Energie darf kein Luxusgut werden. Winfried Kretschmann

US-Aktien: Luft für den Jahresendspurt?

Im bisherigen Jahresverlauf zeigten sich die US-Börsen vergleichsweise robust gegenüber politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten – die Aktienkurse kletterten von Rekordstand zu Rekordstand. Kann sich ein Blick auf den US-Aktienmarkt weiterhin lohnen? Einiges könnte dafür sprechen.

Nur die wenigsten Aktienanleger dürften aufgrund ihrer Geldanlage im Jahr 2017 schlaflose Nächte gehabt haben – denn insgesamt entwickelten sich die Kurse an den meisten Börsen weltweit bislang durchaus positiv. Das gilt, trotz temporärer Kursrücksetzer, auch für die USA. Dass in den Vereinigten Staaten die Schwankungen vergleichsweise gering ausfielen, mag dabei durchaus ein Stück weit überraschen. Schließlich war das ökonomische und politische Umfeld für US-Aktien in diesem Jahr nicht immer einfach. So blieb das Wirtschaftswachstum in der größten Volkswirtschaft der Welt in den ersten beiden Quartalen 2017 hinter den Erwartungen zurück. Zudem enttäuschte die Marktteilnehmer, dass die Trump-Regierung kaum eines ihrer wirtschaftspolitischen Wahlversprechen einlösen konnte. Zuletzt sorgte außerdem die Zuspitzung des Konflikts mit Nordkorea für zusätzliche Verunsicherung.

Dem US-Aktienmarkt konnten diese Unsicherheiten bislang jedoch kaum etwas anhaben: So legte der US-Leitindex S&P 500 seit Beginn des Jahres um rund 14 Prozent in US-Dollar zu und knackte dabei Rekordhoch um Rekordhoch – zuletzt mit einem Stand von mehr als 2.500 Punkten. Bemerkenswert dabei ist, wie stabil sich der S&P 500 insgesamt entwickelte: In den vergangenen zehn Monaten verlor der Index in keinem Monat mehr als 3 Prozent – das ist eine der längsten Perioden seit dem Zweiten Weltkrieg ohne größere Kursverluste. Und einiges spricht dafür, dass sich der positive Trend fortsetzen und US-Aktien weiterhin Luft nach oben haben könnten.

So senden die USA konjunkturell derzeit wieder positive Signale: Der private US-Konsum konnte trotz einzelner Rücksetzer zuletzt insgesamt positiv überraschen – und deutet auf weiteres Wachstumspotenzial im für die US-Wirtschaft so wichtigen US-Binnenkonsum hin. Daneben hat sich auch die Lage im Verarbeitenden Gewerbe verbessert: Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe ist im September von 58,8 auf 60,8 Punkte und damit erstmals seit mehr als 13 Jahren wieder über die 60-Punkte-Marke gestiegen. Zwar hat die Deutsche Bank ihre Prognose für das US-Wachstum im dritten Quartal 2017 aufgrund der Auswirkungen der jüngsten Hurrikane von 2,9 auf 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal nach unten korrigiert. Allerdings sollte die US-Wirtschaft im vierten Quartal dieses Jahres wieder aufholen können: Für diesen Zeitraum hat die Deutsche Bank ihre Wachstumserwartungen zuletzt von 2,4 auf 3,1 Prozent angehoben (Angaben jeweils auf das Jahr hochgerechnet).

Gute Gewinnaussichten für US-Unternehmen

In einem solchen Umfeld sollten US-Unternehmen weiterhin gute Geschäfte machen können: Nachdem sie ihre Gewinne bereits im zweiten Quartal des Jahres um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern konnten, rechnet die Deutsche Bank im dritten Quartal 2017 mit einstelligen Gewinnzuwächsen – was für weiteres Aufwärtspotenzial am Aktienmarkt sprechen könnte. Die positiven Ertragsaussichten werden neben den volkswirtschaftlichen Perspektiven von zwei Faktoren gestützt: Zum einen steigen die Margen der US-Unternehmen seit Jahren und dürften weiter auf einem hohen Niveau bleiben. Zum anderen könnte sich der auf Jahressicht tendenziell gegenüber vielen wichtigen Währungen weltweit eher schwache US-Dollar positiv auf die Gewinnsituation exportorientierter US-Konzerne auswirken, da er ihre Waren in anderen Währungsräumen günstiger und damit wettbewerbsfähiger macht.

Einen Teil der erwirtschafteten Gewinne könnten die US-Unternehmen weiterhin in Form von Aktienrückkäufen an ihre Anteilseigner weitergeben. Denn durch den Rückkauf von eigenen Papieren wird unter anderem die Nachfrage nach der jeweiligen Aktie erhöht, was wiederum den Kurs treiben kann. Diese Art der „Kurspflege“ könnte nach Einschätzung der Deutschen Bank in diesem Jahr mit rund 10,0 Prozentpunkten zur Gesamtperformance eines US-Aktieninvestments beitragen – nach 17,0 Prozentpunkten im Vorjahr.

Politische Risiken nicht außer Acht lassen

Trotz des insgesamt positiven Ausblicks für US-Wirtschaft und -Unternehmen gilt es für Anleger jedoch, potentielle Risiken im Auge zu behalten. Dazu gehören, neben einer möglichen weiteren Verschärfung des Konflikts mit Nordkorea, weiterhin die politischen Entwicklungen innerhalb der USA.

Denn mit Blick auf die US-Administration ist nach wie vor kein klarer Kurs erkennbar – wie sich nicht zuletzt an den zahlreichen Personalrochaden zeigt. Dementsprechend ist nicht auszuschließen, dass von politischer Ebene immer wieder Unsicherheit an den Kapitalmärkten ausgehen kann. In diesem Jahr zeigte der US-Aktienmarkt jedoch trotz der Enttäuschung über die Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung bisher eine positive Performance. Und da viele Marktteilnehmer nicht mehr mit einer zeitnahen Umsetzung Trumps angekündigter Maßnahmen rechnen, könnte beispielsweise die mögliche Implementierung einer Steuerreform sogar zusätzliche positive Impulse geben.

Von geldpolitischer Seite dürfte der US-Konjunktur kaum Gegenwind drohen. Denn auch der Rücktritt vom Vizepräsidenten der US-Notenbank Federal Reserve, Stanley Fischer, im September dürfte nichts daran ändern, dass die Fed ihren Kurs der geldpolitischen Straffung zwar fortsetzen wird – die weitere Abkehr von der expansiven Geldpolitik jedoch in einem moderaten Tempo erfolgen dürfte. So hat die Fed im September die bereits vom Markt erwartete Bilanzverkürzung vermeldet: Von Oktober an will die US-Notenbank ihre Bilanz um zunächst überschaubare 10 Milliarden US-Dollar monatlich reduzieren. Insgesamt könnte der US-Aktienmarkt daher für entsprechend risikobereite Anleger weiterhin eine interessante Anlagealternative darstellen.

Diese Kolumne erschien zuerst in Ihrer BÖRSE am Sonntag.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ulrich Stephan, Sebastian Sigler, Alexander Graf.

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