„Wir sind reich genug, um uns Klimaschutz zu leisten - und zu arm, um darauf zu verzichten.“ Sigmar Gabriel
Die Entwicklung in der Türkei gibt Anlass zur Sorge – längst gehen Extremisten und Holocaustleugner in Ankara ein und aus. Der Westen muss auf Erdogan zugehen und seine Wertschätzung zeigen, will er die Türkei als Verbündeten nicht verlieren.
Die USA bleiben die einzige Weltmacht, die im Nahen Osten für Frieden sorgen kann. Denn wirkliche Sicherheitsgarantien für beide Seiten kommen nur aus Washington, nicht aus Brüssel oder Straßburg. Auch die sprunghafte Türkei lässt sich allerhöchstens von den Amerikanern in Zaum halten. Das Interview führte Alexander Görlach.
Der starke Mann von Ankara hat die Wahlen gewonnen. Erdogan regiert ein boomendes Land: Die Wirtschaft wächst, das Land ist zum regionalen Knotenpunkt geworden – die Türkei ist das Gegenbild zur kränkelnden EU. Einzig der konservative Nationalstolz droht die Modernisierung des Landes zu behindern.
Ein starkes Europa, eine schwache Türkei – das war einmal. Viel hat sich in den letzten zehn Jahren verändert, die Euroskepsis ist zurückgekehrt. Trotzdem gibt es nur einen Weg: gemeinsam unter dem Banner der EU in die Zukunft.
Nach der Wahl ist vor der Wahl: Erdogan muss sich nun entscheiden, ob er den EU-Beitritt der Türkei forcieren will. Die Gelegenheit ist besser denn je.
Erdogan hat die Opposition in seinem Land weitgehend ausgeschaltet und nutzt die enorm wichtige geostrategische Lage seines Landes, um sich unentbehrlich zu machen. Auf Europa wird er dabei aber nicht verzichten können.
Der türkische Staatschef Erdogan reist nach Somalia – und demonstriert einmal mehr die Entschlossenheit seiner Außenpolitik. Zu Hause ist er unangefochten, im Ausland wird er immer einflussreicher. Türkei und die EU, das war einmal.
Erdogan hat viele überrascht: Nicht-muslimische Minderheiten sollen für Enteignungen entschädigt werden. Doch eine Hinwendung zur EU ist das nicht. Minderheiten und religiöse Gruppen existieren weiterhin im rechtsstaatlichen Vakuum.
Mit dem Arabischen Frühling nahm die Türkei die Chance wahr, ihre Rolle im Nahen Osten zu stärken. Erdogan setzt neue Prioritäten, die für Assad langfristig das Aus in Syrien bedeuten; für den Westen präsentiert sich die Türkei dafür als neue wichtige Partnerin im Nahen Osten.
Israel und die Türkei entfremden sich. Dies ist eine historische Wende, kein kleiner Streit zwischen Freunden, wie viele im Westen noch hoffen. Die Türkei und Israel versinken in einem tiefen Zerwürfnis.