Sie (Jahrgang 1978) studierte in München, Granada und Berlin mit den Schwerpunkten Menschenrechte, Migration und Management. In ihrer Masterarbeit entwickelte Kaija Landsberg zusammen mit ihrem Kommilitonen Michael Okrob das Konzept zu Teach First Deutschland, das seit 2009 Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen als Lernverstärker („Fellows“) an Schulen in sozialen Brennpunkten entsendet.
Eine grundlegende Reform der Hochschulen ist dringend geboten. Doch viele Politiker haben nicht begriffen, was Bildung in unserer Gesellschaft bedeutet. Dabei brauchen wir den Luxus einer breiten akademischen Bevölkerung dringender denn je. Es ist Zeit für die “Demokratische Hochschule 2011”.
Wenn’s um die Bildung geht, ist es im christlich-abendländischen Bürgerdeutschland mit der Nächstenliebe vorbei: In Bayern hat ein Arbeiterkind eine siebenfach geringere Chance auf das Abitur, der Wissensvorsprung von 15-Jährigen aus der Oberschicht gegenüber Gleichaltrigen aus den unteren Schichten beträgt in Deutschland zwei Jahre. Wer das weiß und das Gymnasium trotzdem “geil” findet, führt genau den Klassenkampf, den es doch offiziell gar nicht gibt.
André Stern hat nie die Schulbank gedrückt – heute ist er glücklich und zufrieden, denn er übt den Beruf aus, den er liebt. Stern ist das beste Beispiel dafür, dass man auch abseits des klassischen Bildungssystems Erfolg haben kann.
Friseurgespräche sind der unwiderlegliche Beweis dafür, dass die Köpfe der Haare wegen da sind.
Bildung ist nicht bloß ein Haushaltsposten, sondern die Garantie für Chancengerechtigkeit innerhalb der Demokratie. Wer an den Aufstieg der Tüchtigen glaubt, kann kein Freund der britischen Studiengebühren sein.
Bei seiner Einführung in den 60er-Jahren galt der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen als geschlechtergerechte Errungenschaft. Nun fordern die Grünen: Kommando zurück!
Der Generationenvertrag ist brüchig, aber noch nicht gekündigt. Demografie und Schuldenlast zermürben ihn, deshalb gilt es, das Armutsrisiko schon heute durch Zugang zu Bildung zu minimieren. Die Rezepte sind bekannt, nun bedarf es politischen Willens.
Grundschulvergleiche allein bringen nichts. Man muss auch Konsequenzen daraus ziehen. Aber genau daran fehlt es.
Die Proteste in London überraschen nicht. Europa ist zum Elitenprojekt verkommen, für den Einzelnen ist die EU irrelevant. Mehr Bildung und mehr Partizipation sollen jetzt die Wende bringen. Doch die Wurzel des Übels liegt tiefer: Die Mittelschicht schrumpft weiter, die Unterschicht wird abgehängt.