Als Verteidigungsminister zu Guttenberg Anfang März seinen Antrittsbesuch bei der Marine absolvierte, vermied er sorgfältig einen Fehler seines Vorgängers Jung: Der übernahm bei einer Visite das Ruder einer Fregatte und versuchte, den Kurs zu halten. Als Nicht-Seemann steuerte er das Kriegsschiff mal zu weit in die eine, dann in die andere Richtung – die Fotos des Ministers am Steuerrad ließen sich dann trefflich zur Illustration für einen falschen Kurs verwenden.
Falscher Kurs mit Folgen
In seinen ersten Amtswochen als Chef des Wehrressorts agierte zu Guttenberg in politischem Fahrwasser allerdings ähnlich. Knapp eine Woche im Amt, hielt er sich bei der Bewertung des fatalen Luftangriffs von Kunduz nicht an die Kursempfehlung seiner Spitzenmilitärs, sondern legte noch ein paar Grad zu – um dann einen Monat später in Gegenrichtung zu steuern. Erst war der Luftschlag zwingend nötig, dann war er falsch. Und zwei Spitzenleute seines Ministeriums, Staatssekretär Peter Wichert und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, waren zwischendurch ihre Posten los.
„Eine ganzheitliche Betrachtung im Nachgang zu einem Einsatz“, las zu Guttenberg vor dem Ausschuss aus seiner sorgfältig ausgearbeiteten schriftlichen Stellungnahme vor, habe den Kurswechsel veranlasst. Bei seiner ersten Bewertung habe er nur eine militärische Einschätzung gekannt, die zu seiner Fehlbeurteilung geführt habe: „Dafür trage ich die politische Verantwortung, dafür musste ich mich korrigieren.“ Das ist richtig – aber zugleich ist es eine massive Ohrfeige nicht nur für den ehemaligen Generalinspekteur Schneiderhan, sondern auch für dessen noch amtierenden Stellvertreter Johann-Georg Dora, die ihn immerhin beide vor seiner ersten Pressekonferenz mit seiner bedingungslosen Zustimmung zum Luftangriff gebrieft hatten.
Unklar bleibt bis auf weiteres, ob der Minister sein Urteil, das Bombardement sei zwingend nötig gewesen, tatsächlich mit Schneiderhan abgestimmt hatte – was zu Guttenberg vor dem Ausschuss angab, der entlassene General bei seiner Vernehmung vor wenigen Wochen dagegen nicht.
Hinterher ist man immer schlauer
Zu Guttenbergs Darstellung lässt sich auf die Volksweisheit reduzieren: Hinterher ist man immer schlauer. Der neue Ressortchef wollte es in seinen ersten Amtstagen besonders gut machen und vor allem Oberst Georg Klein, dem Kommandeur von Kunduz, seine Solidarität versichern. Dass er dabei überzogen hatte, wurde ihm erst später klar. Der Richtungswechsel war dann unvermeidlich.
Aber der 38-jährige ist gewieft genug, auch eine solche Kurskorrektur positiv zu deuten „Erwarten wir von guter Politik nicht alle sogar, dass sie sich bisweilen korrigiert?“, fragte er die Ausschussmitglieder. Die hatten dem rhetorischen Trommelfeuer wenig entgegenzusetzen. Sicherlich werden nun die Oppositionsparteien versuchen, erkannte Widersprüche zwischen den Aussagen zu Guttenbergs und des entlassenen Staatssekretärs und des Generalinspekteurs für sich zu nutzen. Doch ob bei dem Entlassungsgespräch nun vier oder fünf Personen anwesend waren oder ob der berühmte Feldjägerbericht nicht doch vorher im Planungsstab des Ministers bekannt war, wird die Lage kaum ändern. Um am Image zu Guttenbergs zu kratzen, stehen SPD, Linkspartei und Grünen kaum Werkzeuge zur Verfügung.
Zu Guttenberg gebraucht gern den Begriff „intellektuell überschaubar“, wenn er eine schwache Argumentationslinie geißelt. Um in diesem Sprachgebrauch zu bleiben: Die Erklärungsmuster des CSU-Politikers sind eher intellektuell unüberschaubar. Das muss nicht unbedingt besser sein.
Leserbriefe
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Die Eitelkeit unserer Politiker
ist uns mehr wert als das Leben unserer
Söhne und Töchter. Darum muss unsere
sechste Armee nach Afghanistan.
Als ich auf die Welt kam,
war ich – ICH!
Das bin ich aber nicht lange geblieben,
denn ich wurde erzogen und dann war
ich nur noch – WIR!
Das bin ich geblieben, bis zu dem Tage,
an dem ich in Rente ging.
Da hatte ich genug davon, – WIR
zu sein. Seitdem bin ich auf dem Wege
zu mir selbst zurück zu finden!
Als ich ein Kind war, glaubte ich,
der „Liebe Gott“ hat sich in der
Natur versteckt. Er lässt das Gras
wachsen, die Blumen blühen und
das Korn auf dem Felde reifen.
Nachdem ich erzogen war, wusste
ich es besser! Gott ist ein Mensch,
der für uns am Kreuz gestorben ist.
Der uns erlöst hat und dafür müssen
wir büßen. Deshalb hat er Stellvertreter
hier auf Erden bestellt, die uns
bevormunden, weil sie entscheiden
müssen, ob wir in den Himmel
kommen.
Je weiter ich auf dem Weg zu mir
zurück fand, umso deutlicher wurde
mir bewusst, wie sehr sich meine
kindliche Vorstellung von Gott von
dem unterscheidet, was meine
Mitmenschen mir von Gott gesagt
haben.
Heute weiß ich, mein ICH weiß,
was mich glücklich macht, auch
ohne bevormundet zu werden.
Was hast du getan?
Das ist die Frage des Teufels,
die er anderen Menschen stellt,
um sich selber zu vergöttern.
Mit dieser Argumentation
bevormunden die Apostel
heute noch die halbe Welt,
denn der Sohn Gottes wurde
von Menschen gekreuzigt.
Der „Liebe Gott“ ist die
Seele der Menschen, die
sich im Jenseits wieder
begegnen. Bis dahin dürfen
wir uns hier auf der Erde
gegenseitig vergöttern oder
verteufeln, wie wir wollen.
Keines der Zehn Gebote lautet:
Du sollst nicht lügen! Was Karl-Theodor
getan hat, war also keine Sünde!
Aber: Du sollst nicht töten!
Das hat er in Afghanistan getan, mehr
als genug und mehr als nötig.
Anstatt mit Johannes B. Bier zu trinken,
hätte er mit den Taliban reden sollen.
Für einen Mann mit seinem Ego wäre es
eine Kleinigkeit gewesen, sich mit den
Taliban friedlich zu verbrüdern.
Keines der Zehn Gebote lautet:
Du sollst nicht lügen! Was Karl-Theodor
getan hat, war also keine Sünde!
Aber: Du sollst nicht töten!
Das hat er in Afghanistan getan, mehr
als genug und mehr als nötig.
Anstatt mit Johannes B. Bier zu trinken,
hätte er mit den Taliban reden sollen.
Für einen Mann mit seinem Ego wäre es
eine Kleinigkeit gewesen, sich mit den
Taliban friedlich zu verbrüdern.