Das Ausmaß der Staatsverschuldung ist dramatisch, aber nicht tragisch, denn sie hätte vermieden werden können. Das wirklich Tragische an der Krise ist, dass Griechenland nicht das einzig Vernünftige machen kann, nämlich den Internationalen Währungsfonds um Hilfe bitten.
Den Griechen steht ein harter Sparkurs bevor. Doch in der Krise liegt auch eine Chance, wie Irland erfolgreich vorgemacht hat: Eine heilsame Schockwirkung könnte den Euro aus der Krise sogar noch gestärkt hervorgehen lassen.
Die dramatische Form der Tragödie hat ihren Ursprung im antiken Griechenland; ihr prägendes Element ist die ausweglose Lage des Protagonisten. Ganz gleich, wie er sich verhält, letztlich wird er scheitern.
Erst zögern und dann den Bundestag unter Druck setzen: Angelica Schwall-Düren kritisiert die Salami-Taktik der Bundesregierung beim Krisenmanagement zur Griechenland-Hilfe. Das Verhalten der Kanzlerin habe die Krise noch verschlimmert. Das Interview führte Oliver Scheiner
Die Finanzkrise in Griechenland gerät zur existenziellen Bedrohung der Europäischen Währungsunion. Angela Merkels Fähigkeiten, Krisen zu meistern, sind jetzt mehr denn je gefragt. Denn mit dem Euro steht auch die politische Union auf dem Spiel.
Mit Zähneknirschen tritt der Sozialdemokrat Steffen Reiche dafür ein, dass Europa Griechenland in der Finanzkrise unterstützen möge – aber nur unter Auflagen, die Athen zwingen, endlich mit offenen Karten zu spielen. Und Deutschland begnügt sich mit weniger Rüstungsexporten.
Deutschland hat ein vitales Interesse, dass Griechenland geholfen wird. Geht der Staat pleite, bleiben viele deutsche Banken auf ihren Krediten sitzen. Bleibt die Frage, welche Länder künftig noch Finanzhilfen beanspruchen.
Die Linke will in NRW an die Macht – Schluss mit käuflicher Politik und Sozialabbau. Sahra Wagenknecht kritisiert die Verschleppung der Griechenland-Hilfen, bittet die Banken zur Kasse und fordert einen für alle bezahlbaren Zugang zu Wohnraum, Wasser und Energie.
Große Koalition oder Rot-Rot-Grün? Parteienforscher Karl-Rudolf Korte sieht im Linksbündnis ein Risiko für die SPD. Die Große Koalition hingegen würde von verlässlichen Vertragspartnern getragen.
Das Interview führte Alexander Görlach.
Die Panik in Europa ist groß, in den Medien wird von feindlichen Spekulationsattacken aus den USA gesprochen, befeuert von Bonitätsabstufungen der großen Rating-Agenturen. Maßnahmen, die solche Agenturen zu mehr Transparenz verpflichten, werden in Europa bislang nicht ergriffen.