Dass in Ägypten nun das Internet zensiert wird, überrascht nicht. Schließlich findet hier eine aufgeklärte patriotische Jugend ihr neues Zuhause. Während die Eliten die Proteste noch immer nicht verstehen, rollt die Protestwelle nun erst so richtig an.
Das Netz hat eine beeindruckende Wirkung entfaltet, von Teheran bis Tunis. Von Social Media-Revolutionen dürfen wir trotzdem nicht sprechen. In 140 Zeichen ist noch kein Diktator gestürzt worden.
Freiheit dauert nur einen Moment – denn steht sie erst einmal in einem deutschen Leitartikel, ist sie tot.
Social Media geben marginalisierten Gruppen die Möglichkeit, sich gesellschaftlich zu artikulieren. Der egalitäre Charakter der Social Media ist eine wesentliche Voraussetzung für die Umbrüche in den nordafrikanischen Staaten, wenn auch kein Erfolgsgarant.
Der arabische Frühling wird langsam zu einem libyschen Sommer – und der droht eine Ausnahme in der bislang erfolgreichen Serie von Revolutionen in Nordafrika und dem Nahen Osten zu werden. Dennoch wird sich das Gesicht der arabischen Welt ändern.
Irans Regime sieht sich durch die Umwälzungen in der arabischen Welt bestätigt: Prowestliche Regierungen wanken, profitieren könnte Teheran. Doch ein Sturz der syrischen Baath-Regierung könnte auch die Macht der iranischen Führung ins Wanken bringen.
Die lesbische Bloggerin Amina Arraf aus Syrien hat es also nie gegeben. Eine weniger, die unsere Sehnsucht nach Authentizität befriedigt.
Nach der Wahl ist vor der Wahl: Erdogan muss sich nun entscheiden, ob er den EU-Beitritt der Türkei forcieren will. Die Gelegenheit ist besser denn je.