Er ist der Vater des Bundesverteidigungsministers, selbst international anerkannter Dirigent und seit über 40 Jahren glühender Umweltschützer: Enoch Freiherr zu Guttenberg im Interview über Kindheitstraumata, seine düsteren Zukunftsprognosen, Umwelttechnologie auf Schloss Guttenberg und die Notwendigkeit umzudenken. Das Gespräch führte Constantin Magnis.
Die “Wachstumslokomotive“ Deutschland zieht einen Zug nach Nirgendwo – und die Tickets werden immer teurer.
Wirtschaft und Wirtschaften ändern sich mit jeder Krise – so muss und wird es auch dieses Mal sein. Die Nachwehen der jetzigen Finanzkrise stehen im Zeichen einer grünen Revolution. In der Zukunft werden wir einfach nicht mehr genügend Ressourcen haben, um weiterzumachen wie bisher.
Das grüne Wachstum ist längst Realität, die Vollversorgung mit regenerativen Energien könnte bei anhaltendem Trend bereits 2030 verwirklicht sein. Wer diese Dynamik begreifen will, sollte bei Schumpeter nachlesen.
Das Klima wandelt sich, und die Ressourcen werden knapper: Innovationen entlang der gesamten Wertkette sind nun gefragt wie nie zuvor. Wie das funktionieren kann, zeigten ausgerechnet die Veranstalter der Olympischen Winterspiele in Vancouver.
Hohes Risiko bedeutet hohes Wachstum. Zu lange hat diese Haltung die Finanzmärkte bestimmt. Doch wir sollten nach der Finanzkrise nicht in einen Regulierungswahn verfallen. Stattdessen brauchen wir neue Werte und Definitionen. Wachstum ist nur dann gut, wenn es nachhaltig und sozial erreicht wird.
Das Bruttoinlandsprodukt mag ein schlechter Indikator für Wachstum sein – doch die Alternativen sind auch nicht besser. Objektive Indikatoren sollen durch subjektive Präferenzen ersetzt werden. Doch die Bedeutung von Wachstum lässt sich nicht einfach wegdefinieren.
Die Mehrzahl der Menschen ist unzufrieden mit dem aktuellen Wirtschaftssystem. Dazu gehört auch der Wachstumsbegriff. Weniger kann mehr sein, wenn sich dadurch soziale Probleme bekämpfen und Nachhaltigkeit erreichen lassen. Im Davos muss gehandelt werden.
Es ist klar, dass das BIP künftig nicht den einzigen Gradmesser von Wohlstand darstellen wird. Aber was kommt danach? Es gibt nur einen Weg: Wir müssen die Menschen direkt befragen, was sie bewegt und antreibt.