„Fast alle Reiche entstehen durch Gewalt, aber keines kann durch Gewalt erhalten werden.“ Henry Kissinger
Der Netz-Philosoph und Schriftsteller Nicholas Carr warnt mit drastischen Worten vor den Gefahren, die die Nutzung des Internets für unseren Intellekt bedeutet. Ob er selbst wieder gedruckte Bücher liest, was unserer Kultur und unserem Geist in den nächsten Jahrzehnten droht und wie das Netz unser Gehirn neu programmiert, verrät er im Gespräch mit Florian Guckelsberger.
Wir waren nie freier als heute – nicht trotz, sondern wegen des neuronalen Determinismus. Denn: Wir sind mehr als nur Bewusstsein.
Sind wir unfrei, weil sich Gott uns weder im Weltall noch im Computertomografen zeigt? Wenn Neurobiologen glauben, mit ihren Forschungen das Prinzip der Willensfreiheit widerlegen zu können, dann verwechseln sie die Speisekarte mit dem Essen.
Wie viel freien Willen hat ein Verbrecher? Lars Mensel sprach mit dem Neurowissenschaftler David Eagleman über die Vorhersage von kriminellem Verhalten, attraktive Psychopathen und das Gehirn von Anders Behring Breivik.
Der Neurowissenschaftler forscht am Baylor College of Medicine in Houston, Texas. David Eaglemans Forschbereiche sind die Wahrnehmung von Zeit und visuellen Signalen, Synästhesie und den Schnittpunkt von Neurologie mit dem Rechtssystem. Er leitet das Laboratory for Perception and Action und ist Begründer einer Initiative für Neurowissensschaft und Gesetzgebung. Sein neustes Buch ist “Incognito – The Secret Lives of the Brain”, zuvor verfasste er mit “Sum” einen New York Times Bestseller.
Der Niederländer ist Professor am Institut für Neurowissenschaft der Universität von Amsterdam. Als Empfänger des ERC Advanced Grant erforscht er visuelles Bewusstsein und die neurologischen Ursprünge von Entscheidungen. Er ist ein regelmäßiger Gast in Fernsehsendungen, wo er unter anderem die Motive für bestimmtes Wahlverhalten erläutert.
Evolutionspsychologische Theorien lösen Abwehrreflexe aus. Warum eigentlich? Denn es geht um Gene, nicht um Ideologie. Unser interner Bauplan verrät vieles; im Guten wie im Schlechten.
Die Wissenschaft sagt: Je mehr Zeit Menschen auf Facebook verbringen, desto mehr gewinnen sie auch den Eindruck, dass alle anderen ein besseres Leben haben. Ich sage: Gern geschehen.
Aufgrund des Internets befinden wir uns inmitten eines kognitiven Wandels: allgegenwärtige Daten verändern unsere Wahrnehmung der Welt. Lars Mensel sprach mit dem Autor Nicholas Carr über die Vorteile des Gedruckten, den Verlust der Reflexion und darüber, wie unsere Vorfahren überlebten.