Die palästinensischen Gebiete sind reif für die Unabhängigkeit, innere Spaltung hin oder her. Israels Forderung nach palästinensischer Einigung als Grundlage für Frieden und Unabhängigkeit ist ein fadenscheiniger Vorwand, den Friedensprozess herauszuzögern.
Die einseitige Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates ist nicht mehr als ein klassisches Ablenkungsmanöver. Hamas und Fatah sind heillos verstritten. Doch solange es den Sündenbock Israel gibt, sucht niemand die Schuld in den eigenen Reihen. Tatsache ist, für Verhandlungen braucht Israel einen Verhandlungspartner. Jemand, der die Palästinenser als Einheit vertreten kann.
Angeblich wird im kommenden Januar in den palästinensischen Gebieten gewählt. Viel wahrscheinlicher ist aber ein Wahlboykott in Gaza und damit weder ein gemeinsames Parlament noch ein gemeinsamer Präsident noch Frieden.
Die Palästinenser sind kurz davor, einen weiteren historischen Fehler zu begehen, indem sie glauben, Israel ohne Verhandlungen zu Zugeständnissen zwingen zu können. In der momentanen Situation ist es allein der israelischen Armee zu verdanken, dass die Hamas noch nicht das Westjordanland kontrolliert. Ein aussichtsloses Chaos, das selbst eine Drei-Staaten-Lösung wahrscheinlicher macht als die zweier Staaten.
Der vereitelte Detroit-Anschlag hat gezeigt, dass selbst die strengsten Sicherheitskontrollen nicht ausreichen werden, jede Bedrohung durch Terroranschläge zu verhindern. Auch der sogenannte Krieg gegen den Terrorismus hat die potenziellen Gefahren, vor denen die Menschheit steht, nicht nachhaltig verringert.
Der israelische Publizist und Ex-Knesset-Sprecher Avraham Burg sieht eine radikale Intifada gegen Israel aufziehen – ohne Gewalt. Im Interview mit “The European” erklärt er, wer der Mahatma Gandhi der Palästinenser wird, warum Israel einen nuklearen Iran dulden soll – und Obama ein guter Schweigersohn wäre, aber ein schlechter Politiker ist. Das Gespräch führte Fabian Löhe.
Die Zeit für einen nachhaltigen Frieden zwischen Israel und Palästina drängt. Auf eine Einheit des Westjordanlandes mit Gaza zu warten wäre fatal. Die Hamas würde einem Kompromiss mit Israel niemals zustimmen. Ein erstes Abkommen mit der Westbank könnte Wohlstand bringen.
Weder Amerika noch Israel und die Palästinenser sind derzeit in der Lage, den Konflikt durch Endstatus- oder Friedensverhandlungen zu lösen. Alle Seiten drücken sich um das, was sie nun gut gebrauchen könnten: ein Interimsabkommen, das so lange währt, bis die Regierung Netanjahu stürzt.
Palästinas Abbas gerät weiter ins Abseits und Israels Regierung erweist sich als schlechter "Partner für den Frieden“. Die Enthüllungen des Nachrichtensenders Al Jazeera drohen zum Sargnagel des Nahostfriedens zu werden.