„Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann darüber soll man schweigen. “ Ludwig Wittgenstein
Das Sparpaket kommt. Der Wegfall des Elterngelds für Hartz-IV-Empfänger soll Protest auf die Straße bringen. Die alten Klassenkämpfer in Gewerkschaften und Kirchen haben Freudentränen in den Augen. Ihre Propaganda offenbart, dass sie den Ernst der Lage verkennen.
Sarrazin spitzt zu – und bedient sich dabei geschichtsrevisionistischer Märchen und Tiraden, die eigentlich längst ad acta gelegt schienen. Denn bei aller Toleranz darf sich eine demokratische Gesellschaft keine Debatte zum Nutzwert des Menschen leisten.
Des einen Leid ist des anderen Freud – während die SPD-Granden eilig auf größtmögliche Distanz zu Thilo Sarrazin gehen, fühlt sich auch die Kanzlerin zur Kritik berufen. Denn die literarische Amokfahrt des früheren Finanzsenators lässt ganz neue, parteipolitische Winkelzüge zu.
Das Nichtdiskutieren gesellschaftlicher Probleme bringt uns nicht weiter. Gesellschaft lebt von Kontroverse, und was beim Streit um Sarrazins Thesen besonders auffällt: Niemand bezeichnet ihn als Lügner. Vielleicht ist uns sein Buch dann auch deshalb so unangenehm, weil uns darin der Spiegel vorgehalten wird.
Die Debatte um die Abschaffung Deutschlands ist um eine Facette reicher: So wie die Juden ein bestimmtes Gen teilen, so teilen es auch die Muslime. Meint Thilo Sarrazin. Die einen werden Banker, die anderen werden Gemüsehändler. Die Studie, auf die er sich bei seiner Thesenbildung bezieht, hat er falsch verstanden. Positive Eigenschaften oder gute Werthaltungen werden nicht vererbt. Die können alle in demselben Maße erlernen. Oder dabei scheitern.
Einwanderungsgesellschaften sind selten frei von Konflikten. Niemand bestreitet, dass es Probleme gibt, im Gegenteil – es gibt viele! Integration ist eben ein wechselseitiger Prozess und kein fortwährendes Straßenfest.
Mit großen Erwartungen hat Christian Wulff das Amt des Bundespräsidenten angetreten. Trotz eines verheißungsvollen Starts ist die bisherige Bilanz ernüchternd. Er könnte als Fehlbesetzung in die Geschichte eingehen.
In seinen Äußerungen beruft Thilo Sarrazin sich auch auf die Studien des US-Genetikers Harry Ostrer. Jetzt wehrt der Wissenschaftler sich: Seine Forschungsergebnisse würden verzerrt dargestellt. Eine genetisch bedingte Gruppenidentität gibt es nicht.
Als Querdenker erfährt Thilo Sarrazin Zustimmung aus der Bevölkerung: als einer, der endlich die Probleme anspricht. Doch es ist zu leicht, die öffentliche Meinung als dumm und latent rassistisch abzutun. Da müssen einem schon bessere Argumente einfallen.