Das Böse ist eine Tötungsmaschine, die uns mitunter sogar ein Kindergesicht zeigt. Allgemeine Lehren lassen sich aus dem Ausbruch des Bösen aber nicht ziehen. Die Vorstellung ist naiv, der nächste Amoklauf oder die nächste tödliche Niedertracht lasse sich verhindern, wenn man nur lange genug über das Vorgefallene nachdenkt.
Im Angesicht des Bösen sind wir fassungslos, empört, die Welt ist aus den Fugen – weil jemand sie bewusst zerstört. Doch man muss kein böser Mensch sein, um böse Taten zu begehen. Es gibt – empirisch tausendfach belegt – keinen Automatismus zwischen der Prägung in bestimmten Lebenswelten und Verbrechen.
Wenn Gott gut ist, woher kommt dann das Böse? Aus der Freiheit, die der Schöpfer seinen Geschöpfen lässt. Diese klassische Antwort der Theologen hat keinen Bestand mehr, da die Willensfreiheit des Menschen den Erkenntnissen der Neurowissenschaften und der Evolutionsbiologie zum Opfer gefallen ist.
“Antichrist” hat der dänische Regisseur Lars von Trier seinen jüngsten Film genannt, in dem er die Selbstzerfleischung eines Ehepaars in der Wald-Wildnis aufgehen lässt. Das Böse jedoch, das von Trier hier beschwört, ist nicht so gefährlich, wie es tut.
Sie geben einfache Antworten auf komplizierte Fragen und komplizierte Antworten auf einfache Fragen. Sie funktionieren nach dem gleichen Muster wie die Erklärungsversuche unserer weit entfernten Vorfahren. Verschwörungstheorien sind die Mythen von heute.
Der Schock hält weltweit an, der Zorn wächst: Warum nur hat Anders Breivik so viele Menschen ermordet? Jedes Warum aber ist hier ein Warum zu viel.