Die Sturm- und Drang-Jahre hat Greenpeace längst hinter sich. Heute hat man hat den Eindruck, die Rainbow Warrior lassen es etwas ruhiger angehen. Aber ist das wirklich so? Und wenn ja, ist es nicht gefährlich, wenn eine wichtige Stimme zu den Folgen des Klimawandels schweigt? The European sprach mit Thomas Breuer, Leiter des Bereichs Klima und Energie bei Greenpeace. Das Gespräch führte Benno Müchler.
Damals Sputnik, heute Fukushima: Warum sollten es die Deutschen nicht schaffen, die Katastrophe in Japan für eine neue Welle technologischer Innovationen zu nutzen? Fest steht, dass wir bei allen Gefahren, die andere Energiequellen bergen, nicht vergessen dürfen, dass radioaktiver Müll von keiner Regierung der Welt Jahrtausende kontrolliert werden kann.
Deutschland will aus der Kernenergie aussteigen. Schneller als von der Bundesregierung noch vor einem Jahr gedacht. In dem Ziel sind sich nahezu alle einig, beim Zeitablauf schon weniger, über Kosten und Lasten der notwendigen Energiewende wird vergleichsweise wenig geredet.
Kein anderes Politikfeld ist in Deutschland so umstritten wie die Energiepolitik. Der Widerstreit zwischen Klima- und Naturschutz ist da nur ein Beispiel von vielen. Jetzt wo der Ausstieg besiegelt ist, gilt es kühlen Kopfes die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Innovation entsteht aus Chaos – in diesem Sinne interpretiert bedeutet Fukushima nicht nur menschliches Leid, sondern auch Hoffnung. Nämlich die auf einen schnellen Ausstieg aus der Risiko-Technologie. Gut möglich, dass Deutschland mit der Energiewende Vorreiter eines globalen Bewusstseinswandels ist.
Noch ist das Klimaschutzpotenzial nicht ausgereizt und auch die Kanzlerin weiß, dass hier jede Menge Wählerstimmen darauf warten, abgeholt zu werden. An populistischen Vorschlägen, wie der CO2-Abbau beschleunigt werden könnte, mangelt es nun wahrlich nicht.
Eine sinnvolle und nachhaltige Energiewende wird ohne Kohle nicht möglich sein. Zu unsicher die bisherige Versorgung mit Ökostrom, zu unsinnig nationale Alleingänge. Wir brauchen politische Zusammenarbeit in Europa, um die Energieversorgung umzubauen.