürgerrechte” hätten – oh Schreck: selbst schwule Politiker! –, gehöre die “penetrante Sichtbarkeit zurückgestellt” und die “sexuelle Veranlagung” als Privatsache endlich wieder “diskret” behandelt. Auch schwule “Vorzeige”-Männer sind nicht dagegen gefeit, wie der mehr als verdruckste Umgang unseres Außenministers mit seiner Homosexualität zeigt. Als sein Lebenspartner ihn im Januar auf einer Dienstreise begleitete, freute sich Westerwelle darüber, dass “Herr Mronz sich die Zeit nimmt”. Er wolle sein Leben nicht ins Schaufenster stellen. Und in schwulenfeindliche Länder nimmt er seinen Partner schon gar nicht mit: “Wir wollen Toleranz fördern.” – Aber doch bitte nicht die Diktatoren dieser Welt provozieren! Wie will man aber Achtung und Akzeptanz fördern, wenn man selbst nicht offensives Beispiel für gelebte Normalität ist?
Raus in die öffentliche Normalität!
Die Lesben- und Schwulenbewegung hat lange gekämpft um Sichtbarkeit. Die CSDs und Straßenfeste zeigen plakativ: Wir sind hier, wir sind viele und wir sind vielfältig. Die rechtlichen Fortschritte gäbe es nicht ohne die offensive Sichtbarkeit – das lässt sich beobachten in Staaten wie Russland, Lettland oder Uganda. Aber auch in Deutschland hat die Geschichte gezeigt, dass Toleranz häufig nur an der Oberfläche existiert. Beim Besuch des Schwulen Museums in Berlin kann jeder hautnah erleben, wie golden die 20er-Jahre gewesen sind – wie bunt, wie fröhlich, wie tolerant. Doch der Gestapo genügten zwei Nächte, um das offene schwullesbische Leben in Berlin zu zerstören. Es folgten lange Jahrzehnte der Verfolgung, die nicht mit dem Ende der Nazi-Schreckensherrschaft vorüber war.
Vorurteile und Klischees entstehen durch Fremdheit – und Gewalt speist sich oftmals aus der Angst vor dem Unbekannten. Nein – für Schwule und Lesben gibt es keinen Weg “zurück in den Schrank”.

















LEBEN UND LEBEN LASSEN,JEDER FÜR SICH UND GOTT FÜR ALLE
Ich erwarte, dass von Seiten gleichgeschlechtlicher Paare oder homosexuell lebender Menschen nicht nur an eigene Rechte, sondern auch an die Rechte anderer, z. B. anvertrauter Kinder gedacht wird.
Sicherlich geht es Kindern in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft besser als in einem vernachlässigenden Elternhaus. Dieses oft zur Begründung des freien Adoptionsrechts bemühte Argument übersieht, dass Kinder Grundbedürfnisse haben, die sich nicht an den Wünschen oder Lebensbedingungen Erwachsener orientieren, sondern die einfach da sind.
In meiner täglichen Arbeit mit Kindern, oft auch aus Patch-Work-Familien, werden folgende Kinderwünsche von fast allen Kindern geäußert: Vater und Mutter sollen wieder zusammen sein (wenn sie getrennt sind), wer ist mein Vater/meine Mutter? (wenn sie 1 Elternteil nciht kennen). Mein Vater/meine Mutter sollten genug Zeit für mich haben.
Noch nie hat ein Kind gesagt, “ich hätte lieber 2 Mamas oder 2 Papas”.
Kinder, die in homosexuellen Partnerschaften aufwachsen, müssen nicht überdurchschnittlich viele psychische Probleme haben. In der Praxis haben sie diese, nach meiner Erfahrung aber aus folgenden Gründen oft:
1. Sie können sich mit der homosexuellen Lebensform der Eltern oft nicht vollständig abfinden, empfinden einen deutlichen Unterschied zu anderen Familien.
2. Sie werden teilweise in der Entwicklung einer eigenen stabilen (geschlechtlichen) Identität gestört, da auch die Eltern keine sichere geschlechtliche Identität besitzen. Und die Eltern sind diezbezgl als Vorbild sehr wichtig.
3. Die Rate von Partnerkonflikten und Trennungen sind in gleichgeschlechtlichen Beziehungen deutlich erhöht. Somit würde das Kind mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit einen verstörenden Beziehungs- und Bindungsverlust erleiden.
4. Die Rate der seelischen Erkrankungen (insbesondere Depressionen) ist bei Homosexuellen deutlich erhöht. Ein depressives Elternteil wirkt sich negativ auf die kindliche Entwicklung aus (Eltern-Kind-Rollen werden vertauscht, das Kind übernimmt Fürsorge für den Elternteil, überfordert sich damit, wird ggf. selbst depressiv).
