Ich war beliebt und damit gefährlich. Gabriele Pauli

Die sechs erfolgreichsten deutschen Aktien

Das Jahr 2015 ist Geschichte. Es war ein durchschnittliches Jahr für den Aktienmarkt. Eine schwache chinesische Wirtschaft und der VW-Skandal überschatteten lange Zeit das Jahr. Am Ende steht im DAX ein Gewinn von 9,56 Prozent da. Doch das liegt vor allem an diesen sechs Aktien. Sechs Aktien, sechs Erfolgsgeschichten.

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Platz 6: Continental

Die Continental-Aktie versetzte 2015 die darin engagierten Anleger reihenweise in Glückszustände. In den letzten fünf Jahren gab es für den Autozulieferer einen Kursgewinn von überragenden 280 Prozent. Auch in 2015 sprang der Kurs um knapp 28 Prozent. Nicht nur die Kurse, sondern auch die Geschäftsberichte haben bei Continental nur eine Richtung: nach oben. So konnten sie in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahr den Umsatz von 25,5 auf 29 Milliarden Euro steigern. Dabei stieg auch zugleich das Ergebnis pro Aktie von 8,99 Euro von Januar bis September 2014 auf 10,42 Euro im selben Zeitraum 2015.

Vor allem die Automotive Group konnte ihren Umsatz enorm steigern. Das Unternehmen besteht aus zwei großen Teilbereichen. Die Continental Group hat sich über die Jahre vom reinen Reifenhersteller (Rubber Group) zum zweitgrößten Automobilzulieferer (Automotive Group) Europas entwickelt. Die Automotive Group wächst stetig und macht nun mit 60 Prozent den Großteil des Unternehmensumsatzes aus.

Prognose für Continental 2016

Continental macht seit Jahren seriöse Arbeit und vergrößert das Unternehmen immer weiter – und das mit Riesenerfolg. Obwohl 2015 das Marktumfeld wegen der Wachstumsdelle in China sehr schwer war, war es für Continental ein weiteres Erfolgsjahr. Es spricht wenig dagegen, dass es für 2016 nicht mindestens genauso gut wird. Ein Platz in den besten 5 ist für das kommenden Jahr angepeilt.

Platz 5: HeidelbergCement

Der Zuschlagsstoff und Zementhersteller HeidelbergCement fand in den letzten Jahren im DAX kaum Beachtung. Seit sie 2010 in den DAX aufgenommen wurden waren sie in vielen eher Durchschnitt. Zwar konnten die Aktie in den letzten fünf Jahren beachtliche 60 Prozent zulegen, ist sie doch fast gleichauf mit dem Durchschnittswert des DAX. HeidelbergCement gehört selten zu den großen Gewinnern der deutschen Aktienwelt. Auch weil das Unternehmen in den letzten Jahren nicht immer gute Zahlen präsentiert hat. Zwischen 2008 und 2014, in einer Zeit in der viele Konkurrenten starke Wachstumszahlen präsentieren konnten, sank der Gesamtumsatz von 14 auf 12 Milliarden pro Jahr. Auch das Ergebnis pro Aktie verkleinerte sich von 14,55 in 2008 auf 2,59 Euro in 2014. Zudem musste das Unternehmen, was zurzeit 45.000 Mitarbeiter umfasst, in sechs Jahren 16.000 Menschen entlassen.

Das Image der unscheinbaren Aktie im DAX hat HeidelbergCement in 2015 endgültig verloren. Die Aktie schoss in einem durchschnittlichen Aktienjahr um gute 28 Prozent in die höhe und ist damit die fünft beste Aktie des DAX. Auch die Umsätze und Gewinne konnte der Konzern kräftig steigern. Während sie zwischen Januar und September 2014 noch einen Umsatz von 9,3 und einen Gewinn von 1,1 Milliarden erwirtschaftete, konnte man den Umsatz auf 10 und den Gewinn auf 1,4 Milliarden Euro steigern.

2016 will HeidelbergCement richtig angreifen und Marktanteile abgreifen. Der Konzern aus Heidelberg hat sich die Übernahme für rund 3,7 Milliarden von Italcementi gesichert. Beide Firmen brachten es 2015 auf ein Gesamtumsatz von rund 16,8 Milliarden Euro, doch der Konzern will ihn bis 2019 auf 20 Milliarden erhöhen und somit die Branchenführer LafargeHolcim, der einen Umsatz von rund 33 Milliarden aufweist, und CRH mit rund 24 Milliarden Jahresumsatz angreifen. Heidelbergcement geht dadurch allerdings ein nicht unerhebliches Risiko ein, denn die Verschuldung des Unternehmens steigt weiter.

