„Alle Arten von kontemplativem Denken gehen verloren, während wir ständiger Ablenkung ausgesetzt sind.“ Nicholas Carr
Wenn US-Soldaten in Afghanistan Taliban begegnen, wirken diese zunächst wie unwirkliche Figuren in einem Computerspiel. Oft zeigt sich erst, wenn die Jagd zu Ende ist, dass ein Teenager blutig am Boden liegt – und seine Waffe nicht geladen war. Ein Kriegsreporter hat die Soldaten begleitet und dabei Erstaunliches auf dem Handy eines vermeintlichen Taliban gefunden.
Der Rückzug aus Afghanistan ist keine echte Option, aber auch Zehntausende Truppen werden es nicht richten können. Wir müssen uns daher auf realistische Ziele konzentrieren und aufhören, über Präsident Karsai herzuziehen: Denn das Nationbuilding wird nicht funktionieren. Stattdessen müssen wir Deals abschließen – und dafür auch die Taliban bestechen.
Er ist der Dieter Bohlen Afghanistans: Von 2004 bis 2008 moderierte Daoud Sediqi die Talentshow “Afghan Star”, seit Anfang 2009 lebt Sediqi in den USA, wohin er vor Morddrohungen der Taliban floh. Im Interview spricht er über den Einfluss seiner Show auf die afghanische Gesellschaft und offenbart, warum er nach Afghanistan zurück will. Das Gespräch führte Sophie Diesselhorst.
Statt über Abzugspläne zu diskutieren, sollten die NATO-Länder sich mehr über ihre bisherigen Fehler in Afghanistan Gedanken machen. Bislang nimmt man Opfer bei der zivilen Bevölkerung in Kauf, wenn es um den Schutz der eigenen Soldaten geht. Das ist moralisch falsch – und gefährdet den Erfolg der ganzen Mission.
Ziviler Aufbau und Aussöhnung in Afghanistan können nur gelingen, wenn Sicherheit gewährleistet wird. Es ist Zeit, dass Afghanen Schritt für Schritt selbst dafür sorgen – flankiert durch die internationale Gemeinschaft.
Alle Welt schaut auf das Pulverfass Afghanistan. Bevor es entschärft werden kann, muss jedoch ein anderer Konflikt gelöst werden: Indien und Pakistan müssen sich verbünden. Denn damit Pakistan im Westen Taliban jagen kann, muss Indien dem Erzrivalen im Osten Luft lassen. Und Neu-Delhi scheint bereit, das Risiko einzugehen.
Die Erfahrungen im Anti-Terror-Kampf zeigen: Militärische Logik hilft im Kampf gegen islamistische Gewalt nicht weiter. Im Gegenteil: Sie erzeugt nur weitere Brandherde.
Verteidigungsminister zu Guttenberg spricht im Interview mit The European über eine mögliche Aussöhnung mit den Taliban, die Notwendigkeit der öffentlichen Diskussion zu Afghanistan, die zukünftige Position gegenüber dem Iran und darüber, wie er persönlich Kraft schöpft.