Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernstgenommen. Konrad Adenauer

Einheitsgrün

In den Streit um den Umbau des Berliner Mauerparks kommt Bewegung. Bald wird der Park zu einem Symbol der Wiedervereinigung, wenn dort, wo früher der Schießbefehl galt, Ost und West gemeinsam rodeln und grillen.

Die „Berliner Zeitung“ berichtete am Sonntag, dass BMW, also der wegen des Sponsorings des Guggenheim-Labs in Kreuzberg angefeindete Autobauer, dem Bezirk Pankow in Kulturdingen dauerhaft unter die Arme greifen werde. Inhalte dieser angeblichen Imageoffensive der Bayern: ein BMW Social Arthouse auf dem Pfefferberg, die komplette Übernahme des Kulturetats und ein Kauf von umstrittenen Grundstücken für den Bezirk, sodass eine Gartenanlage mit Namen BMW-Mauerpark entstehen könne. Das war natürlich ein Aprilscherz.

Auf dem Weg zum Einheitsgrün

Wahr ist, dass der Streit um den Mauerpark tatsächlich vor der Lösung steht. Und zwar ganz ohne Hilfe von BMW. Nach zwölf Jahren hat der Ausschuss für Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mit den Stimmen von CDU, SPD und Grünen beschlossen, den Park von Prenzlauer Berg nach Wedding um drei Hektar (also fast die doppelte Fläche) auszudehnen. Dafür muss der Senat das Brachland südlich des Gleimtunnels von der Wiener Firma CA Immo kaufen. Auf der Fläche des ehemaligen Gewerbegebiets soll dann neben der Parkerweiterung auch der dort ansässige Biergarten Mauersegler und der Massenflohmarkt an den Wochenenden weiterhin gegen Pacht Platz finden. Es ist ein nicht nur sprichwörtlicher Durchbruch, denn durch den Grundstückskauf werden endlich auch die Zäune zum Westen hin abgerissen. Der Park öffnet sich zur Weddinger Seite, aus dem Ostpark wird eine Einheitsgrünfläche.

Wäre die Erweiterung bis Ende des Jahres nicht in die Wege geleitet worden, hätte der Senat der Allianz-Umweltstiftung 2,3 Millionen Euro an Fördergeldern zurückzahlen müssen. Die hatte die Stadt einst nur für einen Park mit einer bestimmten Mindestgröße eingestrichen. Es ist ein Erfolg besonders auch für die Interessengemeinschaft Freunde des Mauerparks, die in jahrelangem Protest auf den Ursprungsplänen für den großen Park beharrt hatte und auch die Bebauung im Südteil nun offenbar komplett verhindern konnte.

Umso unverständlicher ist die unversöhnliche Position eines Initiativensprechers, der CA Immo jetzt noch vorschreiben möchte, wie das Unternehmen ihren verbleibenden Teil nördlich des Gleimtunnels zu gestalten habe. Die 500 bis 600 Wohnungen dort müssten nach „besonderen qualitativen Kriterien“ entstehen und „möglichst genossenschaftlich organisiert sein, damit wir im Laufe der Jahre keinen Mietanstieg bekommen“. Hier wird die Initiative zum Nimmersatt und zum wirtschaftsfeindlichen Überregulator.

Rodeltour statt Schießbefehl

Vielmehr täte es gut, den Streit um die Parkerweiterung einmal ins historische Verhältnis zu setzen. Denn trotz des eigentlich stetig darauf hinweisenden Namens gerät wie an vielen Orten in der Stadt schnell in Vergessenheit, dass hier noch vor 23 Jahren der Schießbefehl galt und Berlin für immer getrennt zu sein schien. Jetzt wird hier im Winter gerodelt, im Sommer und Frühling gegrillt, getanzt, getrommelt oder Karaoke gesungen. Für Berlin-Touristen aus aller Welt ist der Mauerpark einer der typisch fröhlichen Plätze des neuen Berlins. Und dass so viel Freizeitfreude jetzt eine verdiente Erweiterung bekommt, ist doch zunächst ein Grund zur großen Freude.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Thore Schröder: Die gute Integrations-Stube

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