Es gilt in der Debatte um die Wehrpflicht, nur eine ernst zu nehmende Frage zu lösen: Wie kann man die Armee mit Nachwuchs versorgen, wenn es die Verpflichtung nicht mehr gibt? Die Antwort liegt auf der Hand: mit guten Aufstiegschancen und einer attraktiven Besoldung.
Die Einkaufspolitik der Bundeswehr ist untragbar. Überflüssige Beschaffungsprojekte haben in den vergangenen Jahren Unsummen verschlungen, zum Teil ohne das je geliefert wurde. Nur wenn diese Politik einen Paradigmenwechsel erfährt, ist der Weg frei für eine Freiwilligenarmee.
Der Verteidigungsminister fordert ein Ende der Wehrpflicht und alle stimmen zu – warum eigentlich? Denn die Vorzüge einer Berufsarmee sind nicht ersichtlich, schon gar nicht für die Soldaten.
Die Wehrpflicht ist nicht einfach eine Bürde. Sie bietet jungen Menschen Erfahrung und Orientierung für das spätere Leben. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht sollte man endlich “Wehrgerechtigkeit” herstellen und allen die Chance eröffnen, durch freiwilliges Dienen den eigenen Horizont zu erweitern.
Wer glaubt, die Wehrpflicht sei der Garant für die Verankerung der Streitkräfte in der Bevölkerung, hat die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre ignoriert.
“Relikt des Kalten Krieges” – ein Totschlagargument, gern angewandt auf Landesverteidigung, taktische US-Atomwaffen in Europa und auf die Wehrpflicht. Lässt man sich davon nicht beeindrucken, wird deutlich, dass auch ohne Konfrontation und konkreten Gegner viele Streitkräfteaufgaben das Ende des Kalten Krieges überdauern.
Ob Atomausstieg, Libyen-Einsatz oder Bundeswehrreform: Die Union folgt Frau Merkel und die folgt den Umfragen. Heraus kommt eine mäandernde CDU, die ihre Wiederwahl 2013 verspielt.
Eine Berliner Schule will keine Jugendoffiziere der Bundeswehr in ihren Räumen: Ist das richtig oder nur jene unangenehme deutsche Hypermoral, die nichts kostet?
Die Bundeswehr soll ein attraktiver Arbeitgeber werden – doch das geht nicht zum Nulltarif. Wer eine Freiwilligenarmee aufbauen möchte, muss auch die damit verbundenen Kosten akzeptieren. Seit zwanzig Jahren wird beim Wehretat gespart, zulasten der Einsatzbereitschaft und der Soldaten.
Die Bundeswehr muss fit gemacht werden für die Zukunft – doch Rekrutierungsmaßnahmen an Schulen sind dafür der falsche Weg. Wer für den Dienst an der Waffe wirbt, verhindert die Entwicklung gewaltfreier Sicherheitskonzepte. Doch genau dort liegt die Zukunft – beruflich und politisch.