Er ist der letzte aufrechte Sozialdemokrat. Er ist die SPD. Doch die Bundestagswahl hat den Mythos Müntefering entzaubert. Die Partei gilt als depressiv und der scheidende Vorsitzende ist alles, nur kein Rezept für morgen.
Nur noch zehn Millionen Deutsche haben am vergangenen Sonntag die SPD gewählt. Die Volkspartei hat vor allem in der Mitte der Gesellschaft an Rückhalt verloren. Die Analyse eines beispiellosen Absturzes.
Im Bundestagswahlkampf wurde eine Koalition mit der Linken kategorisch ausgeschlossen. Aber alle in der SPD wissen: Das war das letzte Mal. In Zukunft geht es nicht mehr um die Frage, ob ja oder nein. Sondern nur noch um das Wie.
Yusuf Bayrak wollte für den Berliner Stadtteil Neukölln als Direktkandidat in den Bundestag – vergeblich. Chancenlos gegen die etablierten Parteien liegt der Grund für die Kandidatur des Unabhängigen aber ohnehin tiefer: Er will nicht als “Migrant” abgestempelt werden, sondern das verkrustete Integrationsdenken aufbrechen – und eine Bresche schlagen für die, die nach ihm kommen.
Für die Erneuerung der SPD gibt es nur eine Richtung – nach links. Die Niederlage vom Sonntag markiert deshalb eine historische Komponente. Sie markiert den Beginn des Projektes Rot-Rot auf bundespolitischer Ebene.
Kanzlerin Angela Merkel präsentierte sich am Sonntag als strahlende Siegerin. Doch lange wird das Glück nicht währen: Sie muss das CDU-Profil schärfen. Denn die Liberalen werden die Bundeskanzlerin vor sich hertreiben. Die SPD wird derweil nach links rücken, und die Grünen müssen sich nach rechts öffnen. Die Politik in Deutschland wird sich somit polarisieren.
Nach der Bundestagswahl wird viel über die alten Lager geredet, dabei ist die politische Welt in Deutschland eine andere geworden. Die Wähler agieren heute taktischer.
Die Freude über den Wahlsieg darf über die strukturellen Probleme der CDU nicht hinwegtäuschen. Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth schreibt der letzten Volkspartei Deutschlands vier Aufgaben ins Stammbuch.