„Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Mißtrauensvotum gegen den lieben Gott.“ Karl Kraus
Europa wird im 21. Jahrhundert bestimmend sein, um den Klimawandel auszuschließen. Kommissionspräsident Barroso streckt die Hand in Richtung der Entwicklungsländer aus und sagt: Wir helfen euch beim Klimaschutz. Das Europa Barrosos ist eines, das sich ehrgeizige Ziele setzt. In Kopenhagen beim Weltklimagipfel soll das einmal mehr deutlich werden.
Beim Klimagipfel sitzen wir alle in einem Boot, doch tragen Industriemächte die historische Verantwortung, dieses sicher in den Hafen zu bringen. Die Entwicklungsländer können ihre Emissionen lediglich in der Zukunft mindern – indem sie die Industrialisierung überspringen.
Kein Thema bewegt die Jugend so sehr wie der Klimawandel. Er ist der Strohhalm in Zeiten ihrer Politikverdrossenheit. Doch in Kopenhagen steht noch mehr auf dem Spiel. Der Klimawandel ist das erste Thema, das die Jugend global vernetzt. Der gescheiterte Gipfel könnte der Weltgemeinschaft der Zukunft nachhaltig den Wind aus den Segeln nehmen.
Der Klimagipfel in Bonn hätte ein richtiges Signal senden können – wenn er denn ernst gemeint gewesen wäre. Das Treffen war nur Wahlkampfhilfe für die Landesregierung in NRW, behauptet Grünen-Politiker Oliver Krischer. Schwarz-Gelb hat die Klimaschutzbemühungen in Deutschland längst eingestellt.
Es könnte der Eindruck entstehen, dass es in Cancún nicht um gemeinsame Lösungen für den Klimawandel, sondern primär darum geht, Finanzierungsbeiträge festzulegen und institutionelle Fragen zu regeln. Doch ohne Zugeständnisse der Schwellenländer scheint ein Gelingen unmöglich.
Ein Durchbruch bezüglich der Reduktion von Treibhausgasen ist in Cancún nicht zu erwarten. Dafür steigt das Interesse an flexiblen Mechanismen, etwa dem Emissionshandel. Auch wenn alternative Foren hier zukünftig eine große Rolle spielen müssen, brauchen wir jedoch eine globale Marschrichtung.
Glaubt man den Zweiflern, dann herrschen bei den Verhandlungen in Cancún Machtkalküle und Profitinteressen statt Gemeinwohlorientierung und Vernunft. Doch wer die UN-Klimaverhandlungen als sinnlos schmäht, macht einen Fehler.
Der Jurist, Philosoph und Soziologe Professor Felix Ekardt von der Universität Rostock ist Leiter der Forschungsgruppe Nachhaltigkeit und Klimapolitik. Ekardt ist politikberatend national und international im Klimaschutz tätig. Anfang 2012 erscheint von ihm bei Herder „Klimaschutz nach dem Atomausstieg – 50 Ideen für eine neue Welt“ als Taschenbuch in 2. Auflage.
Gemessen an den wahren Herausforderungen des globalen Klimawandels war Cancún eine verheerende Pleite. Angesichts des eigenen Verbrauchs ist die EU nun aber in der Pflicht, allein voranzuschreiten, sollte der Kompromiss von Cancún nicht umgesetzt werden können.
Der Klimagipfel in Cancún war kein Durchbruch, aber er hat einem globalen Abkommen den Weg geebnet. Besonders die Schwellenländer haben die Chancen der "Green Economy“ erkannt, die Industrieländer sind nun im Zugzwang. Europa muss einen klaren Rahmen setzten und das Reduktionsziel erhöhen, zur Not auch ohne die USA.