Prognose für HeidelbergCement 2016

2015 war für HeidelbergCement ein sehr erfreuliches Jahr, ob ihnen das Integrieren von Italcementi gelingt und die hohe Verschuldung in den Griff bekommen wird, wird die große Aufgabe in 2016. Das Heidelbergcement im nächsten Jahr Platz fünf halten kann, ist eher unwahrscheinlich – doch eins steht fest: Sie werden in 2016 viel Beachtung finden.

Platz 4: Deutsche Börse

24 neue Unternehmen. Im Jahr 2015 wurden 24 neue Unternehmen an die Frankfurter Wertpapierbörse gebracht mit einem gesamten Emissionsvolumen von rund sieben Milliarden Euro. Die Deutsche Börse AG verzeichnete dadurch das beste Ergebnis seit 2007. Mit den Börsengängen von Covestro mit 1,5 Milliarden Euro, der Deutschen Pfandbriefbank mit 1,16 Milliarden und Scott 24 AG mit 1,02 Milliarden gingen dieses Jahr viele Marktriesen ins Rennen. Die 24 Neuzugänge wiesen bei Erstnotiz eine Marktkapitalisierung von 38,24 Milliarden Euro auf. Im Vorjahr waren es nur 21,41 Milliarden Euro gewesen. 2015 war für die Deutsche Börse also ein Erfolg.

Ebenso für ihre Anleger. In nur einem Jahr steigerte der Konzern ihren Kursgewinn um gute 37 Prozent. Für Anleger der Deutschen Börse AG war dies das beste Jahr seit 2007. Auch im Vergleich mit anderen DAX-Aktien landet das Unternehmen auf Platz vier des Jahres. Der Frankfurter Konzern konnte im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn beachtlich steigern. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2014 lag der Umsatz noch bei 1,5 Milliarden Euro – in 2015 steigerte er sich auf 1,77 Milliarden. Auch das Ergebnis pro Aktie stieg von 2,93 Euro in den ersten drei Quartalen in 2014 auf 3,06 zwischen Januar und September 2015.

Die Deutsche Börse AG profitierte von einer guten Konjunktur in Deutschland. Auch die Geldpolitik der EZB soll dem Unternehmen helfen. „Das fortgesetzte Anleihekaufprogramm der EZB ermöglicht den europäischen Aktienmärkten neue Rekorde“, heißt es im Jahresausblick der Helaba Bank.

Prognose für Deutsche Börse 2016

„Die Aktienmärkte der Eurozone profitieren auch 2016 grundsätzlich weiter von einer Liquiditätshausse“, meint Robert Haalver von der Baader Bank. Auch die Konjunkturprognosen sind erfreulich. Da die Deutsche Börse AG wie kaum ein anderes Unternehmen vom Erfolg der gesamten Wirtschaft abhängig ist, ist der Blick in die Zukunft rosig. Die Chance aufs Podest der erfolgreichsten DAX-Aktien in 2016 ist unsicher, aber durchaus realistisch.

Platz 3: Fresenius

Die Fresenius Aktie ist für Anleger ein großer Spaß. Es gibt kaum eine andere Aktie, die so konstant so hohe Kursgewinne erzielt. In den letzten zehn Jahren stiegen die Aktien um 460 Prozent, den letzten fünf um 215 und den letzten drei um 127 Prozent. In dieser Entwicklung ist es wenig verwunderlich, dass Fresenius auch 2015 mit einem Kursgewinn von 52 Prozent zu den drei besten Aktien gehörte. Diese Kursentwicklung wirkt auf den ersten Blick träumerisch, doch bei genaueren hinsehen wird deutlich, dass Fresenius einfach kontinuierlich gut arbeitet. Das Unternehmen mit Sitz in Bad Homburg ist im Medizin- und Gesundheitsbereich durch ihre Tochter Unternehmen vielseitig erfolgreich. Das Tochterunternehmen Fresenius Kabi zum Beispiel stellt Medizintechnik und Medikamente zur Infusion her. Aufgrund von Lieferengpässe für intravenös verabreichende Arzneimittel bei Rivalen von Kabi in Nordamerika gab es im vergangenen Jahr einen Wachstumsschub.