Erwiesen ist, dass sich natürlich auch Schwierigkeiten in den normalen Familien, wie Paarkonflikte, Scheidung, Gewalt durch die Eltern negativ aufs Kind auswirken. Auch ein misshandelnder Vater kann z. B. bei einem Jungen eine Identitätsstörung auslösen, weil das Kind die eigene Männlichkeit nicht als positiv ansieht.
Wir sollten deshalb immer versuchen, die optimalen Bedingungen für Kinder zu schaffen und nicht primär den Erwachsenenwillen erfüllen zu wollen.
kommen einigermaßen damit zurecht, wenn sie ein
und an denen sollten wir uns orientieren.
und trotzdem fehlt ihnen etwas. Und zwar das andersgeschlechtliche Elternteil.
Sehr geehrte® Herr/Frau Krüger,
alle Ihre Argumente zeigen deutlich: die Anerkennung, dass homosexuelle Beziehungen “normal” sind und damit auch die Öffnung der Ehe für dieselben, ist notwendig … im Sinne der Kinder.
Zu Grund1: Wenn eine Elternform (mm bzw ww) als durch die Ehe legitimiert und letztendlich von der breiten Gesellschaft anerkannt wird, wird der “Unterschied zu anderen Familien” nicht mehr als Makel sondern als einfacher Unterschied gesehen. Schließlich ist es (etwas profan, aber zur Verdeutlichung) auch ein Unterschied, ob Pappa Formel-1 oder Fußballfan ist …
Zu Grund 2: Schwule und Lesben haben keine sichere geschlechtliche Identität? Da muss ich aus meiner Erfahrung widersprechen! Gerade durch den Zwang, sich mit der eigenen sexuellen Identität intensiver auseinanderzusetzen haben Schwule und Lesben ein wesentlich stabileres Verhältinis zu ihrer Sexualität. Haben sie das nicht, so liegt das wiederum daran, dass sie von der Gesellschaft als Randgruppe angesehen werden, und (noch in meiner Generation, geb. in den 70ern) sehr lange brauchten, bis sie ihre Sexualität offen leben konnten. Ein weiteres Argument, Schwule und Lesben als etwas “normales” anzusehen, damit Konflikte bei der sexuellen Selbstfindung erst gar nicht mehr auftauchen.
Zu Grund 3: Es gibt keinen rationalen Grund, warum — unter der Voraussetzung, dass die Partnerschaftsstrukturen die gleichen sind wie für Heterosexuelle — Partnerkonflikte und Trennungen bei Homosexuellen häufiger sein sollten. Das dies bisher so ist, liegt meiner Einschätzung nach an der grundsätzlich anderen sexuellen Sozialisierung. Auch hier: Gibt es gleiche Partnerschaftstrukturen (d.h. auch Ehe mit Kindern!), werden sich die Trennungsraten anpassen.
Zu Grund 4: Die erhöhte Rate psychischer Probleme ist meiner Einschätzung nach eine eindeutige Folge davon, dass die eigene sexuelle Identität nicht gesamtgesellschaftlich anerkannt wird. Woher sollte dieses Phänomen sonst kommen.
Tous comptes faits: Die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare ist der einzig rationale Weg, dafür zu sorgen, dass “Normalität” einkehrt … und zwar nicht als “Heteronormenkonformität”, sondern als Akzeptanz dafür, dass “anders” nicht gleichbedeutend ist mit “schlecht”. Davon würden auch langfristig die Kinder profitieren.
@Volker Beck.Ein bittnötiger Komentar zur Toleranz in Deutschland. Nur eines stört mich.Ich vermisse ihre Forderung nach der steuerlichen Verbesserung von Alleinerziehenden.In dieser Hinsicht bewegt sich unser Verfassungsgericht noch in der Steinzeit und bar jeder Realität.
@M.Scherr. Ihre Äusserungen sind ein Wunschgedanke, der mit sich mit der Wirklichkeit nicht vergleichen lässt.Bitte, wie soll ein Kind, im Kindergarten/Schule sich gegeg die Intoleranz anderer Kinder/ Eltern verteidigen? Es wird immer Vorurteilen ausgesetzt sein gegen die es sich wehren muss.Für den Kinderwunsch gleichgeschlechtlicher Paare sollen die Kleinen herhalten? Das kann ja wohl nicht sein.
@Rolf Kohl
Früher haben Kinder, die nicht ehelich geboren wurden, einen Spießrutenlauf zu durchstehen. Denken Sie nur an Willy Brand. Das sieht heute ganz anders aus. Und so wird es sich auch mit den Kindern, die in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft aufwachsen, in Zukunft entwickeln. Nicht die Lebenspartnerschaft verdient die Kritik, sondern die respektlose Gesellschaft.
@donbolko.
Da gebe ich ihnen vollkommen recht.
@W. Krüger und Herr Rolf Kohl
Bevor hier eigene Annahmen als Tatsachen angepriesen werden, sollte man sich erst einmal mit der Realität befassen.
http://www.bmj.bund.de/files/-/3813/Zusammenfassung_Lebenssituation_von_%20Kindern_%20in_gleichgeschl_LP.pdf