Kein Mensch kommt zu großen Vermögen nur durch seine eigene Arbeit. Uwe Knüpfer

Trendwende?

Gigantische Kosten und kaum etwas bewirkt: Es ist höchste Zeit, die Energiewende grundsätzlich zu überdenken.

Die Hauptbotschaft der von der Organisation „Agora Energiewende“ Anfang Januar veröffentlichten und vielfach zitierten Studie zum „Stand der Dinge 2014“ lautet: „Erneuerbare Energien liegen erstmals an Platz 1 der deutschen Stromerzeugung. Erneuerbare Energien legten 2014 nochmals leicht zu und machen inzwischen 25,8 Prozent der inländischen Stromproduktion aus. Sie haben dauerhaft die Braunkohle von Platz 1 im Strommix verdrängt.“

Ist das wirklich so? Und ist es eine gute Botschaft? Natürlich ist der erste Platz nicht erfunden. Er ist jedoch nur durch geschickte Kategorisierung geglückt. Während die „Erneuerbaren“ alle zusammen als eine Kategorie gezählt werden, sind die fossilen Energieträger gleich auf vier Gruppen verteilt: Braunkohle, Steinkohle, Gas und Öl. Insgesamt liefern die Fossilen daher mit 56,3 Prozent immer noch mehr als doppelt so viel wie die Erneuerbaren, und auch die Kernenergie ist noch mit 15,9 Prozent dabei. Wind und Solar zusammen machen gerade 15,4 Prozent aus. Sie sind aber für die Herausforderungen der Energiewende entscheidend. Denn sie liefern den nicht planbaren, stark fluktuierenden, teuren Strom, der bei wachsender Nutzung auch noch zunehmend Kosten für Reservekraftwerke, Netzausbau und Speicher mit sich bringt. Was die Probleme anbetrifft, für die es bisher keine befriedigenden Lösungen gibt, stehen wir also mit einem Anteil von 15,4 Prozent noch ziemlich am Anfang. Was die Kosten anbetrifft, sind wir dagegen schon verdammt weit.

Gigantische Kosten, nichts bewirkt

Die Kosten für den Ökostrom betrugen in 2015 rund 24,6 Mrd. Euro. Davon wurden lediglich etwa 1,6 Mrd. durch den Verkauf des Stroms erlöst, der Rest wurde von den Stromkunden über die EEG-Umlage eingezogen. 21,5 Mrd. gingen als Erlöse an die Erzeuger. Die verbleibenden knapp 2,9 Mrd. bilden einen Puffer, der es erlaubt, dass in 2015 die EEG-Umlage um 1,1 Prozent auf 6,17 Cent je Kilowattstunde sinkt. Die rund fünf Euro, die der Durchschnittshaushalt dadurch spart, reißen zwar keinen vom Hocker, werden aber ebenfalls als eine Art Trendwende verkauft, da die Umlage das erste Mal seit 14 Jahren nicht ansteigt. Tatsächlich wird der Subventionsbedarf (Vergütungen an Anlagenbetreiber abzüglich Gegenwert durch Börsenerlöse) jedoch auch in 2015 wieder über dem Vorjahr liegen. Er ist mit 21,1 Mrd. Euro angesetzt. Für die EEG-Umlage des Jahres 2016 wird ein Wertebereich zwischen 5,66 und 7,27 Cent pro Kilowattstunde erwartet. Ein weiterer Anstieg ist also recht wahrscheinlich und wird noch viele Jahre anhalten.

Bringt es wenigstens etwas fürs Klima? Die Stromproduktion aus Erdgas ist von 2010 bis 2014 um fast 35 Prozent gesunken, Braunkohle ist dagegen um sieben Prozent gestiegen. Die Energiewende sorgt also sehr effektiv dafür, dass unter den fossilen Energieträgern der mit den geringsten CO2-Emissionen am meisten verliert, der mit den höchsten dagegen sogar tendenziell zulegt. So verwundert es nicht, dass auch eine weitere Botschaft der Studie „Die Treibhausgasemissionen sind 2014 deutlich gesunken“ bei näherer Betrachtung relativiert werden muss. Vor allem der milde Winter ist für den Rückgang verantwortlich.

Die Energiewende ändert dagegen nach wie vor kaum etwas an den Emissionen. In 2013 gingen 378 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente auf das Konto der Energiewirtschaft, mehr als in den vier vorausgehenden Jahren und auch mehr als im Jahr 1999, als der Anteil der Erneuerbaren noch vernachlässigbar war und der Strompreis halb so hoch wie heute. Die Werte bewegen sich seit 20 Jahren konstant in einem Korridor zwischen 356 Mio. (2009) und 408 Mio. (2003) mit einem Durchschnitt von 384 Millionen. Gemessen an ihrem Ziel, dem so genannten Klimaschutz, hat die Energiewende also trotz gigantischer Kosten bisher nichts bewirkt.

Trendwende hin zur Einsicht?

Zu den Kosten der EEG-Umlage – 21,1 Mrd. umgelegt auf 80,8 Millionen Menschen macht immerhin 261 Euro pro Kopf und Jahr – kommen auch die steigenden Netzentgelte (sowie KWK-Umlage, Offshore-Umlage, Stromsteuer, Mehrwertsteuer, §19 StromNEV-Umlage und Konzessionsabgaben). Der Anschluss unzähliger kleiner Erzeuger und die Notwendigkeit des Stromtransports über weite Strecken treiben die Kosten in die Höhe. In 2015 sollen sie durchschnittlich um 3,5 Prozent zulegen, in manchen Regionen sind es bis zu 19 Prozent. Und das obwohl der Netzausbau bekanntlich bisher kaum von der Stelle gekommen ist. Wer in einer ländlichen Region wohnt, in der viel Ökostrom produziert und ins Netz eingespeist wird, ist besonders schlecht dran. So zahlt ein Durchschnittshaushalt im kleinen, brandenburgischen Städtchen Werder an der Havel beim gleichen Anbieter und im gleichen Tarif rund 260 Euro pro Jahr mehr als einer in Düsseldorf.

Zur Erinnerung: 2004 teilte uns der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin offiziell in einer Presseinformation mit: „Es bleibt dabei, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund ein Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis.“ Wem das nicht zur Ernüchterung reicht, der möge einen Blick auf die globale Entwicklung werfen. Der globale Ausstoß an CO2 liegt bei rund 32 Gigatonnen, wovon Deutschlands Anteil mit 800 Megatonnen etwa 2,5 Prozent beiträgt. Rund 40 Prozent von diesen 2,5 Prozent sind durch die Elektrizitätswirtschaft verursacht, so dass der deutsche Strom heute für etwa ein Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich ist und bei gleichem Mix im Jahr 2050 dann für etwa 0,3 Prozent verantwortlich wäre. Selbst wenn es mit enormen Kosten doch noch gelingen wird, die CO2-Emissionen durch Erneuerbare deutlich zu senken, wird dies praktisch keine Auswirkung auf die globale Klimaentwicklung haben.

Vielleicht gibt es wirklich bald eine Trendwende: hin zur Einsicht, dass die Energiewende nicht halten kann, was sie verspricht. Es ist höchste Zeit, sie grundsätzlich zu überdenken und nach einer echten Lösung für die Herausforderung des Klimawandels zu suchen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Felix Ekardt, Thilo Spahl, Volker Quaschning.

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