Eine grundlegende Reform der Hochschulen ist dringend geboten. Doch viele Politiker haben nicht begriffen, was Bildung in unserer Gesellschaft bedeutet. Dabei brauchen wir den Luxus einer breiten akademischen Bevölkerung dringender denn je. Es ist Zeit für die “Demokratische Hochschule 2011”.
Der Bologna-Prozess ist gescheitert. Konformistische Leistungsbereitschaft ist das neue Maß der Dinge, die Studienbedingungen aber haben sich eher noch verschlechtert. Wenn man merkt, dass der falsche Weg eingeschlagen ist, wieso ändert man dann nichts?
Die Studenten streiken und alle zeigen Verständnis: Rektoren, Politiker, Parteien und Verbände. Wir brauchen aber kein Verständnis, sondern ein Ziel: Was sollen unsere Hochschulen leisten? Und vor allem: Wie können sie es leisten? Die Hochschule von morgen braucht nicht einfach mehr Geld, sondern moderne Managementstrukturen. Denn nur ein gut organisiertes System kann auch sozial sein.
An seinen eigenen Zielen gemessen, muss der Bologna-Prozess als gescheitert gelten. Schlimmer noch: Es drohen uns akademische Monokultur, verschulte Studiengänge, soziale Rücksichtslosigkeit und geistige Verödung. Bologna muss daher tief greifend reformiert werden. Oder europaweit beerdigt.
Der Geist ist aus den Hochschulen ausgezogen. Denn Bologna entwickelte sich in einem verhängnisvollen Kontext. Die Hochschulen sollten sich auf ihren Auftrag besinnen: die “Wahrheit” über die Wirklichkeit zu erforschen und der Öffentlichkeit zu vermitteln.
Wer die Universitäten einem ständigen Prozess des Planens, Berechnens, Evaluierens und Kontrollierens unterwerfen will, hat entweder die Idee der Universität nicht verstanden oder er hat sie verstanden, verachtet sie aber.
Es herrscht Verbesserungsbedarf, Fragen zur Umsetzung müssen beantwortet werden und doch: Bologna ist noch lange nicht gescheitert. Mit einer Vielfalt von Ideen und Konzepten, persönlichem Engagement bei neuen lebensweltlichen Problemlösungen und Freiheit in der Umsetzung gelangen wir über die Bildung zur offenen Gesellschaft.
Kostenloser Hochschulzugang (re)produziert soziale Ungleichheit! Was schon Marx wusste, muss auch heute wieder als Argument erlaubt sein. Denn: Wenn Kinder reicher Eltern auf Staatskosten studieren, kann das nicht gerecht sein.
Das Bildungsideal Humboldts ist überkommen – die Debatte um eine Reform dreht sich im Kreis. Für ein künftiges Finanzierungsmodell der Universitäten muss zunächst grundsätzlich geklärt werden: Was bedeutet Universität heute?
Besonders US-amerikanische Hochschulen sehen sich nicht nur als Wissens-, sondern auch als Wertevermittler. Dies kann ein virtuelles Netzwerk nicht übernehmen. Aber im Hinblick auf die Finanzierungsmöglichkeiten von US-amerikanischen sowie deutschen Universitäten drängt sich die Frage auf, ob diese ihrer Funktion als Wissensvermittler überhaupt noch gerecht werden können. Droht die Endstation Online-Campus?