Gerade war sie an die Spitze der evangelischen Kirche getreten. Erst im Oktober 2009 wurde Margot Käßmann zur Ratsvorsitzenden gewählt. Nachdem Sie am 21. Februar 2010 unter Alkoholeinfluss am Steuer ihres Dienstwagens angehalten wurde, verkündete sie nun ihren Rücktritt. Lesen Sie, was sie damals im Interview mit The European über sich, ihren Glauben und ihren neuen Posten sagte!
Der Rücktritt der Ratsvorsitzenden war unumgänglich. Glaubensgemeinschaften ohne Glaubwürdigkeit gehen zugrunde. Die evangelische Kirche hat nun die Chance auf einen geistlichen Neuanfang.
In der Debatte um den Bundespräsidenten bricht Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel eine Lanze für seinen alten Weggefährten Horst Köhler: Die Parteipolitiker in Deutschland seien ihm bei seinen Visionen leider nicht gefolgt. Besonders lobt er dessen Unabhängigkeit und seine Solidarität mit Schwächeren.
Der Rücktritt Horst Köhlers kommt zum ungünstigsten Zeitpunkt für die politische Elite in Berlin. Am Höhepunkt der Parteienverdrossenheit tritt der beim Volk beliebte Köhler zurück. Das wird auf alle Parteien zurückschlagen. Eng wird es jetzt vor allem für die Kanzlerin.
Die Diskussion über eine “für unsere Nation wichtige und schwierige Frage” wollte Horst Köhler anstoßen – doch mit seinem Rücktritt macht er gerade diese Debatte noch schwieriger.
Angela Merkel wird nach Horst Köhlers Rücktritt im Amt bleiben und das tun, was sie am besten kann: ihre Macht erhalten. Die Union und die FDP werden mit einem starken Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten die Chance für einen schwarz-gelben Neustart nutzen.
Auf die Versteinerung der Parteien folgt nun deren Zerbröseln. Die Rücktritte von Köhler, Koch & Co. zeugen von dem Fehlen realistischer Handlungsperspektiven und klarer Strategien. Die politische Elite Deutschlands wird kaum die nötigen Kräfte mobilisieren können.
Bischof Mixa ist Unrecht geschehen. Alan Posener hätte nie gedacht, dass er einen solchen Satz schreiben würde. Denn der zurückgetretene Augsburger Bischof Walter Mixa ist fraglos ein bigotter Reaktionär.
Maria Jepsen trat zurück. Mit ihr verliert nach Margot Käßmann eine weitere feministische Bischöfin ihr Leitungsamt. Auch in anderen Fällen zeigt sich: Wo Betroffenheit und Subjektivität dominieren, wird Glaube zum Kitsch.
Es gibt mehr im Leben als schnöde Politik. Äh … was denn? Egal, uns wird schon etwas einfallen. Auf jeden Fall ist es Zeit zurückzutreten. Zurückzutreten ohne ersichtlichen Grund.