Der Wissenschaftler Matthias Küntzel hat die Beziehungen zwischen Deutschland und Iran untersucht und darüber geschrieben. Die Verbindung zwischen den Staaten reicht Jahrzehnte zurück, dennoch: Unproblematisch ist sie nicht. Das Interview führte Tobias Betz.
Im Interview mit The European entlarvt der Iranexperte Volker Perthes die Placebo-Politik vieler Staaten beim Atomstreit und schlägt eine andere Medizin vor: Deutschland solle sich nicht auf das Sanktionen-Mantra einlassen, das ohnehin nur in einem Fall wirkt. Und schließlich werde Iran die Bombe auch dann nicht bauen, wenn es theoretisch möglich ist. Das Gespräch führte Tobias Betz.
Im Iran machen Frauen mit kreativen Widerstandshandlungen auf sich aufmerksam: mit öffentlichen Liebesbriefen. Diese intimen Zeugnisse persischer Poesie kann das Mullah-Regime zwar kaum verhindern. Doch nur mit internationaler Unterstützung kann ein Machtwechsel in Teheran gelingen.
Das große Säbelrasseln des Westens gegen die Atompolitik des Iran spielt den Hardlinern in die Hände. Der Weg zum Ziel geht nur über eine vernünftige Kooperation, zu der Teheran in wesentlichen Punkten bereits Zustimmung signalisiert hat. Nur so bleibt die Chance erhalten, den Bau von Nuklearwaffen im Iran zu verhindern.
Die Linke glaubt, mit dem Mullah-Regime in Teheran kooperieren zu können. Sie irrt. Zu oft hat Präsident Ahmadinedschad betont, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, zu oft hat er die Atomenergiebehörde an der Nase herumgeführt. Sogar Russland und China trauen der iranischen Regierung nicht mehr über den Weg.
Ex-CIA-Direktor Hayden erklärt einen Militärschlag für unaufhaltsam. Denn die vierte Runde der UN-Sanktionen gegen den Iran lässt wenig andere Möglichkeiten für ein End Game. Der Westen hat sich unnötig seiner Optionen beraubt.
Der FDP-Sicherheitspolitiker Rainer Stinner reist direkt nach dem Beschluss über EU-Sanktionen gegen das Regime in den Iran. Damit unterminiert er die Wirkung des politischen Drucks und hilft mit, das Leid der iranischen Bevölkerung zu verlängern. Weil sein Gegenüber nicht an Frieden interessiert ist, sollte Stinner zu Hause bleiben.
Das Festhalten Irans an seinem Atomprogramm dient einer Politik der Abschreckung. Erst wenn Sanktionen mit einem Dialog verknüpft werden, kann der Konflikt sinnvoll bearbeitet werden. Denn: Teheran hat durchaus das Interesse, mit den Amerikanern ins Geschäft zu kommen.
Das EU-Embargo gegen syrisches Öl wird nicht viel bringen; Abnehmer für Assads Öl gibt es genug. Die Sanktionen zeigen die Hilflosigkeit des Westens beim Versuch, das syrische Regime zu stürzen.
Die letzten Zweifel sind vom Tisch: Iran baut an einer Atombombe. Die Welt steht vor einem klassischen Dilemma.