Die Politik mischt sich so dreist wie immer und so öffentlich wie nie in die Personalpolitik des ZDF ein. Intendant und Verwaltungsrat haben sich ineinander verbissen. Nun sucht der Sender einen Weg aus dem Schlamassel.
Neue Medien graben etablierten Akteuren das Wasser ab. Das ZDF will auf das veränderte Verhalten des Publikums reagieren und frohlockt über die Breitband-Internetanschlüsse: Endlich nicht nur Fotos und Grafiken im Netz anbieten, sondern auch wieder Filme! Auf digitalen Kanälen will der Sender nun neue Formate testen.
Was kann das ZDF denn überhaupt noch? Nicht viel, meint Jo Groebel, Medienpsychologe aus Berlin. Es hat aber noch viel Potenzial. Auf dem Alten aufbauen, als das ZDF noch die Avantgarde der öffentlich-rechtlichen Sender war. Allein es fehlen junge kreative Köpfe. Die bleiben aus, solange der Gremienproporz auf dem Lerchenberg regiert. Da bleibt nur eins: die Alten wegmobben.
Spätestens seit dem Aufkommen der Privaten bewegen sich die Öffentlich-Rechtlichen zwischen Quote und Qualität. Der Fall N24 macht das Dilemma deutlich. Der Sender bringt keinen Gewinn. Die Zukunft des Systems ist gefährdet.
Bedrohen die Öffentlich-Rechtlichen die Verlage oder schlimmer: die Pressefreiheit im Allgemeinen? Die Kläger und ihre Unterstützer wittern das Gratis-Internet, rufen Kommunismus und singen das Loblied des freien Marktes – wohin der uns aber führt, sehen wir bei Goldman Sachs und in Fukushima.
Christoph Keese beklagt, die Öffentlich-Rechtlichen hätten mit der Tagesschau-App eine rote Linie überschritten. Doch so lange der Rest der Medien irgendwo zwischen Nichtinformation und organisierter Lesertäuschung schwankt, ist die Grundversorgung durch ARD und ZDF dringend notwendig – auch im Internet.
Die Linkspartei hat jetzt ein Programm – das bedeutet nicht, dass morgen der Weltkommunismus ausbricht, bringt aber öffentlich-rechtliche Redakteure bereits dazu, sich wie die Idioten zu verhalten, die sie wahrscheinlich auch sind.
Die ungarische Journalistin arbeitete bis zum Ausbruch des sogenannten “Medienkriegs” beim staatlichen Rundfunk. 1993 kündigte Mihancsik bei dem öffentlich-rechtlichen Sender, um ihren Protest gegen die Eingriffe der Politik in die staatlichen Medien zum Ausdruck zu bringen. Seitdem arbeitet sie als freischaffende Journalistin. Von 2002 bis 2006 moderierte sie eine politische Debattensendung auf dem unabhängigen Radiosender Klubradio. Seit 2010 ist Mihancsik Chefredakteurin der Galamus Gruppe, einem Online-Nachrichtenportal.