Als Rupert Murdoch im Jahr 2007 für 5,6 Milliarden Dollar das Wall Street Journal seinem Imperium einverleibte, das er seither zielstrebig bis zur Unkenntlichkeit umgestaltete, schien sich das tonangebende Blatt Amerikas eher im Windschatten öffentlicher Aufmerksamkeit zu bewegen. Doch das war die Stille vor dem Sturm, denn in jüngster Zeit ist auch die New York Times vermehrt in die Schlagzeilen geraten. Ihre wirtschaftliche Entwicklung hat sich dramatisch verschlechtert.
Die New York Times steckt bis zur Halskrause in Schulden. Ein Teil ihres neu erbauten Büroturms in Midtown Manhattan verkaufte sie kürzlich; die Gewerkschaften stimmten im Frühjahr 2009 einer befristeten Gehaltskürzung um fünf Prozent bis zum Jahresende zu. Schon zur Jahresmitte, so wurde spekuliert, könnte das Mutterhaus Gläubigerschutz beantragen müssen.
Dann fand sich allerdings mit Carlos Slim ein mexikanischer Multimilliardär, der dem hoch verschuldeten Zeitungshaus aus der ärgsten Klemme heraushalf. Nahezu zeitgleich erwarb in England ein russischer Oligarch und früherer KGB-Mann, Alexander Lebedev, den Evening Standard.
Bleibt Print lebensfähig?
Gelegentlich ist es der Verleger Arthur Sulzberger Jr. selbst, der provoziert. Sein Statement, er wisse nicht, ob sein Blatt in fünf Jahren noch auf Papier gedruckt werde, und es sei ihm “letztlich auch egal”, hat er freilich alsbald relativiert und betont, dass “Print noch über viele Jahre hinweg lebensfähig bleiben wird”, auch wenn “Anzeigengeschäft und Auflagen in der gesamten Branche in den letzten Jahren rückläufig” seien.
Sein Job sei es, “das digitale Geschäft so schnell weiterzuentwickeln, dass es die Verluste im Printsektor ausgleicht”. Gleichsam als Glaubensbekenntnis fügt er hinzu: “Qualitätsjournalismus lockt hochwertige Publika an, die wiederum hochwertige Anzeigenkunden attrahieren.” Das gelte “quer über die Medien hinweg” – und sei “wichtiger und zwingender denn je.” Genau an diesem Punkt haben Forscher jüngst mehrfach Zweifel angemeldet.
Sulzbergers Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen, auch wenn sie für die gedruckte Zeitung angesichts der Endzeitstimmung, die sich in der Branche ausgebreitet hat, nur relativ positiv ausfallen kann und er gewiss in den Kauf des Bosten Globe und auch mit einem Rückkaufprogramm eigener Aktien im Rückblick kostspielige Managementfehlentscheidungen zu verantworten hat. Die Auflage der New York Times sinkt weniger stark als anderswo; im ersten Quartal 2008 ist sie sogar leicht angestiegen.
Die NYTimes-Aktie war Mitte März 2009 für weniger als einen Big Mac zu haben
Das Anzeigengeschäft war zunächst ebenfalls weniger rückläufig als bei Wettbewerbern. Noch im Frühjahr 2008 teilte die Verlagsleitung mit, im Konzern seien die Einkünfte aus Inseraten innerhalb eines Jahres nur um fünf Prozent gefallen – im Branchenvergleich waren es seinerzeit sieben bis acht Prozent. Der Konzern konnte 2007 zehn Prozent seines Umsatzes im Web generieren – im Jahr zuvor waren es noch acht Prozent. Seither ist jedoch auch die New York Times voll in den Strudel der Wirtschaftskrise geraten. Minus 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr wurden Ende April 2009 bei den Anzeigeneinkünften vermeldet.
Von den Börsen wurden Sulzberger Anstrengungen und relativen Erfolge nicht honoriert. Obschon das Unternehmen im Zeitraum von 2003 bis 2006 Hunderte von Millionen Dollar in den Rückkauf eigener Aktien investiert hat, ist der Aktienkurs ins Bodenlose abgestürzt. Notierte die Aktie 2002 noch über 50 Dollar, so war sie Mitte März 2009 für weniger als einen Big Mac zu haben: für 3,86 Dollar.

















