Unternehmer werden zwar gebraucht, aber nicht mehr bewundert. Das war früher anders. Ehrhardt Bödecker

Die Mobilität der Zukunft wird vernetzt

Vernetzung wird die Fuhrparkbranche immer stärker treiben. Kunden möchten flexible und effiziente Services, die rund um die Uhr verfügbar sind. Der klassische Geschäftswagen wird nicht out sein, ist aber nur eine Option unter vielen. Firmen benötigen deshalb individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen.

Frau Wingfield, Ihr Unternehmen bietet Dienstleistungen rund um den Firmenfuhrpark an. Dies schließt sowohl Pkw- und Transporter-Leasing als auch Full-Service-Angebote ein. Was macht eigentlich ein Fuhrparkdienstleister?

Kurz gesagt: Wir entlasten unsere Kunden in ihrem Fuhrparkmanagement. Unsere Produkte und Services schneiden wir individuell auf ihre Wünsche – vom Mittelständler bis zum internationalen Großkonzern – zu. Dazu zählt nicht nur das reine Finanzleasing von Flottenfahrzeugen. Wir beraten unsere Kunden umfassend und bieten ihnen eine Vielzahl von Dienstleistungen an: vom Werkstatt- und Reifenservice über Treibstoffmanagement und Eco-Fahrertrainings bis hin zum Schadenmanagement. Bei uns bekommt der Kunde Services aus einer Hand. Darüber hinaus bieten wir innovative Mobilitätslösungen wie etwa Corporate Carsharing oder Elektromobilität. Alphabet ist zwar ein Tochterunternehmen des BMW-Konzerns, aber wir haben alle Marken und Modelle sowie Transporter im Angebot. Diese Kombination hebt uns klar in der deutschen Fuhrparkbranche hervor.

Was sind im Zeitalter der Digitalität die Herausforderungen für einen Fuhrparkdienstleister wie Alphabet?

Fahrer möchten jederzeit Zugriff auf wichtige Informationen rund um ihre Mobilität haben. Mit unserer App AlphaGuide stellen wir ihnen eine Art digitalen Mobilitätsberater zur Seite. Er zeigt ihnen Tankstellen und Servicepartner im Umkreis. Außerdem können Nutzer den AlphaGuide mit ihrem Kalender verknüpfen. Er erinnert sie an wichtige Termine und den rechtzeitigen Aufbruch und informiert über mögliche Verkehrsverzögerungen – übrigens auch per Smart Watch. Im Schadenfall unterstützt die App durch ein unkompliziertes Unfallreporting. Fahrer können die Unfallschäden hochladen, diese werden direkt an unser Schadenmanagement-Team weitergeleitet und bearbeitet. Für unsere Kunden bedeutet dies einen Service, der über den Leasingvertrag hinausgeht.

CO2-Emissionen belasten Mensch und Umwelt. Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit, wo setzen Sie hier Schwerpunkte?

Energieeffizienz und ein nachhaltiger Fuhrpark stehen bei vielen unserer Kunden im Fokus und sind häufig auch in der jeweiligen Car Policy festgelegt. In ausführlichen Beratungsgesprächen schauen wir gemeinsam, wie sich ihre Flotte umweltfreundlicher gestalten lässt. Gefragt ist neben Eco-Fahrertrainings auch ein nachhaltiger Antriebsmix. Die meisten Dienstfahrzeuge legen nicht mehr als 150 Kilometer pro Tag zurück, daher sind Hybride und Elektroautos eine sehr gute Alternative zu konventionellen Flottenfahrzeugen. Wir beraten unsere Kunden hier umfassend, was das für sie am besten geeignete Fahrzeugmodell ist, welche Lademöglichkeiten infrage kommen oder ob zusätzliche Services Sinn machen.

Ist Carsharing eine Alternative? Wie sieht es beim Thema Elektromobilität aus? Davon wird viel gesprochen, aber wenig realisiert. Warum investiert man nicht mehr in die Zukunft der Elektromobilität?

