Der Countdown läuft, in 28 Tagen haben wir einen neuen Bundespräsidenten oder eine neue Bundespräsidentin. Wolfgang Schäuble ist prädestiniert für das Amt – er könnte die Deutschen durch die Finanzkrise steuern.
Das Bundespräsidentenamt war immer schon Objekt parteipolitischer Taktik, die “Würde des Amtes” immer schon eine Chimäre. Spätestens mit der Nominierung Christian Wulffs wird das auch jedem deutlich. Die Idee des Ersatzmonarchen jedenfalls ist tot.
Wer solche Koalitionspartner hat, braucht keine Feinde mehr. Die Demontage von Christian Wulff durch die FDP ist beispiellos. Sie zeigt, wie machtlos Guido Westerwelle in der Drei-Prozent-Partei ist.
Christian Wulff ist der bessere Kandidat: Seine Themen werden Demografie, Generationengerechtigkeit und Integration sein. Da hat er Erfolge vorzuweisen, diese Themen entsprechen seinem Lebensalter und seiner familiären Situation.
Die Bundesregierung steht knietief im Vertrauens-Dispo und muss den Wählern spätestens nach der Sommerpause ein echtes schwarz-gelbes Profil bieten. Wenn Merkel & Co. das nicht gelingt, wollen sie die Wähler auch nicht mehr – ganz gleich, ob Wulff nun Bundespräsident wird oder nicht.
Manchmal könnte der Eindruck entstehen, es würde über Joachim Gauck abgestimmt und nicht über das Amt des Bundespräsidenten. Das ist aber keineswegs der Fall. Christian Wulff hat die nötige Erfahrung im Politikbetrieb, die Gauck fehlt.
Der Wahlkampf von Christian Wulff und Joachim Gauck war kein Wahlkampf um Inhalte, denn beide Männer gehören demselben politischen Lager an. Der Wahlkampf war einer um Beteiligung. Deshalb sollen künftig alle Menschen, die in Deutschland leben, ihr Staatsoberhaupt wählen.
Die Wahl ist ein Sieg der Politik und eine Niederlage für die Medien. Wulff ist – wie die Kanzlerin – präsidial und konsensorientiert. Jetzt liegt es an ihm, aus Bellevue eine politische Denkfabrik zu machen und keine Kirche oder Pilgerstätte.
Der Wahlkrimi am Mittwoch hat eines gezeigt: Angela Merkel hat Schlagseite, sie ist mit dem Virus des Versagens infiziert. Besäße Wulff Killerinstinkt, hätte er sich nach dem zweiten Wahlgang zurückgezogen und die Kanzlerin bloßgestellt.
Als Kandidat mag er in der Bundesversammlung gescheitert sein. Für den Diskurs gegen die Politikverdrossenheit und für das Amt des Bundespräsidenten hat alleine das Antreten Joachim Gaucks dennoch großes geleistet.