Frau Kulas, Sie waren verantwortlich für die Neuausrichtung der Nachhaltigkeitsstrategie von Vodafone Deutschland. Eine umfassende Aufgabe…
Kulas: Ja, es war ein intensiver Prozess, der letztendlich anderthalb Jahre gedauert hat. Dafür ist das Ergebnis aber auch dauerhaft und belastbar. Vor allem, weil wir von Anfang an den Dialog mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen gesucht haben.
Wie sind Sie vorgegangen?
Kulas: Am Beginn eines sechsstufigen Vorgehens haben wir Megatrends und Wettbewerber analysiert und daraus 38 Kernfelder innerhalb verschiedener Aspekte wie Globalisierung, Klimawandel oder Demografie gewonnen. Deren Relevanz wurde dann diskutiert: mit internen und externen Experten. Zusätzlich haben wir eine Umfrage unter 500 Kunden gemacht.
Später wurden auch noch alle Mitarbeiter befragt…
Kulas: Richtig. Im späteren Prozess konnte die gesamte Belegschaft von Vodafone Deutschland per Intranet angeben, für welche Handlungsfelder ihr Unternehmen stehen soll. Die Resonanz hat uns selber überrascht: Über 4000 Kolleginnen und Kollegen haben ihre Stimme abgegeben. Das ist ein ganzes Drittel unser Mitarbeiter. So eine Beteiligung sorgt natürlich auch für eine ganz andere Legitimation unserer Ergebnisse.
Welche Themen sind denn dabei herausgekommen?
Kulas: Herausgekommen sind zum einen Themen, die die Basis unserer Verantwortung bilden, wie zum Beispiel Datenschutz oder nachhaltige Beschaffung. Wir bündeln sie im so genannten Fundament-Cluster. Darüber hinaus haben wir drei Profil-Cluster identifiziert, die uns ein strategisches Wachstum ermöglichen: Als Erstes ist das „Access to Communication“, also Zugang und Teilhabe aller Geselschaftsmitglieder an moderner Telekommunikation. Als Zweites „Connected Living“, also die Vernetzung von Privat- und Berufsleben“ sowie als Drittes das Thema „Smart Energy“, das den effizienten Einsatz von Energie sowohl im Unternehmen selbst, als auch bei den Kunden abdeckt. Als zusätzliches, übergreifendes Querschnittsthema wurde „Simplicity“ ausgewählt, also die Vereinfachung des Lebens durch nutzerfreundliche Prozesse und Dienste. In diesen Feldern fördern wir gezielt Innovationen und Prozesse.
Zum Beispiel?
Kulas: Es gibt eine lange Liste mit Innovationen – von der Ideenskizze über Pilotprojekte bis zum fertigen Produkt. Vom seniorengerechten Handy bis zum vernetzten Haus mit intelligentem Energiemanagement.
Unterscheidet sich diese Strategie von der anderer Unternehmen?
Kulas: Die definierten Handlungsfelder mögen für ITK-Experten nicht überraschend sein, aber die gesamte Entwicklung ist in Bezug auf die Stakeholder-Einbindung und die Tiefe ihrer Verankerung systematisch und fundiert. So haben wir beispielsweise ein Sustainability Council gegründet, in dem zehn Bereichsleiter aller Geschäftsbereiche und unser Betriebsrat arbeiten. Nachhaltigkeit ist dadurch ein fest verwurzelter Teil sowohl der Unternehmensstrategie als auch des operativen Geschäfts geworden.
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