Mehr als zehn Jahre nach dem Start des Afghanistankrieges ist die Hoffnung für einen guten Ausgang des Einsatzes fast völlig aufgebraucht. Wenn sie nicht schon abgezogen sind, bereiten sich die beteiligten Ländern auf den Abzug vor.
Der Rückzug aus Afghanistan ist keine echte Option, aber auch Zehntausende Truppen werden es nicht richten können. Wir müssen uns daher auf realistische Ziele konzentrieren und aufhören, über Präsident Karsai herzuziehen: Denn das Nationbuilding wird nicht funktionieren. Stattdessen müssen wir Deals abschließen – und dafür auch die Taliban bestechen.
Bei der Afghanistan-Konferenz in London stehen die Fragen nach Truppenaufstockung und einer Reintegration der Taliban im Vordergrund. Dabei gerät ins Hintertreffen, worum es beim Wiederaufbau ursprünglich gehen sollte: die Schaffung eines zivilen Staates, der auf eigenen Beinen stehen kann.
Ziviler Aufbau und Aussöhnung in Afghanistan können nur gelingen, wenn Sicherheit gewährleistet wird. Es ist Zeit, dass Afghanen Schritt für Schritt selbst dafür sorgen – flankiert durch die internationale Gemeinschaft.
Für die afghanische Regierung ist die Entdeckung Bin Ladens in Pakistan Grund zur Genugtuung. Nicht in ihrem Land, sondern beim benachbarten US-Partner hat sich der Terroristenführer versteckt. Die regionale Dimension des Konflikts wird hier besonders deutlich.
Trotz vieler Rückschläge haben sich in Afghanistan Ansätze einer Zivilgesellschaft herausgebildet, doch die Ermordung vieler Taliban scheint sich mittlerweile als Fehler herauszustellen.
Der Debatte um den Abzug der Afghanistan-Truppen fehlt es oft an Nachhaltigkeit – denn die Strategie ein ums andere Mal umzuwerfen, hilft niemandem. Am wenigsten den Afghanen selbst.