Carsharing ist auf jeden Fall eine Alternative. Nicht nur, dass wir in einer „Sharing Economy“ leben, in der das Teilen von Fahrzeugen längst nicht mehr außergewöhnlich ist. Für Fuhrparks rechnet sich Carsharing: Die Auslastung eines Flottenfahrzeugs liegt normalerweise bei 4 bis 5 Prozent. Unsere AlphaCity-Fahrzeuge – AlphaCity ist unser Corporate Carsharing – haben eine Auslastung von rund 80 Prozent. Sie haben nicht so lange Standzeiten, da mehr Mitarbeiter sie nutzen. Zudem können sie die Fahrzeuge gegen eine Gebühr auch für den privaten Gebrauch buchen. Fuhrparkmanager können ihre Gesamtbetriebskosten damit deutlich reduzieren.

Viele unserer Kunden interessieren sich auch für Elektromobilität. In unseren Beratungsgesprächen merken wir, dass sich etwaige Bedenken meist um die Themen: zu geringe Reichweite, keine passende Ladeinfrastruktur oder zu hohe Kosten drehen. Wir unterstützen deshalb drei vom Bundesumweltministerium geförderte Forschungsprojekte zur E Mobility – und das sehr erfolgreich: Deutschlandweit sowie mit regionalen Projekten in Berlin und Hamburg haben wir 2015 im Rahmen der Förderprojekte bereits mehr als 1.000 E Fahrzeuge auf die Straße gebracht – besonders gefragt war dabei der BMW i3. Erst letztes Jahr haben wir beispielsweise im Rahmen des bundesweiten Förderprojekts PREMIUM 50 BMW i3 an die Stadt Leipzig übergeben. Diese Förderprojekte unterstützen uns dabei, die Vorurteile gegenüber E Mobilität weiter abzubauen.

Was tun Sie für die Mitarbeitermobilität der Zukunft?

Home Office, Mobilarbeit, unterschiedliche Firmenstandorte – unsere Arbeit wird immer flexibler. Wir müssen deshalb verschiedene Mobilitätsoptionen im Blick haben. In Kürze werden wir unsere App AlphaGuide erweitern: Nutzer bekommen dann nicht nur Informationen über die Wegstrecke per Fahrzeug, sondern können auch sehen, ob sie auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umsteigen oder einen Teil der Strecke vielleicht zu Fuß bewältigen könnten. Wenn ich zu unseren Alphabet-Kollegen in den Niederlanden blicke, sehe ich eine weitere interessante Entwicklung: Hier steht Kunden eine Art Mobilitätsbudget zur Verfügung. Über diesen Weg bekommt der Mitarbeiter monatlich einen Betrag, den er für Mobilitätszwecke nutzen kann – egal ob per Fahrrad, Carsharing, Zug oder Flugzeug. An dieser Idee sieht man, in welche Richtung sich die Branche entwickeln kann.

Frau Wingfield, warum ist es Ihnen als Vorsitzende der Geschäftsführung von Alphabet Deutschland wichtig, mehr Frauen in Führungspositionen einzubinden?

Bei Alphabet sind wir fest davon überzeugt, dass der Erfolg eines Unternehmens im Wesentlichen von den Mitarbeitern abhängt. Wir wollen die Besten gewinnen – und dazu gehören natürlich auch Frauen. Die BMW Group ist sehr engagiert in der Frauenförderung. Die Lösung für den Erfolg sind aus meiner Erfahrung heraus gut gemischte Teams. Es geht um die richtige Mischung, um Diversity. Frauen denken häufig anders als Männer – diese unterschiedlichen Herangehensweisen führen zu innovativen und kreativen Ideen.

Wie sieht in den nächsten Jahren das Geschäft mit der Flottenmobilität aus? Wird die Konkurrenz für das Fahrzeug immer größer?

Vernetzung wird die Fuhrparkbranche immer stärker treiben. Kunden möchten flexible und effiziente Services, die rund um die Uhr verfügbar sind. Der klassische Geschäftswagen wird nicht out sein, ist aber nur eine Option unter vielen. Firmen benötigen deshalb individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen. Auch hier macht es die Mischung.

Fragen: Stefan Groß

Über Alphabet:
Alphabet zählt zu den größten Anbietern von Leasing- und Fuhrparkmanagement-Services und betreut mehr als 600.000 Flottenfahrzeuge weltweit. Das Tochterunternehmen der BMW AG ist in 18 Ländern tätig.

Hat Ihnen das Interview gefallen? Lesen Sie auch ein Gespräch mit Gustav Horn: „Der Verlierer ist Europa“

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