Ein Mindestlohn spricht für die Demokratie. Michael Burda

Ditib-Hetze gegen Weihnachten und Silvester

Die türkische Religionsbehörde Ditib wird zusehends zum Hort islamistischer Umtriebe. Fast 1.000 Imame sind bereits nach Deutschland entsandt, das Land zwischen Alpen und Nordsee wird ganz offen als muslimisches Missionsgebiet betrachtet. Deutsche Politiker sind entsetzt.

islam türkei

Im Umfeld der Weihnachts- und Silvester-Attentate sind islamische Hetzereien gegen die westliche Festtradition aufgetaucht. In Schriften und Bildern werden Muslime aufgefordert, Weihnachts- und Silvesterfeiern aktiv zu bekämpfen. Dabei spielt die staatliche Religionsbehörde der Türkei eine Schlüsselrolle. In den sozialen Netzwerken wurden Zeichnungen von Ditib-Organisationen verbreitet, in denen man sieht, wie ein mutmaßlich muslimischer Mann einen Nikolaus zusammenschlägt. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, stammen die Bilder auch von Facebook-Seiten von Ditib-Verbänden aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Ditib unterhält zahlreiche Moscheen in Deutschland, wird von einigen Bundesländern als Integrationspartner sogar aktiv finanziell unterstützt und hat über entsprechende Rahmenvereinbarungen auch Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung an den Schulen.

Der CDU-Innenpolitiker Dennis Gladiator hat nun das Ende der Zusammenarbeit des deutschen Staates mit der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) gefordert. „Das Maß ist voll. Wer gegen unsere christlichen Werte hetzt und sich gegen unsere Gesellschaft stellt, kann nicht Vertragspartner sein“, sagte Gladiator.

Kritik am Moslem-Verband wegen Terror-Propaganda

CDU-Schulpolitikern Karin Prien sagte: „Ich erwarte, dass der Senat die rechtlichen Voraussetzungen für eine Aussetzung und – als ultima ratio – die Aufkündigung der Verträge geprüft hat und jetzt öffentlich macht.“ Im Schulbereich müsse „die Zusammenarbeit der Schulbehörde mit der SCHURA und der Ditib auf allen Ebenen sofort ausgesetzt werden“. Es sei ein „Unding“, dass der Rat der islamischen Gemeinschaften (SCHURA) „offensichtlich zum Berater der Schulbehörde in allen religiösen Fragen den Islam betreffend avanciert ist“, so die CDU-Politikerin. Dies sei „angesichts der radikalen Tendenzen innerhalb der SCHURA geradezu absurd“.

Der Vorstandsvorsitzende von Ditib-Nord, Sedat Şimşek, sagte: „Es ist zwar richtig, dass unmittelbar nach dem Terroranschlag in Istanbul in der Silvesternacht in den sozialen Medien unpassende und diffamierende Bilder über den Weihnachtsmann gepostet wurden. Jedoch sind das die Posts von vereinzelten Jugendlichen.“

Der neuerliche Ditib-Skandal erinnert an Verfehlungen aus dem vergangenen Jahr, als in Ditib-Comics für Kinder der Märtyrertod verherrlicht wurde. Die von den obersten Religionshütern veröffentlichen, bunten Zeichnungen verherrlichen den Märtyrertod. In der Bildergeschichte mit der Botschaft „Möge Gott unsere Märtyrer segnen, mögen ihre Gräber mit heiligem Licht erfüllt werden“, die sich an Kinder richtet, schildert ein Vater seinem Sohn, wie ehrenvoll es sei, für seine Überzeugungen zu sterben. Der Vater sagt: „Wie schön, ein Märtyrer zu sein!“ Daraufhin fragt ihn sein Sohn: „Willst Du ein Märtyrer sein?" und erhält als Antwort: „Natürlich will ich ein Märtyrer sein. Wer will nicht in den Himmel?” An anderer Stelle heißt es: „Märtyrer sind im Himmel so glücklich, dass sie zehnmal Märtyrer sein wollen.“ Oder: „Ich wünschte, ich könnte auch ein Märtyrer sein.“ An andere Stelle sagt ein Mädchen: „Ich wünschte, ich könnte Märtyrer sein.“ Darauf antwortet die Mutter: „Wenn Du es Dir genug ersehnst, dann wird Allah Dir die Gelegenheit geben.“

Religiosität als politisches Werkzeug

Den Diyanet-Comic kommentierte die Zeitung „Cumhuriyet" vor der Verhaftung seiner Redakteure so: „Religiösität ist in den letzten Jahren buchstäblich zu einem politischen Werkzeug geworden. Sie verstecken es noch nicht einmal. Sie wollen mit den Zeichnungen Kindern die Botschaft des Märtyrertums vermitteln.“ Was nichts anders bedeutet, als dass der Tod als muslimischer Terrorist im Kapmf gegen Christen und Juden offen propagiert wird.

