„Alle Arten von kontemplativem Denken gehen verloren, während wir ständiger Ablenkung ausgesetzt sind.“ Nicholas Carr
Finanz-Rettungsschirme, Spekulanten-Überwachung und brutalstmögliche Sparvorschläge – viel Stückwerk im Krisenmanagement der Regierung. Was fehlt, ist eine klare Linie, die Deutschland braucht, um Europa aus dem Schlamassel zu führen.
Der von der Bundesregierung eingesetzte Eurorettungsschirm wird in Karlsruhe auf den Prüfstand gestellt. Auch 24 Mitglieder des Wirtschaftsverbands “Die Familienunternehmer” schließen sich der Klage an. Die Befürchtung: Die Errichtung einer Transferunion verstößt nicht nur gegen den Vertrag von Maastricht, sondern birgt auch jede Menge wirtschaftlichen Sprengstoff.
Wirtschaft und Finanzmärkte sind transnational vernetzt. Im Bereich der Kultur gibt es lediglich den Eurovision Song Contest, in der Politik regiert die Europaskepsis. Wenn wir das Projekt Europa zukunftsfest machen wollen, brauchen wir mehr europäische Öffentlichkeit. Europa gehört seinen Bürgern.
Euroskeptiker gibt es einige, eine gemeinsame Linie haben sie bislang jedoch nicht gefunden. Noch finden sie sich in strategischen Allianzen zusammen, doch das könnte sich ändern, wenn die Politik nicht um Solidarität wirbt, die Länder wie Portugal nun besonders brauchen.
Es steht schlecht um Portugal. Altlasten aus der Zeit des Diktators Salazar und eine verpasste Weichenstellung nach dem EU-Beitritt sorgen dafür, dass heute die Zahngold-Läden Hochkonjunktur haben. Ein Menetekel für das, was auch bald anderen EU-Ländern drohen könnte.
Seit über einem Jahr kämpft die Europäische Union mit der Refinanzierungskrise einiger Mitgliedstaaten, der sogenannten Euro-Krise. Inzwischen wissen wir: Es ist keine Krise des Euro, es ist eine Krise des wirtschafts- und finanzpolitischen Regierens in der Währungsunion.
Als wäre Thatcher nie abgetreten, fordern Euroskeptiker ihr Geld von der EU zurück. Doch gerade junge Generationen erleben den Mehrwert, den der Staatenbund ihnen bietet.
Auf Biegen und Brechen wird Griechenland noch aus der Schuldenfalle gezogen. Doch auch die Politik hat keine Wunderwaffen gegen die Misere des Landes – also wird es zunächst für den Steuerzahler teuer.
Wenn die Europäische Union weiter nur auf die wirtschaftlichen Entwicklungen reagiert, statt sie in die Hand zu nehmen, verhebt sie sich an der Schuldenkrise ihrer Mitgliedsländer.