Wenn Bischof Mixa der sexuellen Revolution eine Teilschuld an den Missbrauchsfällen innerhalb der Kirch gibt, schließt sich ein Kreis. Denn ausgerechnet die jetzt so empörten Grünen haben damals eine besonders delikate Sexualmoral vertreten.
Katholiken haben es dieser Tage nicht leicht. Bei aller zum großen Teil berechtigten Kritik an der katholischen Kirche darf die Berichterstattung nicht in Hetze ausarten. Es läuft etwas schief, wenn nachts Kirchenfenster eingeschmissen werden.
Die Kruzifixe in Deutschland sollen dort bleiben, wo sie sind. Der Vorstoß von CDU-Politikerin Aygül Özkan bleibt in ihrer Partei unerhört. Dennoch: In der Bundesrepublik sind alle Religionen gleich. Das versteht sich als Einladung, an einer offenen, toleranten Gesellschaft mitzuwirken.
Der Fall Mixa wird zur Schlammschlacht. Vermutlich wird sich nie ganz klären lassen, welche Vorwürfe gegen den ehemaligen Augsburger Bischof wahr sind und welche von interessierten Kreisen erfunden wurden. Der Fall ist aber auch ein Lehrstück vom Ruin einer urchristlichen Tugend: der Gnade.
Bischof Mixa ist Unrecht geschehen. Alan Posener hätte nie gedacht, dass er einen solchen Satz schreiben würde. Denn der zurückgetretene Augsburger Bischof Walter Mixa ist fraglos ein bigotter Reaktionär.
Ist der Fall Mixa ein Menetekel für die katholische Kirche in Deutschland? Ein Unheil verheißendes Zeichen an der Wand, dem weitere schmuddelig-peinliche Enthüllungen, giftige Verbalattacken unter Bischöfen und am Ende das Abrutschen der Kirche in die Lächerlichkeit folgen werden?