Man darf ihn jetzt nicht übers Knie brechen. Rudi Völler

Nicht so schwarz

Er ist einer der ihren, aber er kann doch nicht nur sie vertreten: Barack Obama ist ein Präsident, der jenseits von Hautfarbe denkt und handelt. Damit sichert er sich politisch ab, die Probleme der schwarzen Unterschicht bleiben vorerst ungelöst.

Amerika ist manchmal wie ein alter Fernseher. Meist recht zuverlässig, doch zuweilen mit einigen Macken. Auf einmal ist die Farbe weg und übrig bleibt ein schwarz-weißes Bild. Das Bild von dem einen Amerika, das in allen Farben schimmert, erscheint dann ziemlich fern.

Seit der Bürgerrechtsbewegung in den 60er-Jahren sind die Bildstörungen seltener geworden, doch es gibt noch immer Probleme. Und so muss Barack Obama, der historische Präsident und Farbenspieler, ganz vorsichtig sein, wenn das Bild mal wieder kippt, man nur noch schwarz-weiß sieht.

Obama hat dies früh erkannt. Schon im Wahlkampf gab er nicht den schwarzen Kandidaten, sondern einen Bewerber um das Präsidentenamt, der über der Frage nach Hautfarbe steht. Auch in seinen ersten Monaten im Amt des Präsidenten blieb Obama seiner Rolle treu: Er will “post racial” sein, ein Präsident für Schwarz und Weiß. Doch im Alltag ist das manchmal schwer. Als der schwarze Harvard-Professor Henry Louis Gates von einem weißen Polizisten vor seinem eigenen Haus verhaftet wurde, legte Obama seine Zurückhaltung ab, verurteilte das Verhalten der Polizei, nannte es “dumm”. Der mediale Aufschrei war groß: Darf ein Präsident so eindeutig Stellung beziehen? Ist das wirklich der Präsident aller Amerikaner?

Lügen-Vorwurf im Kongress

Der Sommer verschärfte die Debatte. Konservative Aktivisten nutzten Bürgerforen und Demonstrationen, um im schrillen Ton Stimmung gegen die geplante Gesundheitsreform zu machen. Im Kongress sorgte der Republikaner Joe Wilson aus South Carolina mit einem Zwischenruf für einen Eklat. Als Obama über illegale Einwanderer und die geplante Gesundheitsreform sprach, schrie Wilson dem Präsidenten entgegen: “Sie lügen.” Ein schwerer Verstoß gegen die Sitten im Abgeordnetenhaus. Für Ex-Präsident Jimmy Carter war es mehr: ein Beispiel für rassistisch motiviertes Handeln. Und der Präsident? Der beeilte sich, das böse Wort vom Rassismus wieder einzufangen, und nahm die Entschuldigung von Wilson ohne Zögern an.

Auch wenn es gegen ihn persönlich geht, hält er an seinem Kurs fest: Er positioniert sich nicht, schweigt zur Debatte, welche Rolle seine Hautfarbe in der Politik spielt. Wie er sich selbst sieht, darüber kann man nur spekulieren. Eines scheint aber vielen Experten klar: Er muss als Präsident vermeiden, allzu schwarz zu sein. “Solange Obama einen Mittelweg fährt, wenn er versucht, es vielen recht zu machen, werden diese Ressentiments nicht stärker werden, aber sollte er sich auf Partikularinteressen der Schwarzen konzentrieren, dann würde ihm das wahrscheinlich politisch schaden”, sagt Simon Wendt vom Heidelberg Center for American Studies.

Die Hoffnung bleibt

Nach fast einem Jahr Präsidentschaft gibt es noch immer viel Hoffnung in diesen jungen Präsidenten. Doch auch Zweifel, ob er Wandel bringen kann. Noch immer kämpfen amerikanische Truppen in Afghanistan, sitzen Gefangene in Guantánamo, warten Homosexuelle auf mehr Rechte und der linke Flügel der Demokraten auf eine Gesundheitsreform und mehr soziale Gerechtigkeit. Auch manche Afroamerikaner sind enttäuscht von ihrem Präsidenten. Einer mit ihrer Hautfarbe, der dann doch nichts bewegt. Er muss sie enttäuschen. Er muss sich weiter zurückhalten, will er nicht seine Wiederwahl 2012 gefährden. Bislang ist er nur ein Symbol für ein Amerika, das Weiße und Schwarze miteinander versöhnt. Und ein Vorbild für die Jugend, die begeistert sein Konterfei auf T-Shirts trägt. Auf handfeste Verbesserungen für ihr Leben müssen viele Afroamerikaner dagegen weiterhin warten.

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