Die fünf täglichen Gebete bilden den Humus islamischen Lebens in Deutschland. Auch heute noch.
Man muss keiner Konfession angehören, um religiös zu sein. Auch wenn sich Religion verändert, so scheint das individuelle religiöse Befinden eine Grundkonstante der Menschheit zu sein.
Dem Gebet kommt eine ganz besondere Stellung im Leben zu: Es ist das Mittel der Kommunikation zwischen dem Gläubigen und seinem Gott – es ist damit nicht nur sinnvoll, sondern der Sinn schlechthin.
Gebete werden nicht immer erhört. Doch darum geht es auch nicht. Es ist die Kraft, die das Zwiegespräch spendet, und uns durchhalten lässt.
Eines der größten Mankos des Atheismus ist, dass er kein vernünftiges Bestattungsritual kennt. Es bräuchte einen Dichter oder Philosophen, um diese Lücke zu füllen – er könnte sich ruhig bei der Religion bedienen.
Gott erhört uns nicht immer, wie wir es uns wünschen, aber immer so, dass es gut für uns ist. Denn wenn die Seele Luft ablassen muss, dann braucht jeder einen Freund, der zuhört.
Das Gebet darf nicht Episode bleiben, es soll vielmehr beharrlich, hartnäckig, ja zudringlich sein. Wir dürfen das, weil Gott ein uns naher und persönlicher Gott ist; ein Vater.
Es muss kein konzentriertes Miteinander-Reden sein. Der Small Talk mit Gott ist bereits die Spende des Kostbarsten, was wir haben: unserer Zeit.
Beten ist mehr als ein kulturhistorisches Phänomen. Auch wenn das Aufreizende des Religiösen, seine Unbeweisbarkeit, hier besonders plastisch wird. Das Gebet ist somit der Ernstfall der Religion.
Vierzehn Mal in einem Jahr hat ein 18-Jähriger in dem für ihn eingeräumten Raum gebetet. Dafür wurde ein ganzes Justizsystem bemüht? Ja genau, denn es geht nicht um das persönliche Gebet, sondern um die größtmögliche sichtbare Dominanz des Islam.