Christian Wulff ist zurückgetreten – in einigen europäischen Ländern kann man die Gründe dafür nicht ganz nachvollziehen.
„Stellen sie sich vor: ein Präsident, der seinen Posten aufgibt, weil man ihm vorwirft, er habe einige Vergünstigungen in Anspruch genommen…“ schreibt Daniel Vernet auf slate.fr. Den Vorgang an sich findet man zwar spannend, die Gründe für den Rücktritt leuchten den Franzosen allerdings nicht ganz ein:
Kleinkram, denkt man auf der anderen Seite des Rheins. Nicht in Deutschland. Christian Wulff – das ist der Name dieses Präsidenten – wird weniger als zwei Jahre auf seinem Posten geblieben sein. Sein Rücktritt ist ein schwerer Schlag für Angela Merkel. Nicht, dass der Bundespräsident viel Macht hätte. Er hat davon weniger als unter der IV. Republik in Frankreich.
Alexandra präsentiert auf cafebabel.de einen kleinen europäischen Korruptionsvergleich, denn längst nicht alle Länder sind so streng wie die peniblen Deutschen:
Ganze zwei Amtszeiten hielt sich Silvio Berlusconi im Amt – trotz Korruptionsverfahren und Strafandrohung. Italiens damaliger Ministerpräsident konnte über die Vorwürfe nur müde lächeln. “Vor dem Gesetz sind alle gleich”, sagt er. “Aber ich bin gleicher.”
Die Spanier empörten sich hingegen über die Anzug-Affäre:
Erst im Januar stand der Ex-Präsident der autonomen Region Valencia vor Gericht, weil er zum Beispiel Maßanzüge im Wert von 30.000 Euro angenommen haben soll. Die Beweislast war erdrückend, doch die Geschworenen sprachen ihn frei. Die spanische Gesellschaft ist über solche Fälle nicht minder erbost, als es die deutsche im Fall von Wulff war. Nicht umsonst gründeten sich die „Indignados“ in Spanien, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Doch gefühlt hat sich die Politik längst vom Alltag der Menschen entfernt. Allen Protesten zum Trotz, sind auch die korruptesten Minister noch im Amt.
Die Originalbeiträge finden sie auf slate.fr und cafebabel.de.












