Europa wird an Einfluss verlieren. Wolfgang Ischinger

Den Gottschalk im Nacken

Nicht die miserablen Quoten von „Gottschalk Live“ sollten Grund für die ARD sein, die Sendung einzustellen. Sondern, dass sie einfach unfassbar schlecht ist.

Selbst die böswilligsten Kritiker haben das so nicht kommen sehen: Thomas Gottschalk und sein Team bleiben nicht nur meilenweit hinter den Quoten-Erwartungen zurück, sondern liefern auch vier Mal die Woche eine Sendung ab, für die sich das Erste Deutsche Fernsehen schämen muss.

Miese Quoten

Wenn am letzten Donnerstag die Sendung die Millionen-Zuschauer-Grenze nicht knacken kann oder die ARD dank Gottschalk Live auf Platz vier bei den Gesamtquoten abzurutschen droht, dann bräuchte man sich inhaltlich eigentlich gar nicht mehr mit dem Format auseinander zu setzen: gescheitert, einstampfen, fertig.

Da aber in der ARD die Geduld bei „Gottschalk nicht mehr Live“ trotz der offensichtlichen miserablen Ergebnisse ziemlich groß ist, muss die Frage erlaubt sein, warum eine solche Peinlichkeit gesendet wird. Oder ob die Intendanten Hoffnung und Mühe aufgegeben haben. Denn anschauen, tut es am Ende ja eh keiner, sie inklusive.

Peinliche Zoten

In Vorbereitung auf die Kolumne habe ich mir natürlich einige Sendungen angesehen und es war hart an der Grenze des Erträglichen. Seit dem sehr durchwachsenen Start vor knapp vier Monaten ist die Sendung noch schlechter geworden. Es funktioniert einfach gar nichts: Der lachhafte Versuch Thomas Gottschalk einen Web 2.0 Anstrich zu verpassen („Sie glauben nicht, was ich heute im Netz entdeckt habe?!“), die zum Teil sehr merkwürdige Themen (Flashmobs in Russland) oder die witzig gemeinten Ausflüge von Gottschalk ins Tagesaktuelle („Vielleicht hätte Charlotte Roche das Theaterstück von Kachelmann schreiben sollen: Tiefdruckgebiete“).

Die Redaktion findet keine Inhalte, die auf den Typ von Gottschalk passen. Und die Autoren schaffen es nicht, Gottschalk einen eigenen Stil zu verpassen. Der sonst souveräne Gottschalk kommt beim Nacherzählen vorgeschriebener Witze zu den Themen des Tages merkwürdig blass rüber. Selbst Stefan Raab bekommt das gleiche nach über zehn Jahren Alltagslangeweile bei TV Total um ein vielfaches besser hin.

Richtig unverschämt wird es bei den Interviews. Bei zum Teil wirklich interessanten Gästen kommt ein schlecht vorbereiteter Thomas Gottschalk einfach nie über das Oberflächliche hinaus. Er ist einfach nicht gut genug gebrieft und ihm fehlt es oft an Zusatzwissen, um das Gespräch auf interessante Nebenpfade zu führen. Auch andere Moderatoren wie Markus Lanz oder Reinhhold Beckmann glänzen immer wieder durch erstaunliches Nichtwissen, an Gottschalk kommt aber niemand ran.

Die Rettung ist gescheitert

Zusätzlich kommt die Sendung einfach nicht aus den negativen Schlagzeilen: Zuletzt musste die ARD zugeben, dass die „Live Sendung“ künftig aufgezeichnet wird, um Gottschalk zu entlasten. Und tatsächlich wirkt Gottschalk verkrampft und unentspannt beimVersuch unverkrampft und entspannt rüber zu kommen. Bei „Wetten Dass..?“ war die stets lockere Art immer sein größter Trumpf.

Nach gut einem Monat zeigt sich, dass der als Retter angetretene Markus Peichel gescheitert ist. Seine Diagnose, der Zuschauer wisse nicht, was ihn in der Sendung erwartet kann ich nicht bestätigen. Jeder der auch nur einmal eingeschaltet hat, verinnerlicht sofort: merkwürdige Gespräche, schlechte Witze und ein unvorbereiteter Moderator. Ich hoffe, die ARD besinnt sich und setzt dem gescheiterten Experiment bald ein Ende.

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