Während nicht nur in Deutschland zehntausende Menschen auf die Straßen gehen, um gegen die Macht des Finanzsystems und die daraus resultierende Ohnmacht der Politik ein Zeichen zu setzten, haben die genannten Leitartikler nichts besseres zu tun, als die Demonstrationen als „jugendlich-naives-Banken-Börsen-Bashing“ (Benninghoff) und „Billig-Angriff“ (Beise) abzukanzeln. Obgleich keiner der Autoren es wagt, die Finanzbranche kollektiv von jeglicher Mitschuld an der Misere freizusprechen, relativieren sie die Verantwortung der Branche als Aussetzer einiger „schwarzer Schafe“ (Beise). Dirk Benninghoff sieht die Banken sogar als „Leidtragende der Krise“ und nicht als „deren Auslöser“.
Benger glaubt nicht, dass es sich dabei wirklich um die Meinung der Leitartikler handelt, er unterstellt ihnen vielmehr, die Argumentationsbausteine der Bankenlobby nachzubeten. Dies sei nicht weniger als ein Offenbarungseid für den kritischen Journalismus.
Die wenigen guten Artikel, die unsere Leser auch aus unseren Hinweisen des Tages kennen dürften, sind eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Seien es die Anti-Atom-Bewegung, die Stuttgart-21-Gegner oder nun die Occupy-Bewegung – die außerparlamentarische Opposition findet nicht wegen, sondern trotz der medialen Berichterstattung statt. Die Aufgabe der kritischen Berichterstattung und des Vordenkens haben – vor allem im Internet – längst Andere übernommen, die klassischen Medien hecheln diesen Trends bestenfalls hinterher oder betätigen sich schlimmstenfalls sogar als letzte Bastion gegen dringend notwendige Reformen des Finanzsystems.
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