Die Facebook-Managerin Randi Zuckerberg im Gespräch mit Chefredakteur Dr. Dr. Alexander Görlach. Die Aufnahme entstand auf dem Digital-Life-Design-Event des Burda-Verlags in München.
Im September hat die Türkei mit 57,9 zu 42,1 Prozent der Stimmen in einer Volksabstimmung einem Reformpaket mit 26 beabsichtigten Verfassungsänderungen zugestimmt. Dieses Ergebnis wurde von der amtierenden AKP freudig begrüßt – als wichtiger Schritt in Richtung der Demokratisierung des Landes. Diese Annahme ist falsch.
Eine Revolution ohne Anführer lässt sich leicht verführen. Ob die Massenproteste in Kairo gut sind für den Mittleren Osten, muss sich erst noch zeigen. Aber Respekt müssen wir den jungen Revoluzzern der muslimischen Welt jetzt schon zollen.
Huch, wo sind denn all die Werte hin? Natürlich handelt der Westen gegenüber Ägypten nach machtpolitischen Maximen… und gegenüber China… und Afghanistan… und Afrika…
Von Islam-Kritikern wie Geert Wilders in den Niederlanden, Henryk M. Broder oder Ayaan Hirsi Ali ist gegenwärtig wenig zu hören. Die Revolutionen in den arabischen Ländern lassen ihr Weltbild wanken – eine Antwort haben sie auf die veränderte Welt noch nicht gefunden.
Das Schlagwort Digitale Partizipation ist zu einem ideologischen und undifferenzierten Kampfbegriff geworden. Ausschließlich digitale Partizipation ist nicht nur ineffektiv, sondern auch nicht zu legitimieren. Erst im Medienverbund kann wahre Demokratisierung stattfinden.
Nach dreißig Jahren der Mubarak-Diktatur bereitet sich Ägypten mit Enthusiasmus auf die Demokratie vor. Der Weg dahin ist langwierig, der Prozess ist oft unorganisiert. Die Wahlen 2011 werden zum Testfall für die junge Demokratie.
Nach der Revolution braucht Tunesien die enge Anbindung an Europa, um seine wirtschaftlichen und politischen Probleme zu lösen. Leider hat sich die Mittelmeerpolitik der EU bisher vor allem auf die Bereiche Sicherheit und Terrorismus konzentriert. Das muss sich ändern. Eine kontrollierte Zuwanderung wäre für beide Seiten profitabel.
Ägypten kann den Aufschwung und die Demokratisierung nur mit Hilfe von außen schaffen. Die EU ist dabei der Wunschpartner vieler Menschen im Land. Doch dazu bedarf es mehr als warmer Worte: Europa sollte der jungen Demokratie finanziell und organisatorisch unter die Arme greifen.
Das saudische Regime versucht, gegen den Strom der Veränderung anzuschwimmen. Interner Dissens wird unterdrückt, Soldaten werden in die Nachbarländer geschickt. Und der Westen? Wir sehen weg und geloben Bündnistreue.