Die Tochter Fresenius Medical Care, die auch im DAX vertreten ist, ist Weltmarktführer im Dialysebereich. Auch bei Fresenius Medical Care läuft es. Bereits im August hatte Fresenius angekündigt, dass das im Februar 2014 ausgegebene mittelfristige Ergebnisziel für 2017 bereits in 2015 erreicht werden sollte. Durch die Unternehmenstochter Helios ist Fresenius dazu einer der größten privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands.

Ein weiterer großer Vorteil von Fresenius ist, dass Medizinunternehmen im Vergleich zu den meisten anderen Unternehmen kaum zyklisch sind. Die Gesundheitsbranche gilt auch in Zukunft als sehr stabil und wachstumsstark. Ein großer Unsicherheitsfaktor ist allerdings die Abhängigkeit von staatlichen Erstattungs- und Bezahlungssystemen. So ist es sehr geschäftsschädigend, wenn staatliche Stellen die Kostenübernahme für medizinische Behandlung zusammenstreichen, wie es in den USA geschehen ist. Da Fresenius aber lange nicht mehr abhängig ist von einzelnen Staaten, sondern gerade in Schwellenländern großen Wachstum verzeichnen kann, treffen sie solche Entscheidungen nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit. Ein großer Gewinnbringer in der Zukunft wird wohl sein, dass die chinesische Regierung angekündigt hat, bis 2020 ein staatliches Gesundheitssystem auf die Beine zu stellen.

Auch das 2013 ins Leben gerufene Kostensenkungsprogramm trägt Früchte – bis Ende 2016 sollen die Kosten um 300 Millionen US-Doller reduziert werden. Trotz der breiten Aufstellung im Medizinischen Bereich ist das Dialyse Geschäft das mit Abstand ertragreichste. Um das Risiko zu verringern will sich das Unternehmen allerdings nicht auf das Geschäft reduzieren und hat das Ziel bis 2020 18 Prozent des Umsatzes aus anderen Gesundheitsdienstleistungen zu beziehen.

Prognose für Fresenius 2016

Fresenius geht seinen Weg. Und dieser ist sehr erfolgreich. Sowohl im Dialyse, im Infusions- und im Krankenhaus Geschäft läuft es für Fresenius. Die Umsätze steigen, die Gewinne sprudeln und die Anleger sind entzückt. Es sieht alles so aus, als würde Fresenius für 2016 ein heißer Kandidat für Platz eins werden, wären da nicht die politisch – staatlichen Unwägbarkeiten der Branche.

Platz 2: Infineon

Die Geschichte Reinhard Ploss ist eine Erfolgsgeschichte. 2012 war Ploss an den Märkten ein unbeschriebenes Blatt. Er war 57 Jahre und Vorstand für Produktion und Forschung bei Infineon. Als er noch im selben Jahr nach dem freiwilligen Rückzug von Peter Bauer als neuer Vorstandsvorsitzender vorgestellt wurde, trauten ihm die wenigstens etwas zu. Nur drei Jahre später gibt es wirklich keine kritischen Stimmen mehr. Infineon ist zur Gewinneraktie des DAX avanciert. Als Ploss anfing war der Aktienkurs bei fünf – jetzt liegt er fast drei mal so hoch. Durch sein Mitwirken ist die Aktie nun höher als vor der Krise von 2007, als die Aktie von zwölf Euro auf rund 40 Cent abstürzte, also zwischenzeitlich zum Pennystock wurde.

Die Zahlen aus dem Geschäftsjahr unterstreichen diese Erfolgsgeschichte eindrucksvoll. Zwischen Oktober und September 2014/2015 konnte Infineon den Umsatz um beeindruckende 34 Prozent ausbauen. Vor allen der US-Amerikanische Markt legte mit 55 Prozent einen echten Wachstumssprung hin. Der Teilbereich „Power Management & Multimarket“, der sich mit Batterien und Netzteilen für Computer beschäftigt wächst mit 69 Prozent in nur einem Jahr am schnellsten. Der Umsatzgarant, die Autozulieferung ,ist auch weiterhin sehr erfolgreich.

