Der Leiter des interdisziplinären Ethikzentrums an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ist Professor für Bioethik und Medizinethik. Maio studierte Medizin und Philosophie in Freiburg, Straßburg und Hagen. Der gebürtige Italiener ist als Kritiker der Präimplantationsdiagnostik bekannt.
Der BGH hat bestätigt, was die FDP seit mehr als zehn Jahren für richtig hält: PID-Verfahren sind nicht strafbar. Es geht dabei nicht um Designerbabys, denn die Abtötung eines Embryos darf nur unter ganz bestimmten Bedingungen erlaubt sein. Unter welchen, soll eine Ethikkommission bestimmen.
Der Bundestag hat die Präimplantationsdiagnostik abgesegnet – leider! Es ist eine Grundsatzentscheidung mit weitreichenden Konsequenzen: Behinderung wird als Makel abgestempelt, eine dauerhafte Beschränkung der Methode wird nicht haltbar sein.
Vorm “Designer-Baby” haben alle Angst, aber ist das nun ein Unterschied, ob vor oder nach der Geburt optimiert wird?
Existenzielle Fragen wie die PID bedürfen einer gesetzlichen Regelung. Hierbei kommt es jedoch nicht nur auf die Einhaltung der Rechtsnormen an, sondern es sind vor allem subjektive Bewertungen gefragt. Zu diesem Zweck bräuchten wir Menschen, die ihre Entscheidungsorientierung aus den verschiedensten Quellen beziehen und sich ihrer Verantwortung für das Wohl der Allgemeinheit bewusst sind.
Das Urteil zur Präimplantationsdiagnostik ist kein Sieg der Freiheit und kein Zeichen von Liberalität. Es beschädigt vielmehr die Grundlage aller republikanischen Freiheit, die Gattungssolidarität.
Gewichtige Gründe sprechen gegen eine Zulassung der PID. Sie eignet sich nicht für eine individualisierte Sicht auf einzelne Paare, sondern degradiert Embryonen zu Körpermaterial. Die Ethik in der Medizin muss wieder ernst genommen werden und das ärztliche Handeln darauf verpflichten, Gesundheit zu schützen und zwischen dem Nutzen und den Risiken einer Behandlung abzuwägen.
Seit Anfang Dezember ist das Gesetz zur PID in Kraft. Einen genauen Kriterienkatalog gibt es nicht. Vielmehr sollen Experten den Einzelfall entscheiden. Damit ist die Büchse der Pandora geöffnet.
Als Argument gegen die Präimplantationsdiagnostik wird immer wieder ins Feld geführt, dass die Auswahl gesunder Embryos einer eugenischen Selektion gleichkommt. Dabei ermöglicht die PID, dass nachteilige Gene ohne Krankheitsausbruch von Generation zu Generation weitergegeben werden können.
Der abendländische Mensch hielt sein eigenes Entstehen für etwas Besonderes. Die Mechanismen der Menschwerdung rangen ihm Bewunderung ab. Das ist vorbei: Aus dem Wunder Mensch wird das Projekt Embryo.