Der Jurist, Philosoph und Soziologe Professor Felix Ekardt von der Universität Rostock ist Leiter der Forschungsgruppe Nachhaltigkeit und Klimapolitik. Ekardt ist politikberatend national und international im Klimaschutz tätig. Anfang 2012 erscheint von ihm bei Herder „Klimaschutz nach dem Atomausstieg – 50 Ideen für eine neue Welt“ als Taschenbuch in 2. Auflage.
Ein Durchbruch bezüglich der Reduktion von Treibhausgasen ist in Cancún nicht zu erwarten. Dafür steigt das Interesse an flexiblen Mechanismen, etwa dem Emissionshandel. Auch wenn alternative Foren hier zukünftig eine große Rolle spielen müssen, brauchen wir jedoch eine globale Marschrichtung.
Europa wird im 21. Jahrhundert bestimmend sein, um den Klimawandel auszuschließen. Kommissionspräsident Barroso streckt die Hand in Richtung der Entwicklungsländer aus und sagt: Wir helfen euch beim Klimaschutz. Das Europa Barrosos ist eines, das sich ehrgeizige Ziele setzt. In Kopenhagen beim Weltklimagipfel soll das einmal mehr deutlich werden.
Bei der großen Kritik an Klimagipfeln wie Kopenhagen oder Cancún wird oft übersehen, was jeder von uns für den Klimaschutz tun kann. Wir kaufen im Schnitt immer größere Autos und fliegen für immer weniger Geld. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass unser Konsumverhalten großen Einfluss auf den Umweltschutz haben kann.
Glaubt man den Zweiflern, dann herrschen bei den Verhandlungen in Cancún Machtkalküle und Profitinteressen statt Gemeinwohlorientierung und Vernunft. Doch wer die UN-Klimaverhandlungen als sinnlos schmäht, macht einen Fehler.
Es könnte der Eindruck entstehen, dass es in Cancún nicht um gemeinsame Lösungen für den Klimawandel, sondern primär darum geht, Finanzierungsbeiträge festzulegen und institutionelle Fragen zu regeln. Doch ohne Zugeständnisse der Schwellenländer scheint ein Gelingen unmöglich.
Beim Klimagipfel sitzen wir alle in einem Boot, doch tragen Industriemächte die historische Verantwortung, dieses sicher in den Hafen zu bringen. Die Entwicklungsländer können ihre Emissionen lediglich in der Zukunft mindern – indem sie die Industrialisierung überspringen.
Der Klimagipfel in Cancún war kein Durchbruch, aber er hat einem globalen Abkommen den Weg geebnet. Besonders die Schwellenländer haben die Chancen der "Green Economy“ erkannt, die Industrieländer sind nun im Zugzwang. Europa muss einen klaren Rahmen setzten und das Reduktionsziel erhöhen, zur Not auch ohne die USA.
Die verstärkte Nutzung von Kernenergie kann uns dabei helfen, den Klimawandel abzumildern. Denn zu stoppen ist er bereits nicht mehr, da sich die Großmächte auch in Durban nicht auf eine Beschränkung ihrer Emissionen einlassen werden.
In Durban müssen Länder wie China oder Indien in den globalen Klimaschutz eingebunden werden. Das ist die zentrale Herausforderung.