Als Ploss 2014 den Zukauf des US-Wettbewerbers International Rectifier (IR) präsentierte, überwog die Skepsis. Zu teuer und zu kleine Gewinnmarge hielten ihm die Kritiker vor. Doch schon jetzt ist klar, die Übernahme war ein voller Erfolg und die 3,5 Milliarden richtig investiert. Binnen eines Jahres konnte die Gewinnmarge fast verdoppelt werden und das Ziel dadurch ein Jahr früher als gedacht erreicht werden.

Prognose für Infineon 2016

Es gibt zurzeit fast nichts, was an Infineon zu bemängeln wäre. Das Unternehmen steigert Umsätze, schreibt Gewinne und ist in einem Markt, von dem man sich in der Zukunft noch mehr erhofft.
Zur Bekanntgabe der Geschäftsjahreszahlen erinnert sich Ploss ein wenig mit Stolz: „ Als ich angetreten bin, ist die Aktie gefallen“, nun ist sie auf Platz zwei des Jahres 2015 -Diese Erfolgsgeschichte hat viele Gründe, aber auch einen Namen: Reinhard Ploss.

Platz 1: Adidas

Skandale auf allen Spielfeldern. Der Internationale Fußballverband FIFA hat schon lange mit schweren Korruptionsskandalen zu kämpfen. Auch die UEFA, das Pendant für Europa, gerät ins Zwielicht. Sepp Blatter und Michel Platini, die jeweiligen Chefs, wurden infolgedessen suspendiert. Auch das Sommermärchen – die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland – soll gekauft worden sein. Große Ikonen des deutschen Sports, allen voran Franz Beckenbauer, beginnen zu wanken. Der Chef des Deutschen Fußballverbandes, Wolfgang Niersbach, tritt aufgrund schwarzer Kassen und unklarer Verträge, von denen er gar nicht unbedingt was wissen konnte, zurück. Die schönste Nebensache der Welt, wie viele Fans den Fußball nennen, steckt in großen Schwierigkeiten. Der Deutsche Fußball durchlebt eine der größten Krisen in seiner Geschichte. Und dann ist es auch noch ein Jahr ohne wirklich große Sportereignisse.

Das Umfeld 2015 hätte für Adidas besser laufen können. Eigentlich kaum schlechter. Umso beeindruckender ist es, dass das Jahr für Adidas kaum hätte besser laufen können. Das Unternehmen steigerte in den ersten neun Monaten in 2015 den Umsatz um 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – den Gewinn sogar um 26,5 Prozent. Und im Vorjahr war nicht nur eine WM, sondern auch noch Adidas Partner Deutschland hat sie gewonnen.

Trotz Baustellen im Russland Geschäft und in dem Golfsegment sind die Zahlen überragend. Das kriegen auch die Anleger zu spüren: Adidas ist die Nummer eins. Hätte man Anfang des vergangenen Jahres in eine DAX- Aktie investiert, hätte man mit keiner mehr Geld verdient. Ein Kursgewinn von 56 Prozent in einem Jahr.

Das Unternehmen läuft sehr gut und im nächsten Jahr ist auch noch Europameisterschaft in Frankreich, was mit Milliarden Einnahmen verbunden ist. Zukunftsaussichten könnten schlechter aussehen – wäre da nicht da nicht der Vertrag mit dem DFB Team. Seit dem Wunder von Bern im Jahre 1954 ist Adidas Sponsor von der Deutschen Nationalmannschaft und hat durch ihre Erfolge Milliarden gemacht. Der Vertrag läuft aber 2018 aus und Branchenprimus Nike schickt sich an mitzubieten. Glaubt man Experten, ist Nike in der Lage ein vielfaches zu zahlen als Adidas. Trotzdem, Adidas und der DFB sind eine Erfolgsgeschichte. Es ist kaum vorstellbar, dass ein ausländisches Unternehmen wie Nike den Vorzug bekommt. Eine große Gefahr ist dieser Poker aber trotzdem.

Prognose für Adidas 2016

Adidas hat sich trotz schwierigster Marktumstände den ersten Platz gesichert und ist auch im nächsten Jahr Favorit. Denn erfolgreiche Zahlen und die bevorstehende Europameisterschaft dürften Adidas weiter pushen. Sollte das DFB-Team sich wirklich für Nike entscheiden und sollten die Probleme des Fußballs auch auf Adidas überschwappen hat das Unternehmen wirklich große Probleme. Diese scheinen aber unwahrscheinlich und deuten sich nicht ab – Deswegen ist Adidas die Nummer eins des Jahres – und das ganz ohne Skandale.

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