Die Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek warnt, dass das kein Einzelfall sei. In einer der zentral gesteuerten Freitagspredigten habe es geheißen: „Das Märtyrertum ist im Islam eine große Ehre. Selbst die Paradiesbewohner blicken mit wohlwollendem Neid auf den Rang derer, die ihr Leben für Allah ließen. Eines ist dennoch mit uns: unsere Religion, unser Land, für das sie mit ihrem Blut gezahlt haben und unsere Werte.“ Kelek meint klipp und klar: „Wer so in einer Moschee predigt, trägt Verantwortung, wenn im Namen der Religion ein Terrorakt ausgeübt wird.“

Kritik quer durch die deutsche Parteienlandschaft

Die Warnungen der Sicherheitsbehörden vor der Ditib-Missionierung haben inzwischen die deutsche Politik alarmiert. Aus mehreren Parteien wird die Forderung laut, die Finanzierung von Moscheen aus dem Ausland zu stoppen. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagt: „Religionsunterricht durch die Ditib bedeutet momentan, dass wir Erdogan seine Ideologie direkt in unseren Schulen verbreiten lassen. Dagegen kämpfe ich.“ Ankara mache Ditib immer mehr zu einer politischen Vorfeldorganisation der regierenden AKP. Er fordert: „Die Türkei muss die Muslime endlich freigeben.“

Auch CDU-Fraktionschef Volker Kauder kritisiert, dass in einigen Moscheen Predigten gehalten würden, die mit dem deutschen Staatsverständnis nicht vereinbar seien. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bewertet die Entsendung der Imame als „nicht akzeptabel”. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagt, die Finanzierung von Moscheen oder islamischen Kindergärten aus dem Ausland, etwa aus der Türkei oder aus Saudi-Arabien müsse beendet werden.” Die Bürgermeisterin von Berlin-Neukölln, Franziska Giffey (SPD) warnt ebenfalls davor, dass „Moscheevereine fremdgesteuert sind und dort Imame predigen, die nicht nach dem deutschen Werteverständnis ausgebildet und nicht hier aufgewachsen sind“. Österreich geht mittlerweile gegen derartige Unterwanderungen mit dem neuen Islamgesetz vor. Aus dem Ausland finanzierte Imame müssen das Land verlassen.

Die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter (Universität Frankfurt) meint: „Der türkische Staatsislam hat sich von einer moderaten zu einer radikalisierenden Religion verändert. Dafür ist nicht zuletzt die AKP unter Führung Erdogans verantwortlich.“

Ein Gestapo-Regime am Bosporus?

„Die Türkei steuert auf ein Gestapo-Regime zu“, warnt der Ex-Chefredakteur der Zeitung „Cumhuriyet", Can Dündar, aus dem deutschen Exil. Der verfolgte Regimekritiker ruft Europa verzweifelt zu: „Das ist ein Putsch, der dort gerade stattfindet. Erdogans Putsch.“ Tatsächlich treibt Erdogan seine Säuberungsaktionen mit Massenverhaftungen brutal voran. Bei seinem Umbau der Türkei zu einem Neo-Sultanat setzt er aber nicht nur auf Geheimpolizei und Militär. Eine Schlüsselrolle spielt auch die staatliche Religionsbehörde Diyanet. Die Behörde verfügt über einen sprunghaft gestiegenen Milliardenetat, lässt fleißig Moscheen bauen und beschäftigt mehr als 100.000 Mitarbeiter des Glaubens, die Erdogans Putsch im Stile einer Gewissenspolizei flankieren.

Diyanet liefert Erdogan die Ideologie für sein islamistisches Sultanat und lässt diese über 85.000 Moscheen mit Einheitspredigten verbreiten. Diyanet formuliert die neue, rigide Alltagsmoral vom Flirtverbot über die Verteufelung von konfessionsverschiedenen Ehen bis hin zu Kopftuchgebot vorschreiben will. Und so ruft die Berhörde verlobte Paare schon mal dazu auf, nicht mehr Händchen zu halten, da der Islam das nicht billige. Der Angriff auf Silvester und Weihnachten folgt dieser Linie des Kulutrkampfes um „öffentliche Religion“.

Die Minarette als Bajonette

Erdogan verteidigt die Allianz von Macht und Moscheen unverhohlen und offensiv: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Kuppeln unsere Helme, die Minarette unsere Bajonette und Gläubigen sind unsere Soldaten.“ Der türkische Staatspräsident verfolgt seit langem eine missionarische Großstrategie zur islamischen Expansion – zunächst innerhalb der Türkei, um die liberale Opposition auszuschalten, zusehends aber auch im Ausland. Daher investiert die Türkei systematisch auch in die Missionierung Deutschlands. Über die staatliche Religionsbehörde Diyanet und ihren Deutschland-Ableger Ditib, Deutschlands größter Islamverband, soll Görmez die Islamisierung generalstabsmäßig organisieren.

Neben dem flächendeckenden Bau von Moscheen und Gebetsräumen schickt Görmez – selbstredend über Staatsmittel finanziert – fast 1.000 Imame in deutsche Moscheen. Sie fungieren in vielen deutschen Gemeinden als Prediger und Seelsorger, aber eben auch als politische Agitatoren für Erdogans zunehend radikalisierenden Islam. Sie bleiben in der Regel nur wenige Jahre in Deutschland, sprechen schlecht deutsch und verbreiten eine orthodox-sunnitische, osmanisch-repressive Religionsauffassung und schüren nicht selten Antisemitismus. Von Verfassungsschutzämtern häufen sich Berichte über politische Agitationen in Ditib-Moscheen und die Bildung von Sympathisantenszenen radikaler Islamisten.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Henryk Broder, Sahra Wagenknecht, Stefan Groß.

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